LKW-Anschlag in Jerusalem – Fahrer war offenbar IS-Anhänger

In Jerusalem hat ein Mann einen Lastwagen in eine Soldatengruppe gesteuert. Mindestens vier Menschen wurden getötet. Die Polizei spricht von einem Terroranschlag.

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Bei einem Anschlag mit einem Lastwagen in Jerusalem sind nach Angaben von Ärzten vier israelische Soldaten getötet worden. Der Lastwagen war in eine Gruppe von Soldaten gerast. Der Fahrer wurde erschossen, sagte ein Arzt am Anschlagsort. Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes waren die vier Todesopfer alle zwischen 20 und 30. Es handelte sich demnach um drei Frauen und einen Mann. 17 weitere Personen wurden verletzt, eine von ihnen schwer.

Die Soldaten seien gerade aus einem Autobus gestiegen, als der Lastwagenfahrer sein Fahrzeug in die Menschengruppe lenkte, teilte eine Polizeisprecherin mit. Die Polizei sperrte den Ort des Anschlags ab. Mehrere Verletzte wurden von Rettungskräften behandelt.

Fahrer war Unterstützer des IS

Auf einem vom israelischen Fernsehen ausgestrahlten Überwachungsvideo war der Anschlag zu sehen. Der Fahrer setzte noch einmal zurück, nachdem er in die Menge gerast war, um offenbar noch mehr Menschen niederzufahren.

Dem israelischen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu zufolge ist das Attentat auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückzuführen. Alles deute darauf hin, dass der Attentäter ein Unterstützer des IS war, teilte Netanyahu am Sonntag mit. «Wir kennen seine Identität», sagte er. Der Stadtteil aus dem er kam sei abgeriegelt worden. Es gebe weitere Massnahmen, die er aber nicht näher ausführen wolle.

Nach der Tat vom Sonntag übernahm zunächst weder der IS noch irgendeine andere Gruppe die Verantwortung. Netanyahu zog bei einem Besuch am Anschlagsort aber Parallelen zu anderen IS-Anschlägen in Europa. «Wir wissen, dass es eine Abfolge von Terrorattacken gibt. Es könnte definitiv einen Zusammenhang geben, von Frankreich bis Berlin und jetzt Jerusalem.»

USA bieten Hilfe bei Ermittlungen an

Die US-Regierung hat den Anschlag mit einem Lastwagen in Jerusalem «auf das Schärfste» verurteilt. «Solche feigen Aktionen können niemals gerechtfertigt sein», erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Ned Price, am Sonntag.

Zugleich bot er Israel die «volle Unterstützung» der USA bei den Ermittlungen an. Bei dem Anschlag waren vier israelische Soldaten getötet und 13 weitere Menschen verletzt worden.

Das Verhältnis zwischen der scheidenden US-Regierung und der israelischen Führung ist stark angespannt. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ist erzürnt darüber, dass die USA eine UNO-Resolution gegen den israelischen Siedlungsbau in Palästinensergebieten nicht mit einem Veto blockiert haben.

Keine konkrete Warnungen

Der palästinensische Attentäter stammt aus dem arabischen Teil Jerusalems. Dies bestätigte der israelische Polizeichef Roni Alscheich. Es habe keine konkreten Warnungen vor einem Anschlag gegeben, sagte Alscheich am Ort des Anschlags. Über weitere Details der Ermittlungen sei eine Nachrichtensperre verhängt worden, sagte Alscheich. Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet sei an der Untersuchung beteiligt.

Der Polizeichef wollte nicht sagen, ob der Lastwagen dem Attentäter gehörte oder ob er ihn vor dem Anschlag gestohlen hatte. Er wollte sich auch nicht dazu äussern, ob man davon ausgehe, dass der Täter allein handelte.

Ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes Zaka sagte, den Sanitätern habe sich am Ort des Anschlags ein schlimmer Anblick geboten. Einige der Opfer, darunter auch Tote, waren unter dem Lastwagen eingeklemmt. Sie mussten mit einem Kran befreit werden.

Der Zaka-Mitarbeiter sagte dem israelischen Fernsehen, es handle sich um «den schlimmsten Anschlag mit einem Fahrzeug, den wir in der letzten Zeit in Jerusalem gesehen haben».

Hamas begrüsst die Tat

Ein Busfahrer berichtete am Radio, er habe gesehen, wie der Lastwagen in die Gruppe von Soldaten raste. Darauf hätten sie das Feuer eröffnet während der Fahrer zurücksetzte und noch einmal in die Gruppe fuhr. Die Aufnahmen einer Überwachungskamera bestätigen diesen Tathergang. «Die schossen auf ihn, bis er neutralisiert war», sagte der Busfahrer gemäss der Nachrichtenagentur «Reuters».

Der Sanitäter Chen Lendi Scharon war als einer der ersten am Anschlagsort und sagte, den Sanitätern habe sich am Ort des Anschlags ein schlimmer Anblick geboten. Zehn Personen seien unter dem LKW eingeklemmt gewesen.

Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas begrüsste die Tat, übernahm aber nicht die Verantwortung. Hamas-Sprecher Abdul-Latif Kanu rief andere Palästinenser auf, dem Beispiel des Angreifers zu folgen und den Widerstand auf eine neue Stufe zu stellen. «Der gewaltsame Widerstand mag ruhig sein, er mag verharren, aber er wird niemals enden», sagte Kanu.

Gewaltwelle seit Herbst 2015

Seit September 2015 kommt es immer wieder zu tödlichen Attacken von Palästinensern auf Israelis. Meist setzen die Angreifer dabei Messer ein, vereinzelt rasten sie aber auch mit Autos in Menschenmengen. Mittlerweile 40 Israelis und zwei Amerikaner kamen ums Leben, 229 Palästinenser wurden erschossen, die meisten von ihnen waren nach israelischer Darstellung Angreifer.

In den vergangenen Monaten waren die Angriffe aber deutlich zurückgegangen. Die Toten vom Sonntag waren die ersten auf israelischer Seite seit drei Monaten. Gleichzeitig war es auch einer der opferreichsten Angriffe, seit diese begannen.

Armon Hanaziv liegt in dem 1967 von Israel eroberten Teil Jerusalems. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil einer künftigen Hauptstadt für sich. Israel sieht jedoch ganz Jerusalem als seine «ewige, unteilbare Hauptstadt».

Der Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, rief die Einwohner zur Wachsamkeit auf, forderte sie aber gleichzeitig auf, ihr Leben weiterzuleben. «Leider gibt es keine Grenze für die Grausamkeit von Terroristen, die keine Möglichkeiten auslassen, um Juden zu töten und deren Lebensart zu zerrütten.» (mch/chk/sda)

Erstellt: 08.01.2017, 16:01 Uhr

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