Israel will IS-Sympathisanten sofort hinter Gitter bringen

Mit einer sogenannten Administrativhaft reagiert die israelische Regierung auf den Anschlag von Jerusalem. Ohne Anklage sollen Terrorverdächtige unmittelbar inhaftiert werden.

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Nach dem Lastwagen-Anschlag in Jerusalem mit vier getöteten Soldaten hat Israels Regierung drastische Sofortmassnahmen verhängt. Wer öffentlich mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sympathisiert, kann ab sofort ohne Anklage-Erhebung inhaftiert werden

Dies teilte ein Regierungsvertreter mit. Die sogenannte Administrativhaft erlaubt es, Häftlinge für jeweils verlängerbare Zeiträume von sechs Monaten ohne offizielle Anklage festzuhalten. Menschenrechtler haben diese Praxis immer wieder scharf kritisiert.

Die israelische Polizei versetzte die Sicherheitskräfte in Jerusalem nach dem Anschlag in erhöhte Alarmbereitschaft, wie eine Polizeisprecherin am Montag mitteilte.

Mehr Betonblöcke

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte, zum Schutz vor weiteren Angriffen dieser Art sollten in Jerusalem und an anderen Orten noch mehr Betonblöcke aufgestellt werden. Israelische Geheimdienste arbeiteten ausserdem intensiv daran, potenzielle Einzeltäter schon im Voraus zu identifizieren.

Israel will nach dem Anschlag rasch das Haus des Attentäters im Viertel Dschabel Mukaber in Ost-Jerusalem zerstören. Israels Sicherheitskabinett beschloss am Sonntag zudem, seine Leiche nicht an die Familie zu übergeben. Auch ein Antrag auf Familienzusammenführung mit Angehörigen im Gazastreifen solle nicht genehmigt werden, berichtete der Rundfunk am Montag.

Der Anschlagsort Armon Hanaziv liegt in dem 1967 von Israel eroberten Teil Jerusalems. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil einer künftigen Hauptstadt für sich. Israel sieht jedoch ganz Jerusalem als seine «ewige, unteilbare Hauptstadt».

Bisher hat die Polizei in Dschabel Mukaber neun Palästinenser festgenommen, unter ihnen fünf Angehörige des Attentäters Fadi al-Kunbar. Der Polizei-Einsatz in Ost-Jerusalem sei über Nacht fortgesetzt worden, teilte die Polizeisprecherin mit.

Hintergründe nicht geklärt

Die Hintergründe des Anschlags waren am Montag noch nicht geklärt. Ein Cousin des Attentäters zweifelte die Darstellung Netanjahus an, der Anschlag gehe auf das Konto des IS.

Fadi al-Kunbar habe zum IS «nie Verbindung aufgenommen», sagte der Cousin. Netanyahu hatte am Sonntagabend gesagt, alles deute darauf hin, dass der Attentäter den IS unterstützt habe.

Die israelischen Sicherheitskräfte gingen bislang davon aus, dass es unter den Palästinensern kaum Unterstützung für den IS gibt. Netanyahu hatte in den vergangenen Monaten immer wieder auf angebliche Ähnlichkeiten zwischen den von Palästinensern verübten Anschlägen in Israel und dschihadistischen Attacken hingewiesen, wie sie vor allem in Frankreich und zuletzt auch auf einen Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche verübt wurden.

Netanyahu sagte dazu am Sonntag: «Wir wissen, dass sich die Attentate aneinanderreihen, von Frankreich bis Berlin und nun in Jerusalem, und es besteht die Möglichkeit, dass es zwischen ihnen eine Verbindung gibt.»

Hamas droht mit weiteren Anschlägen

Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas begrüsste zwar den Anschlag, bekannte sich aber nicht dazu. Die Hamas drohte am Montag Israel mit neuen Anschlägen.

Palästinenser würden weiter Angriffe gegen Israel begehen, bis sie das Ziel der Befreiung erreicht hätten, sagte das führende Hamas-Mitglied Muschir al-Masri in Gaza.

Der Attentäter war am Sonntag mit seinem Lastwagen in eine Gruppe von Soldaten gerast, die einen beliebten Aussichtspunkt mit Blick auf die Jerusalemer Altstadt besuchten. Bei den Todesopfern handelt es sich um drei Soldatinnen im Alter von 20 bis 22 Jahren und einen 20 Jahre alten Soldaten. Die vier Getöteten wurden am Montag im Beisein von Hunderten Menschen beigesetzt. (kat/sda)

Erstellt: 09.01.2017, 18:58 Uhr

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