Ausland
«Wir können niemanden einschleusen, es wäre zu gefährlich»
Ban: UN-Sicherheitsrat soll handeln
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das mutmassliche Massaker in der syrischen Ortschaft Tremseh scharf verurteilt. In einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat sprach Ban von einer «abscheulichen Eskalation der Gewalt». Die syrische Regierung habe mit dem Einsatz schwerer Waffen gegen Resolutionen verstossen, hiess es. Ban forderte den Sicherheitsrat zum «kollektiven Handeln» auf, um die Gewalt in dem Land zu beenden.
Zuvor hatten sich der internationale Sondergesandte Kofi Annan sowie Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP) «entsetzt» über die Berichte gezeigt. Die Bundesregierung forderte eine Untersuchung.
Die syrische Regierung müsse den UN-Beobachtern «unverzüglich» Zugang zu dem Ort Tremseh gewähren, wo das Blutbad stattgefunden haben soll, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Es müsse geklärt werden, «was da vor sich gegangen ist und wem die Schuld dafür zukommt». (sda)
«Gemäss Zeugen dauerte der Artilleriebeschuss während Stunden an»: Nadim Houry, Direktor des Human-Rights-Watch-Büros in Beirut.
Das Massaker von Tremseh
Im syrischen Dorf Tremseh sollen mehr als 200 Menschen getötet, Leichen verbrannt, Frauen und Kinder abgestochen, ganze Familien regelrecht abgeschlachtet worden sein. Syrische Regimegegner berichten nur wenige Wochen nach dem Massaker von Hula über ein neues Blutbad in der syrischen Provinz Hama. Sollten sich die Berichte bestätigen, wäre es das schlimmste Massaker seit Beginn der Proteste gegen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad im März vergangenen Jahres.
Dossiers
Artikel zum Thema
- «Es gibt keine Möglichkeit, die Verletzten ins Krankenhaus zu bringen»
- Massaker in Syrien – Schweiz will Den Haag einschalten
- Kofi Annan, der Gescheiterte
- Russland schickt Kriegsschiffe nach Syrien
- «Wir werden niemals mit Assad an einen Tisch sitzen»
- Verlorene Jahre
Bildstrecke
Teilen und kommentieren
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Herr Houry, was ist in Tremseh passiert?
Ich kann Ihnen auch nur Informationen aus zweiter Hand liefern. Wir versuchen noch herauszufinden, was genau passiert ist. So viel wissen wir aus Zeugenberichten: Am Donnerstagmorgen gegen fünf Uhr geriet das Dorf unter Artilleriebeschuss. Was der Auslöser dafür war, wissen wir nicht. Bewaffnete Oppositionelle befanden sich in Tremseh. Jedenfalls haben die Regierungstruppen das Dorf umzingelt. Gemäss Zeugen dauerte der Artilleriebeschuss während Stunden an. Es gab Tote, Verletzte.
Vor allem Zivilisten?
Das kann ich noch nicht sagen. Ich sah eine Liste mit 20 Namen, doch es wäre nicht seriös, schon jetzt etwas Genaues zu sagen. Berichte lassen den Schluss zu, dass es viel mehr Opfer gab. Zurzeit ist es nicht möglich, mit den Leuten vor Ort zu kommunizieren.
Es heisst, konfessionelle Spannungen würden gezielt geschürt?
In der Gegend gab es schon länger Spannungen, aber vor allem zwischen Opposition und Regierung. Wie gesagt, wir wissen sehr wenig von dem, was dort passiert.
Weshalb ist es eigentlich so schwer, an Informationen zu kommen?
Assad erlaubt es keinen Hilfsorganisationen, vor Ort zu gehen. Wir können auch niemanden einschleusen, es wäre zu gefährlich. Die Gegend um Hama ist schwer erreichbar, überall hat es Checkpoints. Und die Kommunikation per Telefon oder Internet ist ebenfalls sehr schwierig. Leitungen sind gekappt, Kommunikationswege gestört.
Nach dem Massaker von Hula wurden Stimmen laut, die sagten, es ginge auf das Konto oppositionsnaher Kräfte, die Bilder seien Propaganda.
Das haben wir auch gehört. Allerdings hat unsere eigene Untersuchung des Massakers von Hula ergeben, dass es sehr wohl Regierungstruppen waren, die dafür verantwortlich sind. Es machten verschiedene Gerüchte die Runde, etwa, dass alle Getöteten Alawiten waren. Das war nachweislich falsch.
Wie können Sie überhaupt überprüfen, was passiert ist, sei es in Tremseh oder Hula?
Wir stehen in Kontakt mit Menschen vor Ort, wenn die Kommunikation denn auch funktioniert. Im Fall von Hula erreichten uns viele Bilder der Getöteten. Aufgrund der Art der Wunden war es möglich, einzugrenzen, was passiert sein könnte. Ergänzt wurden die Befunde durch die Aussagen von Überlebenden. Einige schafften es, über die Grenze nach Libanon oder Jordanien zu gelangen.
Welchen Schluss lassen die Bilder der Wunden im Fall von Hula zu?
Viele Menschen wurden aus nächster Nähe getötet, mit Schusswaffen. Sie wurden exekutiert. Von Regierungsgetreuen, das sagen etliche Augenzeugen.
Von den Shabiha-Milizen oder den Regierungstruppen?
Von beiden. Es war nicht in jedem Fall möglich, die Täter zu identifizieren.
Wie gross sind die Chancen, das Massaker von Tremseh bald untersuchen zu können?
Gross, wenn der Uno-Sicherheitsrat, vor allem Russland und China, auf Assad Druck machen würde. Im Fall von Hula haben die Uno-Beobachter vor Ort ja schon einige Beweise erheben können. Es liegt an Russland und China. Sie haben es in der Hand.
Am Donnerstag wurde bekannt, dass Syriens Botschafter im Irak zur Opposition übergelaufen ist. Bröckelt das Regime?
Es gibt ein wachsendes Unbehagen angesichts des Vorgehens des Regimes. Die Regierungstruppen sind immer noch sehr stark, doch es gibt immer mehr Syrer, die sich von Assad distanzieren. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.07.2012, 20:54 Uhr
Ausland
- 10:44Bombenanschlag auf Uranmine im Niger – verletzte Franzosen
- 09:55«Das brutale Vorgehen der Rebellen hat Assad gestärkt»
- 08:18USA geben Tötung von Amerikanern im Ausland zu
- 08:10Waren es «Self-Starter»?
- 07:25Rechtsradikale formieren sich nach der Tat von London
- 07:13«Freunde Syriens» stellen Assad ein Ultimatum
Abopreise vergleichen
Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.




Die Welt in Bildern

























