Ausland

Wegen Miliz: Rotes Kreuz stoppt Hilfslieferungen für Somalia

Aktualisiert am 12.01.2012 6 Kommentare

Über eine Million Menschen in Mittel- und Südsomalia bekommen bis auf weiteres keine Lebensmittel mehr vom Roten Kreuz. Die Zahl der vom Hungertod Bedrohten ist deutlich zurückgegangen.

Die Hilfslieferungen sind bis auf weiteres eingestellt: IKRK-Maschine auf dem K50-Flughafen ausserhalb der Hauptstadt Mogadiscio. (Archivbild)

Die Hilfslieferungen sind bis auf weiteres eingestellt: IKRK-Maschine auf dem K50-Flughafen ausserhalb der Hauptstadt Mogadiscio. (Archivbild)
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Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat vorübergehend seine Hilfsprogramme für die hungernde Bevölkerung in Somalia eingestellt. Betroffen sind 1,1 Millionen Menschen. Grund für den Unterbruch der Hilfslieferungen sei die mangelnde Kooperation der örtlichen Behörden, teilte das IKRK heute Donnerstag mit. Die Behörden verhinderten seit Mitte Dezember, dass Lebensmittel und Saatgut 240'000 Menschen in der Mitte und dem Süden des Landes erreichten, sagte der Leiter der Somalia-Delegation des IKRK, Patrick Vial.

Beobachtern zufolge wird die Region von Rebellen der radikalislamischen al-Shabab kontrolliert, die bereits zahlreichen Hilfsorganisation die Arbeit in dem Gebiet verboten hat. Das IKRK ist eine der wenigen internationalen Organisationen, die in allen Teilen Somalias tätig sein dürfen.

Hunderttausende geflohen

«Die Suspendierung wird beibehalten, bis wir von den Behörden, die die Regionen kontrollieren, versichert bekommen, dass die Hilfslieferungen ungehindert durchgeführt werden können und all diejenigen erreichen, für die sie bestimmt sind – so wie es zuvor vereinbart war», sagte Vial.

UNO vorsichtig optimistisch

Trotz der Schwierigkeiten ist der Hunger in Somalia nach Angaben der UNO deutlich zurückgegangen. «Die Zahl der vom Hungertod bedrohten Menschen ist von 750'000 auf 150'000 gesunken», sagte der UNO-Nothilfekoordinator für Somalia, Mark Bowden in New York. Auch Erkrankungen wie Durchfall seien zurückgedrängt worden.

«Das haben wir vor allem der grossartigen Antwort auf unseren Hilferuf zu verdanken», sagte Bowden. Etwa eine Milliarde Euro sei für die Hungernden gespendet worden. «Ich glaube, dass wir das Geld auch gut genutzt haben. Jeder Dollar hat sich auf den Hunger und die Todesrate ausgewirkt und Leben gerettet.»

Menschen bleiben auf Hilfe angewiesen

Trotz der Erfolge bleibe Somalia ein immenses Problem: «Der Hunger kann jederzeit zurückkommen und noch immer leben so viele in einer verzweifelten Situation.» Vier Millionen Menschen würden ständig Hilfe brauchen, etwa Wasser, Nahrung und medizinische Versorgung.

«Es gibt zudem 1,5 Millionen Flüchtlinge innerhalb des Landes, kaum staatliche Strukturen und eine enorme organisierte Kriminalität. Deshalb ist der Erfolg in einem Land wie Somalia begrenzt», sagte Bowden.

Somalia leidet seit dem vergangenen Jahr unter einer schweren Dürre, von der Millionen Menschen betroffen sind. Hunderttausende sind bereits in die Nachbarländer Kenia und Äthiopien geflohen. Der seit 20 Jahren anhaltende Bürgerkrieg in dem Land am Horn von Afrika hat die Lage für viele noch verschlimmert. Das IKRK hilft den Menschen nicht nur mit gross angelegten Lebensmittellieferungen, sondern verteilt auch Samen an Farmer, um die Landwirtschaft wieder anzukurbeln. (ami/sda)

Erstellt: 12.01.2012, 17:04 Uhr

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6 Kommentare

Kurt Müller

12.01.2012, 17:35 Uhr
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Wieder ein Beispiel dafür, wie sich afrikanische Länder selbst zu Grunde richten. Man kann nur denen helfen, die Hilfe akzeptieren. Darwinismus pur. Aber irgendwie gelingt es immer wieder, für alles Elend den Westen verantwortlich zu machen. Antworten


Thomoas Berger

12.01.2012, 19:15 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Jetzt wirds wieder in Somalia heissen: "Schaut das IKRK lässt euch verhungern, sie sind die Feinde!" Antworten



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