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Für die Jagd nach dem Yeti

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 07.02.2012

Vom aktuellen Wintereinbruch lässt sich dieser Land Rover Defender nicht aufhalten. Seine riesigen Ballonreifen tragen ihn nicht nur durch den dicksten Schnee. Sie geben ihm auch seinen Namen – Bigfoot.

1/4 Brothers in Arms:
Bild: Land Rover

   

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Es ist morgens halb neun, draussen ist es noch fast dunkel, und David hat ein breites Grinsen im Gesicht: Der Winter hat Finnland fest im Griff, die Bäume biegen sich unter der Last des Schnees, und auf den Feldern rund um Hämeenlinna türmen sich die Schneewechten: «Genau die richtige Zeit für eine kleine Landpartie», freut sich David und startet den Diesel seines Defenders. Dann, wenn unsereins kaum mehr einen Fuss vor die Tür und erst recht nicht auf ein Gaspedal setzen möchte, fährt der Brite am liebsten. Denn David sitzt nicht am Steuer irgendeines Land Rover, sondern David ist Instruktor beim firmeneigenen Abenteuertrupp Land Rover Experience und Herr über die zwei einzigen Bigfoots aus dem Werksfuhrpark des britischen Geländewagenherstellers.

«Bigfoot», der mit den grossen Füssen – so nennen die Allrad-Abenteurer jene Spezialumbauten, bei denen die Geländewagen auf riesige Ballonreifen gestellt werden, damit ihnen der Winter nichts mehr anhaben kann. Zwar wird das Einsteigen zur Kletterpartie, doch dafür walzt David nun alles nieder, was Frau Holle ihm über Nacht in den Weg geworfen hat.

38-Zoll-Räder und Ballonreifen

Das Prinzip des Bigfoot hat David von den Eskimos oder wenigstens von deren Nacheiferern in den Wintersportorten abgeschaut. Denn genau wie deren Schneeschuhe vergrössern auch die dampfwalzenbreiten Ballonreifen auf den 38-ZollRädern die sogenannte Aufstandsfläche des Autos. Das verteilt den Druck und sorgt dafür, dass der Wagen nicht einsinkt. Ausserdem haben die Briten so die Bodenfreiheit fast verdreifacht. «Vorn unter dem Differenzial hatten wir 110 Millimeter, jetzt sind es 278 Millimeter.»

Wo normale Pneus durch den Schnee schneiden, drückt der Bigfoot die weisse Pracht nieder und bleibt immer obenauf. Je mehr Luft David aus den Reifen lässt, desto weiter gehen die Gummis in die Breite, und desto höher schwebt der Defender über den Schnee. Mit der Lenkpräzision ist es dann zwar nicht mehr so weit her, und für die Kurven braucht man ein bisschen mehr Platz. Aber nach ein paar Minuten fühlt man sich wie ein Snowboarder auf Rädern und surft förmlich durch das Winterwunderland. Man sinkt nicht mehr ein, fährt wie auf einer grossen weissen Wolke und sieht nur im Rückspiegel die breiten Furchen, die das Auto in die weisse Welt gegraben hat. Wie tief der Schnee wirklich ist, merkt man erst beim Aussteigen. Also beim Versinken.

Schnell ist der Bigfoot auf der Jagd nach dem Yeti aber nicht. Denn erstens holt der 5-Zylinder-Diesel aus den 2,5 Liter Hubraum nur magere 126 PS. Und
 zweitens bremst ihn die Getriebeuntersetzung ein. Selbst im fünften Gang schafft er bei Vollgas kaum mehr als 40 Sachen. Doch dafür kann man im Dritten noch anfahren, und im Ersten wühlt er sich mit seinen maximal 300 Nm so verbissen voran, als spüre er im Nacken den kalten Atem der nächsten Eiszeit. Und spätestens wenn die Druckluftkompressoren mit ohrenbetäubendem Zischen die drei zusätzlichen Sperrdifferenziale schliessen, kann den Defender nichts mehr stoppen – ausser vielleicht ein ungeschickter oder ungeübter Fahrer.

Bigfoot als Retter in der Not

Aber David fährt den Bigfoot auch nicht zum Spass. Sondern die beiden grossspurigen Dinosaurier hat Land Rover eigens als Bergefahrzeuge für die Abenteuertouren der «Experience» gebaut, erläutert der Instruktor. Immer dann, wenn Range Rover oder Discovery nicht mehr weiterkommen, dann rückt David aus, taucht die Szenerie mit den grossen Dachstrahlern selbst in der finstersten Nacht in gleissendes Licht, wirft die Winde an und zieht die Karren aus dem Dreck. «Mit dem Bigfoot habe ich noch jeden wieder flott gemacht», sagt der Brite voller Stolz.

Warum kann David zwar nicht erklären, aber Kundenfahrzeuge hat die Prototypenwerkstatt bislang noch nicht gebaut. «Dabei hats schon viele Anfragen gegeben», wundert er sich. Das macht die Sache zwar nicht unbedingt leichter. Doch müssen Allrad-Abenteurer deshalb trotzdem nicht auf schlankem Fuss durch den Schnee staken. Denn im etwas abgelegenen Island hat sich eine ganze Industrie entwickelt, die auf entsprechende Umrüstungen spezialisiert ist. In einem Land, in dem die grössten Gletscher Europas für die Einheimischen in erster Linie riesige Abenteuerspielplätze sind, leben Firmen wie Arctic Trucks blendend von den dicken Dingern – schliesslich kostet so ein Umbau mit Zubehör locker 20 000 Euro, heisst es bei den Isländern.

Auch im Sand unschlagbar

Bei den Briten stehen die Umbauten gar mit mindestens 45 000 Pfund in der Buchhaltung, doch dafür sind die beiden Bigfoots auch im Sommer unterwegs. «Was hier im eisigen Winter hilft, bringt uns auch auf Schlamm und Sand weiter», erklärt David. Darum holt er seine beiden Lieblinge auch im Sommer für Auslandeinsätze aus der Garage. «Die beiden Bigfoots sind echte Weltenbummler», erzählt er von den heissen Einsätzen in Marokko, Oman und im Süden Afrikas. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2012, 08:20 Uhr

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