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«Wenn sie da sind, schweigen die Waffen»

Aktualisiert am 25.04.2012 7 Kommentare

Solange die UNO-Beobachter sich in den syrischen Städten auf Kontrollgang befinden, wird der Waffenstillstand eingehalten. Danach jedoch üben die Regierungstruppen blutige Vergeltung.

Die Waffenruhe täuscht: Mitglieder der ersten UNO-Beobachtungsmission mit syrischen Oppositionellen bei einem Besuch in Homs. (21. April 2012)

Die Waffenruhe täuscht: Mitglieder der ersten UNO-Beobachtungsmission mit syrischen Oppositionellen bei einem Besuch in Homs. (21. April 2012)
Bild: Reuters

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Das Vorauskommando der UNO-Beobachter bemüht sich in Syrien um eine Überwachung der Waffenruhe. Dennoch geht das Blutvergiessen weiter. Aktivisten meldeten, am Dienstag seien bis zum Nachmittag 13 Menschen von den Regierungstruppen getötet worden.

Unter den Toten seien zwei Frauen aus der Ortschaft Al-Kusair: Den beiden 70 und 102 Jahre alten Frauen seien die Kehlen durchgeschnitten wurden. Am Vortag sollen landesweit mehr als 60 Menschen von den Truppen des Regimes getötet worden sein.

UNO-Untergeneralsekretär Lynn Pascoe hatte am Montag im Weltsicherheitsrat erklärt, die schweren Menschenrechtsverletzungen in Syrien hielten trotz der Einigung über eine «Waffenruhe» an.

Annan informiert den UNO-Sicherheitsrat

Der anhaltende Bruch der von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenruhe in Syrien wird nach UNO-Angaben von Satellitenbildern und weiteren glaubwürdigen Quellen belegt. Trotz der Zusage aus Damaskus sei der vom Sondergesandten Kofi Annan ausgehandelte Abzug aller schwerer Waffen aus Wohngebieten nicht erfolgt, sagte sein Sprecher Ahmad Fawzi am Dienstag in Genf. Das sei inakzeptabel, erklärte er.

Annan habe den UNO-Sicherheitsrat über die derzeitige Lage informiert und die syrische Regierung aufgerufen, dem Waffenstillstandsabkommen voll und ganz nachzukommen. Auch wisse Annan, dass es mit dem Eintreffen von UNO-Beobachtern in den Konfliktgebieten zu kurzen Gefechtspausen komme. «Wenn sie da sind, schweigen die Waffen. Wir haben glaubwürdige Berichte, wonach der Beschuss wieder beginnt, wenn sie weg sind», erklärte Fawzi.

Blutige Vergeltung nach Inspektoren-Besuch

Fawzi erwähnte auch Berichte, wonach Anwohner nach Gesprächen mit UNO-Beobachtern von «syrischen Sicherheitskräften oder dem Militär angesprochen oder sogar vielleicht getötet» würden.

So hatten Regierungstruppen nach Angaben von Aktivisten erst kürzlich in der Stadt Hama nach einem Besuch von Inspektoren blutige Vergeltung geübt. Mindestens 33 Menschen seien getötet worden. «Das war die Bestrafung für die Menschen von Hama, weil sie gestern sehr tapfer waren, als sie die UNO-Beobachter trafen», sagte der Aktivist Musab Alhamadee.

Bislang sind in Syrien acht Beobachter im Einsatz, von denen zwei dauerhaft in der Protesthochburg Homs stationiert sind. Am Abend wurden drei weitere unbewaffnete Beobachter erwartet. In den kommenden Tagen soll ihre Zahl auf 30 ansteigen, wie ein UNO-Sprecher in Damaskus sagte. Wann die endgültige Zahl von 250 bis 300 Beobachter erreicht sein wird, ist noch nicht klar.

«Keine Garantie für den Schutz vor Verfolgung»

In einer Rede in der schwedischen Lund Universität warb Annan unterdessen um eine breite internationale Unterstützung für die Beobachtermission in Syrien. Der Einsatz von Inspektoren bei Konflikten wie jenen in Syrien könne sonst letztendlich keine «Garantie für den Schutz vor Verfolgung» bieten, sagte er.

Annan äusserte sich anlässlich des 100. Geburtstags des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, der durch seinen Einsatz zur Rettung ungarischer Juden während des Holocausts Bekanntheit erlangte.

Die Weltmächte sollten nicht immer vor der Entsendung von Gesandten oder Beobachtern darauf warten, bis Konflikte eskalierten. Vor diesem Hintergrund übte Annan auch Kritik am UNO-Sicherheitsrat. «Zu oft ist dessen Reaktion schwach oder nicht existent und dessen Aktionen nicht von Prinzipien, sondern von Politik und Selektivität getrieben», sagte er. (fko/dapd/sda)

Erstellt: 24.04.2012, 23:21 Uhr

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7 Kommentare

Mike Hardegger

25.04.2012, 07:52 Uhr
Melden 17 Empfehlung 0

Wenn ich mir all diese bärtigen Oppositionellen anschaue, wird mir klar, wohin der Weg geht, sollten die gewinnen.Die sind nicht besser, sondern eher schlechter als Assad, unter dem die religiösen Minderheiten relativ viele Freiheiten hatten. Kein Wunder, verlassen viele Christen das Land bereits.Auch die Oppositionellen morden wahllos Zivilisten und sind keine armen Unschuldslämmer. Antworten


Abdel Haji

25.04.2012, 07:57 Uhr
Melden 16 Empfehlung 0

Wieso lese ich immer nur, wieviele Menschen von Regierungstruppen umgebracht wurden, aber nicht wieviele von den Aufständischen? Das lässt einen beinahe denken, dass es schlimmer ist, wenn Regierungstruppen toeten als wenn Rebellen dies tun. Die Aufständischen sind keinen Deut besser und haben bereits viele Massaker verübt. Wieso lese ich nie darüber? Ist das wieder mal gezielte Stimmungsmache? Antworten



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