Das Interieur des neuen Jaguar XJ -
ein Fest der Sinne
In einer Mischung aus zeitgenössischen Themen, echten High-tech-Features und Zitaten aus der über 40jährigen Geschichte der XJ-Baureihe schufen die Jaguar Designer einen die Sinne betörenden Raum. Zugleich gibt sich das Cockpit aber auch sehr funktional und ergonomisch durchdacht: Dank eines deutlich niedriger als im Vorgänger installierten Instrumententrägers und einer unzerklüfteten Architektur entsteht automatisch der Eindruck, in einer Sportlimousine Platz zu nehmen.
«Das Interieur des neuen XJ spricht alle Menschen an, die schönes Design schätzen. Die Kombination aus eleganten Oberflächen, hochwertigen Materialien, dem geschwungenen Instrumententräger und kühnen architektonischen Linien sorgt für ein intimes, von hoher Handwerkskunst geprägtes Ambiente. Denken Sie an ein minimalistisches Hotel mit einem Hauch von Schwelgerei und Glanz – der Ausbund modernen Luxus.» Ian Callum, Jaguar-Designdirektor, bringt es auf den Punkt: Im neuen Jaguar XJ wird jede Fahrt zu einem besonderen Erlebnis – für den Fahrer wie auch für die Mitfahrer.
Angefangen vom freundlichen Handschlag des verchromten und geschmiedeten Automatikwählschalters über die überaus bequemen Sitze, das gläserne Panoramadach und die Qualität der im Innenraum verarbeiteten Materialien bis zum glasklaren Sound der Audio-Anlage wurde jeder Aspekt sorgfältig durchdacht.
Callum: «Von Beginn an strebten wir nach einer vergleichsweise einfachen Architektur. Das erlaubte es, bei der Ausgestaltung behutsam vorzugehen. Folge: Das Cockpit ist selbst für einen solch luxuriösen Wagen nicht überladen.” Sein Kollege Giles Taylor, verantwortlicher Designer für das XJ-Projekt, fügt hinzu: «Speziell der Bereich vor dem Beifahrer ist extrem aufgeräumt. So wird er dazu animiert, seine Hände nach vorne zu strecken und das wunderbar weiche Leder der Armaturentafel zu berühren.»
Tief eingebautes Cockpit – wie für eine Yacht auf Rädern
Stichwort Instrumententafel: Es ist im Vergleich zum hoch bauenden, monolithischen Instrumententräger des Vorgängermodells betont tief installiert – ja sogar noch etwas geduckter als im Sportwagen Jaguar XK. Diesen Eindruck verstärkt ein feines Band aus Holz, das sich von der Mitte der Frontscheibe nahtlos bis in die hinteren Türen durchzieht und so ein behagliches und wohl behütetes Gefühl erzeugt. Taylor sagt: «Unser Ziel war es, die Instrumententafel an diesem Vorhang aus Holz aufzuhängen, um auf diese Weise Raumtiefe zu erzeugen. Denn nicht die Armaturen, sondern die unterhalb der Windschutzscheibe verlaufende Edelholz-Blende begrenzt den Fahrgastraum. So gleicht das XJ-Konzept dem luxuriösen Minimalismus auf dem Kommandostand einer edlen Yacht.»
Anders als bei vielen historischen Jaguar kommt die Mittelkonsole diesmal ohne Dekorationen aus Holz aus – sie widersprächen dem von Jaguar verfolgten Primat des modernen englischen Luxus. «Holz würde dort zu aufgesetzt wirken und stünde in zu starkem Kontrast zur sehr technologischen Umgebung», begründet Taylor diese Entscheidung. Statt dessen besteht die Einfassung für den im Stil eines Loewe-Flachbildschirms gestalteten Touchscreens aus gebürstetem Metall. Chrom-Einlagen und Klavierlack in soft-feel-Finish verbessern die visuellen und haptischen Eigenschaften der Bedienelemente.
Jedes Echtholzteil wird in sieben Arbeitsschritten manuell veredelt
«Trotzdem», betont Taylor, «haben wir im neuen XJ so viel Holz verbaut wie wohl seit den Zeiten eines Jaguar Mk X von 1961 nicht mehr.» Davon zeugen vor allem die üppig mit Holz verkleideten oberen Partien der Türen. Nach guter alter Manier werden sie von hochspezialisierten Handwerkern im Jaguar-eigenen «Wood shop» in Browns Lane (Coventry) gefertigt. Insgesamt bietet Jaguar für den neuen XJ neun verschiedene Holzsorten an – traditionell mit identischer, spiegelbildlicher Maserung. Bis ein kompletter Holzsatz die Manufaktur verlässt, vergehen fünf Arbeitsstunden. Dabei erfährt jedes einzelne Stück sieben verschiedene Behandlungsschritte, bis hin zur abschliessenden Klarlackschicht. Die drei für den XJ verarbeiteten Edelhölzer hören auf die Bezeichnungen Satin Zebrano, Walnut Curl und Figured Ebony. Das zum Beispiel in der Möbelindustrie sehr beliebte Zebrano-Holz feiert Premiere in einem Jaguar, doch das wertvollste Furnier von allen ist Walnut Curl.
Die höchste Kunst der Manufaktur stellen die exklusiv für den 510 PS starken XJ Supersport angebotenen Hölzer mit lasergeschnittenen Intarsien dar. Neben linearen und geometrischen Inlays gibt es auch eine Einlage in hellem Buchsbaumholz, die den «Jaguar-Leaper», die springende Raubkatze, abbildet.
Auch bei der Verwendung von Leder zeigten sich die XJ-Designer alles andere als knauserig – im Gegenteil. Denn in keinem anderen Modell des Unternehmens wurde laut Giles Taylor jemals so viel hochwertiges Leder verlegt wie im neuen XJ. Es findet sich auf den Sitzen, der Instrumententafel, den oberen Partien der Türen, der Mittelkonsole und den Armablagen wieder. Im Top-Modell Supersport ist sogar der Dachhimmel mit feinen Kuhhäuten ausgeschlagen.
Lederware nach dem Vorbild von Hermès, Gucci und Bulgari
Wie an einem in der Londoner Savile Row massgeschneiderten Anzug verfügt das Softgrain-Leder im XJ über wunderschöne Zwillings-Nähte. Das komplexe Nahtbild stellt auf moderne Weise ein Gefühl von Opulenz und Stilbewusstsein her. «Bei der Auswahl der Ledersorten orientierten wir uns am Standard solcher Hersteller wie Hermès, Gucci oder Bulgari”, sagt Taylor.
Ein spezielles optisches Highlight sind wunderschöne Türablagen, bei deren Gestaltung sich die Designer von handgefertigten Designer-Aktentaschen inspirieren liessen. Jede Tasche trägt eine Doppelnaht und wird durch einen feinen Chromstreifen eingefasst.
Besonders stolz ist Giles Taylor auch auf das elegante Dreispeichen-Lenkrad des XJ. Die dortigen Doppelnähte erinnern an hochwertiges Handgepäck für Männer, die chromumrandeten Wipptasten an Mobiltelefone von Nokia oder Siemens. «Im Gegensatz zu anderen Modellen der Oberklasse ist das Lenkrad komplett in Leder gehüllt, inklusive der mit der Jaguar-Raubkatze verzierten Prallplatte», betont er.
Semianilin-Häute des XJ Supersport atmen aus offenen Poren
Das exklusiv im XJ Supersport verwendete Semianilin-Leder der italienischen Spezialisten von Pasubio kommt sonst nur bei teuren Möbeln, Jacken oder Taschen, aber kaum je in einem Automobil zum Einsatz. Es sei denn, es heisst Jaguar XJ! Seine Stärke: Das natürliche Narbenbild wird durch eine leichte Farbschicht nur geschützt, aber nicht verdeckt. Die Poren der Lederhaut bleiben grösstenteils sichtbar, Atmungsaktivität und Temperaturausgleich möglich. Das Leder wirkt naturbelassener und weicher als konventionelle Sorten. Und natürlich riecht es auch besser als dick mit einer glänzenden Lackschicht imprägnierte Häute.
Wie sehr sich Jaguar vom altenglischen Stilmix aus Leder und Holz emanzipiert hat, zeigen fast schon exzentrische Interieur-Trims wie jenes für ein schwarzes Interieur für den XJ Supersport. Taylor: «In dieser Version werden das mit Seide ausgeschlagene Handschuhfach oder das Innenteil der aufklappbaren Mittelarmlehne im Fond durch lebhafte violette Zierstreifen aufgelockert. Vergleichbar einem massgeschneiderten Anzug von Paul Smith – der beim Ausziehen etwas Überraschendes auf der Innenseite enthüllt – oder modischen Schuhe von Oliver Sweeney.» Britisches Flair – extrem modern umgesetzt.
Kugelförmige Lüfterdüsen setzen romantischen Sportwagenakzent
Abseits davon steigern auch feinsinnige Details den Genuss, den neuen XJ zu fahren und in ihm zu reisen. Wie die vier kugelförmigen Luftausströmer am Armaturenbrett. Allein schon die Optik mit dem Kontrast aus hochglänzendem Klavierlack und verchromtem Metall ist reizvoll; im Supersport-Modell wird sie durch einen im Dunkeln sanft phosphorblau leuchtenden inneren Ring noch gesteigert. Das Triptychon aus der für einen XJ obligatorischen Analoguhr und den rechts und links angeordneten Düsen erinnert an historische Vorbilder aus der Jaguar-Geschichte, aber auch an Sportwagen der Konkurrenz. Die Inspiration für die Gestaltung der Düsen geht laut Taylor auf den Flugzeugbau zurück. In diesem Fall konkret auf das erste strahlgetriebene britische Jagdflugzeug, die Gloster Meteor von 1943.
«Die Lüfterdüsen haben eine ähnlich ikonische Ausstrahlung wie vergleichbare Teile in einem Rolls-Royce», sagt Taylor. Doch allein gut aussehen reiche nicht – auch die Bedienung müsse ein Erlebnis sein. «Ich nenne das ‚taktilen Luxus . Es soll für den Fahrer oder die Fahrerin angenehm sein, Bedienelemente im XJ intuitiv zu ertasten und zu bedienen. Daher haben wir zum Beispiel dem Automatik-Drehschalter und den Drehreglern der Lüftungsdüsen eine gerändelte statt glatte Oberfläche verpasst. Ein Rändelrad hat etwas sehr solides und erinnert an alten Wohlstand . Es ist sehr zeitgemäss und feinsinnig zugleich.»
Es sind diese Gegensätze, die den Reiz des XJ-Cockpits nicht unwesentlich ausmachen. Die Mittelkonsole stellt einen klaren Bruch mit modernen Cockpits im Stil eines iPods dar und beschwört Vorbilder aus Automobilen der absoluten Luxusklasse. Sie sollen kein nostalgisches Retrofeeling erzeugen, zitieren aber gleichwohl aus der langen Jaguar-Geschichte.
Liebevoll gestylte Analog-Uhr
Dieses Spannungsfeld zwischen Klassik und Moderne symbolisiert nicht zuletzt auch die wunderschöne Analog-Uhr in zentraler Position am Armaturenbrett. Ihr individueller Chromkranz und rot akzentuierte Zeigerspitzen zeugen neben dem Zifferblatt aus gedrehtem Metall von liebevoller Detailarbeit. Bei Dunkelheit wird der blau irisierende Hintergrund deutlich. Das Design erinnert an Luxusarmbanduhren. «Dabei dachten wir weniger an die Stilrichtung von Cartier, sondern an sportliche Uhren von Marken wie TAG oder Omega», sagt Taylor.
Viele solcher XJ-Designikonen werden durch das phosphorblaue Interieurlicht eigens hervorgehoben, was sehr zur entspannenden – weil harmonischen – Atmosphäre im gesamten Innenraum beiträgt. Neben den Verstellringen der Lüftungsdüsen erstrahlen sogar Jaguar-Schriftzüge in den Einstiegsleisten der Türen und der Kofferraumabschlussleiste in diesem stimmungsvollen Farbton.
Das Blinkersignal – als würde ein Silberhammer auf Teakholz klopfen
Last but not least ist das für einen Jaguar so charakteristische Blinkersignal des XJ zwar klar vernehmbar, doch nie aufdringlich. Es ähnelt – so eine immer wieder gern erzählte Legende unter Designern und Kennern der Marke – dem Klopfen eines Silberhammers auf Teakholz.
Erstellt: 13.01.2010, 11:48 Uhr
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