VW steuert mit dem Amarok in die Nische
Von Markus Cavelti. Aktualisiert am 27.09.2010
In Mitteleuropa spielen sie zwar höchstens eine Nebenrolle. Doch im Rest der Welt zählen Pick-ups zu den erfolgreichsten Fahrzeugen überhaupt. Vor allem in den aufstrebenden Märkten in Südamerika und Asien, aber auch in Afrika und natürlich noch immer in Nordamerika führt an den grossen Pritschenwagen kein Weg vorbei.
Als erster europäischer Hersteller reagiert jetzt VW auf diesen Trend und bringt besser spät als nie einen neuen Laster an den Start — den Amarok. Produziert wird er in einem VW-Werk in Argentinien, und auch der Verkauf hat in Südamerika begonnen. Schweizer Förster und Pick-up-Fans müssen wohl bis Januar warten.
Ein Wolf aus Wolfsburg
Der Amarok, dessen Name in der Sprache der Inuit Wolf bedeutet, ist aber kein rei- nes Nutzfahrzeug, sonder laut VW ein «Lifestylefahrzeug in Pick-up-Form». Genau dort sieht VW die Chance, eine neue Nische zu besetzen. Zugeschnitten auf Konkurrenten wie Toyota HiLux, Ford Ranger und Nissan Navara, spielt der Neuling aus Wolfsburg in der Eintonnenklasse: Je nach Form der Kabine (die kurze folgt 2011), bis zu 5,25 Meter lang, knapp zwei Meter breit und dank zuschaltbarem oder permanentem Allradantrieb und Geländeuntersetzung auf allen Um- und Abwegen zu Hause, schafft er es, auf der 1,55 Meter langen und 1,62 Meter breiten Pritsche erstmals auch eine quer geladene Euro-Palette, die mit rund 1100 Kilogramm bepackt sein darf, zu transportieren.
Wer mit so viel Last reist, wird sich allerdings schon mal fragen, wieso VW dem Pick-up nur einen Motor spendiert. Denn mit seinen 163 PS macht der 2-Liter-Vier- zylinder-Diesel zwar als cooler Lifestyler Sinn und Spass, aber als Arbeitstier dürfte dann und wann die Souveränität fehlen. Dafür zeigt sich der Motor im Amarok sehr sparsam: Nur gerade 7,8 bis 8 Liter genehmigt sich der allradgetriebene «Wolf» auf dem Papier, so schafft man mit dem 80-Liter-Tank auch mal 1000 Kilometer.
Ab 35 820 Franken
Damit das nicht zur Tortur wird, hat VW dem Pick-up nicht nur ein dynamisches Outfit spendiert, sondern verwöhnt auch innen mit markentyischem Flair. Zwar wirkt der Kunststoff im Amarok nicht ganz so hochwertig wie in anderen VW-Modellen, doch die Ergonomie ist perfekt, und trotz den drei Ausstattungslinien «Basis», «Trendline» und «Highline» gibts eine lange Liste mit Optionen, die das Arbeiten und Reisen mit dem Amarok noch angenehmer machen.
Während der Wolfsburger Wolf vor allem in Südamerika und Afrika punkten soll — in Brasilien wurden über 25 000 Amarok vorbestellt — wird er in der Schweiz in der Nische bleiben. Importeur Amag rechnet mit maximal 400 Einheiten pro Jahr.
Dabei ist der Preis heiss: Mit Heckantrieb gibts den Pick-up ab 35 820 Franken, mit Allradantrieb ab 38 520 Franken. Zwar ist der Amarok eher ein Schaf im Wolfspelz als umgekehrt, aber Downsizing macht ja auch in dieser Klasse Sinn. Nur die Amis haben das noch nicht begriffen. (mac) (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.07.2010, 07:21 Uhr
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