Back to the Roots
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Es war wie ein Geburtstagsgeschenk. Auf den Tag genau 50 Jahre nachdem in Oxford der erste Mini der British Motor Company vom Band gelaufen war, präsentierte Nachfolger BMW in Nizza einen aufregenden Neuling. Und den gleich im Doppelpack. Chefdesigner Gert Hildebrand hatte im Auftrag der Münchner die Brit-Ikone zum Coupé und zum Roadster gestylt. An jenem heissen 26. August 2009 enthüllte er an der Côte d’Azur seine beiden Konzeptcars. Und vielen, die damals dabei waren, wurde schlagartig klar: Mini ist auf bestem Weg Back to the Roots – zurück zu seinen Wurzeln.
Ein «Pocket-Porsche»
Jetzt, zweieinhalb Jahre später, weiss man es definitiv: Mit dem Doppel aus Coupé und Roadster knüpfen die Bayern tatsächlich wieder an jenes zur Legende gewordene Go-Kart-Feeling an, das den Ur-Mini fast schon im Überfluss auszeichnete. Jenen Winzling, der als Austin Seven oder Morris Minor die Autowelt revolutioniert hat und etwas später zum Mini mutierte. Drei Meter kurz, 605 Kilo leicht. Bretthart, wenn überhaupt, gefedert. Aber freudvoll und leidenschaftlich direkt zu fahren.
Ja, und dann sitzt man am letzten Tag im Januar 2012 im brandneuen Roadster, der ein halbes Jahr auf das haarklein gleich ausgelegte Coupé folgt. Oxford-Twins hat BMW die beiden Konzeptcars in Anlehnung an ihre legendären Vorgänger damals genannt. Designer Hildebrand sah es, unbescheiden, etwas anders: «Für mich sind die beiden Pocket-Porsches», sagt er damals. Porsches im Taschentuchformat. Und begründete die provokante Aussage so: «Die beiden verkörpern für mich das Gleiche, das ihre grossen ‹Brüder› aus Zuffenhausen schon lange auszeichnet – Unverwechselbarkeit und Klasse!»
Ohne Schweiss auf der Stirn
Und genau so ist: Der Roadster, noch konsequenter als 2-Sitzer ausgelegt als das Coupé (weil es hinten ja Platz für das halbautomatische Stoffverdeckt braucht), braust nicht nur los – er fegt richtig los. Dabei stand bei den Testfahrten entlang der portugiesischen Atlantikküste nicht etwa die Top-Version John Cooper Works mit seinen 211 PS zur Verfügung, sondern «nur» der Cooper S. Aber auch der hat es mit seinen 184 Pferdchen, die da galoppieren, in sich. Der offene Pocket-Porsche beschleunigt in 6,6 Sekunden auf Tempo 100. Und man spürt bis in die Fingerspitzen, welche Kräfte da auf die Vorderräder wirken.
So richtig freudvoll wirds aber erst in kurvigem Gelände. Der Roadster lenkt spontan ein, bleibt aber bis in den Grenzbereich gut kontrollierbar. Dabei nehmen einem das aufwendig konstruierte Fahrwerk, der sehr tiefe Schwerpunkt des 3,73 Meter kurzen Mini-Flitzers und seine hohe Verwindungssteifigkeit viel von der Arbeit ab, die einem früher noch die Schweisstropfen auf die Stirn getrieben hat. Uneingeschränkter Fahrspass ist trotzdem garantiert.
Da ist es also wieder, das von den Bayern stets von neuem heraufbeschworene und doch nie mehr ganz erreichte Go-Kart-Feeling, das weder im Clubman aufkommt, der nur um 42 Millimeter am Prestigemass der heutigen Golfklasse vorbeischrammte, sich dafür als «Transporter» ein braves Plätzchen in der Mini-Hit-Liste sicherte – und schon gar nicht im Allrad getriebenen Countryman, weit über 4 Meter lang und Mini-Fan feindliche 1,58 Meter hoch. Zum Vergleich: Der Roadster duckt sich auf 1,39 Meter, bevor er zum Sprung in ein neues Mini-Zeitalter ansetzt.
Kofferraum mit 240 Litern
Und das tut er in der Tat, denn einen klassischen 2-Sitzer hat es in der mittlerweile 52-jährigen Geschichte des Kultautos noch nie gegeben. Dass der Roadster dank Verzicht auf eine als Ablagefläche getarnte Rückbank (wie beim Coupé-Zwilling) auf ein Kofferraumvolumen von immerhin 240 Litern kommt, macht ihn nur noch sympathischer.
Verspielt wie eh und je, seit sich Gert Hildebrand 2001 darangemacht hat, dem Label Mini neues Leben einzuhauchen, gibt sich das Interieur. Das mag Ur-Mini-Fans noch immer missfallen. Dass die verwendeten Materialien von den sportlichen Sitzen mit perfektem Seitenhalt bis zu den (zu) vielen Tasten und Kippschaltern ausnahmslos edel und in der Farbgestaltung perfekt sind – auf BMW-Premium-Niveau eben –, das allerdings werden auch sie sich eingestehen müssen.
Nicht auf Mini, sondern auf Maxi-Niveau bewegen sich beim Neuling die Preise. In der Top-Version John Cooper Works kostet der Roadster 48 000 Franken. Mindestens. Denn die Aufpreisliste ist in gewohnter BMW-Manier endlos lang. Und auch der günstigste 2-Sitzer kommt als Mini Cooper auf 32 000 Franken zu stehen, der Cooper S kostet 39 500 Franken.
Als günstigen Mini One wird es den Roadster nicht geben, aber dafür in einer Diesel-Version (143 PS) ab 40 900 Franken, die sich mit einem Durchschnittsverbrauch (laut Werk) von 4,3 Litern zufrieden geben soll. Schon der Cooper S verbrennt locker das Doppelte. Eigentlich klar: Ein Spritspar-Weltmeister ist (und war!) der Mini nie. Denn der Fahrspass hat auch beim Pocket-Porsche seinen Preis.
Peter Hegetschweiler fuhr den Mini Roadster auf Einladung von BMW Schweiz am 30./31. Januar in Portugal. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.02.2012, 16:48 Uhr
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