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Das Kraftwerk von Volkswagen

Auch im ersten Halbjahr 2010 ist der VW Golf der Liebling von Herrn und Frau Schweizer. Der «Tages-Anzeiger» sucht in einem Halbjahrestest mit dem Topmodell Golf R nach dem Geheimnis des anhaltenden Erfolgs.

Starke Leistung: Der VW Golf R leistet 270 PS und begeistert mit seinem Mix aus problemloser Alltagstauglichkeit und Fahrspass pur.

Dieter Liechti

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Irgendwie müssen sich die Konkurrenten von Volkswagen (VW 127.2 -1.70%) in der hart umkämpften Kompaktklasse vorkommen wie Bill Murray als TV-Wettermoderator Phil Connors in der Hollywood-Komödie «Und täglich grüsst das Murmeltier». Während Phil Connors in einer Zeitschleife festsitzt und albtraumhaft wieder und wieder denselben Tag in der Kleinstadt Punxsutawney durchlebt, dürften sich die Manager vieler Autohersteller beim Blick auf die Bestsellerlisten ebenfalls in einer Zeitschleife wähnen. Denn monatlich oder zumindest jährlich grüsst der VW Golf von der Spitze der Verkaufsranglisten — und das schon seit 34 Jahren! Auch bei uns in der Schweiz. Hier hängen Wettermoderatoren zwar selten in einer Zeitschleife fest, sondern im medialen Albtraum, doch seit VW den Golf in den 70er-Jahren lanciert hat, gibts für die Ankündigung «And the winner is?.?.?.» nur eine Fortsetzung: der VW Golf. So entschieden sich auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 5968 Personen in der Schweiz für den Kauf eines Golfs. Damit liegt der Bestseller 36,5 Prozent vor dem Skoda Octavia. Der VW Polo auf Platz 3 hat mit 2682 Verkäufen nicht einmal halb so viele Exemplare geschafft, und der einst aggressivste Golf-Jäger, der neue Opel Astra, schaffte 2367 Exemplare — Platz 6.

Evolution statt Revolution

Doch was steckt hinter diesem Erfolg? Weshalb kann sich der VW Golf Jahr für Jahr gegen die Konkurrenz durchsetzen? Einer der wichtigsten Punkte ist die Tatsache, dass Volkswagen immer auf die bewährten Werte gesetzt hat. Während Ford und Opel bei jedem Generationenwechsel vor allem beim Design neue Wege eingeschlagen haben, blieb VW seiner traditionellen Linie treu. Auch wenn die Journaille bei jedem Modellwechsel aufheulte und sich über fehlende Kreativität und fehlenden Mut beschwerte, verzichtete VW auf optische Experimente. «Evolution statt Revolution», ist das Motto des Designteams. Das gilt nicht nur für den Golf, sondern für die ganze Modellpalette.

Aber auch ohne optische Spielereien oder spektakuläre Effekthascherei haben es die Wolfsburger immer und immer wieder verstanden, den Golf als klaren Leader im angestammten Segment, aber auch als vernünftiges Spassauto zu installieren. Ende der 70er-Jahre war es der von Giorgio Giugiaro gezeichnete Golf GTI, der die Grenzen zwischen kompaktem Familien- und Vernunftauto und den Sportwagen verwischen liess. Optisch musste sich der Italiener allerdings damals auch dem eng geschnürten Designkorsett der Wolfsburger beugen. Zwar bekam der erste GTI — Gran Turismo Injection — neue Felgen, ein paar dezente Spoilerlippen, ein Sport-lenkrad, einen Golfball auf dem Schaltknüppel und Karomuster auf den Sitzen. Doch die Musik spielte unter der kurzen Motorhaube. Dort sass der 1,6-Liter-Vierzylinder, der dank mechanischer Einspritzung 110 PS generierte.

4 Zylinder, 270 PS

In Verbindung mit dem Leergewicht von nur 810 Kilogramm wurde der optisch so dezente Golf zum Sportwagen. In 9,2 Sekunden spurtete der GTI auf Tempo 100. Da hatte die Konkurrenz das Nachsehen und Wolfsburg eine Legende. Eine Legende, die heute noch am Start steht. Aber, in Bezug auf die Leistung, nicht mehr auf der Poleposition. Denn schon seit 2002 gibt die «R»-Reihe beim Golf den Ton an: Den Auftakt machte der R32 auf Basis des Golf IV mit einem 3,2-Liter-Sechszylinder und 241 PS, im September 2005 folgte der R32 auf Basis des Golf V mit 250 PS, und seit diesem Jahr steht der Golf R der neusten Generation mit 270 PS am Start. Und wie: Zwar hat der neuste «R» beim Generationenwechsel zwei Zylinder verloren, doch das verschmerzen auch Ewiggestrige locker. Denn das Downsizing bei VW senkt nicht nur den Verbrauch um bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorgänger, sondern steigert auch die Leistung — und zwar in allen für einen Kompaktsportler wichtigen Belangen: Den Spurt von 0 auf Tempo 100 schafft der Neuling in 5,5 statt 6,2 Sekunden, und das Drehmoment steigt trotz kleinerem Motor von 320 auf respektable 350 Nm bei 2500 U/min.

Alltagstauglichkeit vs. AG

Besonders imposant ist die Tatsache, dass der Golf im Gegensatz zu vergleichbaren Autos ohne Zicken funktioniert. Das DSG-Getriebe findet immer den richtigen Anschluss, der Allradantrieb bringt die Kraft stressfrei auf die Strasse, das Fahrwerk ist trotz sportlicher Härte komfortabel, die Sitze auch hart, aber herzlich und die Ergonomie im Cockpit tadellos. Einziger Minuspunkt auf den bisherigen 15?000 Kilometern mit dem «R»: der über 10 Liter liegende Durchschnittsver- brauch und die Aargauer Nummer — denn einen «gepimpten» VW Golf mit «AG» findet man in Zürich uncool. Da nützt auch die modische Farbkombination mit weissem Auto und schwarzen Felgen nichts.

VW Golf R
Masse: Kompaktauto mit Allrad, 3 Türen und 5 Plätzen. Kofferraumvolumen 275 Liter.
Motor: 2-Liter-Vierzylinder mit Turbolader. 270 PS (199 kW). Drehmoment 350 Nm.
Getriebe: Doppelkupplungsgetriebe DSG mit Schaltwippen am Lenkrad.
Fahrleistungen: Spurt 0 auf 100 in 5,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.
Umwelt: 8,4 Liter auf 100 Kilometer. CO2 von 195 Gramm pro Kilometer.
Preis: ab 53?600 Franken.
Infos: www.volkswagen.ch (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2010, 07:54 Uhr

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