Waffenhandel fast wie im Kalten Krieg

Die weltweiten Rüstungsexporte erreichten in den vergangenen fünf Jahren ihr grösstes Volumen seit 1990 – auch wegen der Schweiz.

Drittgrösster Waffenimporteur weltweit: Die Vereinigten Arabischen Emirate, hier ein Schaufenster in Abu Dhabi.

Drittgrösster Waffenimporteur weltweit: Die Vereinigten Arabischen Emirate, hier ein Schaufenster in Abu Dhabi. Bild: Reuters

Seit 2004 steigen die weltweiten Rüstungsverkäufe kontinuierlich, nun haben sie das höchste Fünf-Jahres-Volumen seit dem Ende des Kalten Krieges erreicht. Dies zeigt der jüngste Bericht des internationalen Friedensforschungsinstituts Sipri. Demzufolge wurden zwischen 2012 und 2016 insgesamt 8,4 Prozent mehr Waffen exportiert als in der letzten Periode 2007-2011 und so viel wie seit 1990 nicht mehr.

Um das Volumen des Rüstungshandels unabhängig von den ändernden Waffenpreisen zu messen, hat Sipri eine vergleichende Einheit entwickelt: Der «trend-indicator value» (TIV) oder Trendindikatorwert ist nicht eins zu eins in Geld umrechenbar.

Grösster Exporteur 2012-2016 waren die USA. Sie machten alleine einen Drittel (33 Prozent) des globalen Handels aus. «Die USA versorgen weltweit mindestens 100 Länder mit Waffen – deutlich mehr als jeder andere Zulieferstaat», sagte Aude Fleurant, Direktorin des Sipri-Waffen- und Militärausgabenprogramms. Gehandelt würden Flugzeuge mit Cruise Missiles und anderer präzisionsgeführter Munition sowie die neueste Generation von Luft-und Raketenabwehrsystemen.

Auf Platz zwei der grössten Exporteure 2012-2016 landet Russland mit einem Anteil von 23 Prozent, gefolgt von China (6,2 Prozent), Frankreich (6 Prozent) und Deutschland (5,6 Prozent). Zusammen mit den USA beherrschen diese vier Länder fast drei Viertel des Marktes.

Die Schweiz hielt das hohe Niveau der letzten Periode 2007-2011 und belegt Platz 14 des weltweiten Rankings. Die Entwicklung der Schweizer Rüstungsverkäufe ähnelt indes der weltweiten, mit einem Höchststand Anfang der 80er, einem starken Rückgang der Exporte nach Ende des Kalten Krieges und einem erneuten Anstieg seit etwa zehn Jahren.

Hauptgrund für die weltweite Zunahme der Rüstungsverkäufe ist eine verstärkte Nachfrage aus Nahost und Asien. Fast die Hälfte der US-Waffenexporte beispielsweise gingen an Staaten im Nahen Osten. «Trotz sinkender Ölpreise bestellten die Länder der Region auch 2016 mehr Waffen, die sie als Mittel für den Umgang mit Konflikten und regionalen Spannungen sehen,» sagte Sipri-Experte Pieter Wezeman.

Der Nahe Osten kaufte 2012 bis 2016 insgesamt 29 Prozent der Waffen ein. Die Region Asien und Ozeanien machte 43 Prozent der globalen Importe aus. Die Nachfrage aus Europa, Amerika und Afrika hingegen ging im gleichen Zeitraum zurück.

Grösster Importeur war die Atommacht Indien mit 13 Prozent des globalen Volumens. Zusammen mit Algerien, China und Vietnam gehört es zu den Hauptabnehmern Russlands. Vietnam machte einen besonders grossen Sprung von Platz 29 auf Platz 10. Laut Sipri dürften asiatische Staaten ihre Arsenale in den kommenden Jahren weiter ausbauen, weil es keine regionalen Rüstungskontrollmechanismen gibt.

Aber auch im Nahen Osten könnte das Aufrüsten weitergehen. Saudiarabien war 2012-2016 mit 8,2 Prozent der weltweit zweitgrösste Importeur – mit einer Steigerung von 212 Prozent im Vergleich zum vorherigen Fünf-Jahres-Zeitraum. Bei Katar war eine Steigerung von 245 Prozent zu verzeichnen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.02.2017, 10:59 Uhr

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