Ausland

Matthias Chapman
Ressortleiter Wirtschaft


Was taugt Israels neue Wunderwaffe?

Aktualisiert am 11.04.2011 139 Kommentare

«Iron Dome» heisst das neue Abwehrsystem, welches die Israelis seit wenigen Tagen gegen Raketen aus dem Gazastreifen einsetzen. Nebst dem militärischen wird damit auch ein politisches Ziel verfolgt.

1/6 Hat bereits die Stellung der neusten Abwehrwaffe Israels in der Nähe der Küstenstadt Ashkelon besucht: Premierminister Benyamin Netanyahu.
Bild: Reuters

   

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Video des iraelischen Militärs zu Iron Dome

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Tausende Raketen waren es, welche im Sommer 2006 von den Hizbollah-Kämpfern auf den Norden Israels abgefeuert wurden. Hunderttausende Menschen lebten während Wochen im Schutzbunker. Auch im Süden Israels kennt man den Beschuss mit Raketen aus feindlichem Gebiet. Dieser Tage treffen wieder Kassam-Geschosse in und um die Grenzstadt Sderot auf israelischen Boden.

Bislang war das israelische Militär nicht gegen Kurzstreckenraketen gewappnet. Von null bis 70 Kilometern Reichweite ist die Flugzeit zu kurz, um ein Geschoss zu orten, seine Flugbahn zu berechnen und es abzuschiessen. Genau daran aber hat der staatlich-israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Systems seit Jahren gearbeitet. Seit zwei Jahren wird das System mit dem Namen «Iron Dome» («Eisenkuppel») getestet. Es gab immer wieder Erfolgsmeldungen, aber zum Ersteinsatz gelangte die Waffe bisher nicht.

Sieben Treffer

Das hat sich mit dem jüngsten Konflikt Israels mit den Palästinensern im Gazastreifen geändert. Seit Sonntag vor einer Woche wurde eine erste Anlage an der Grenze zum Gazastreifen installiert. Es war am letzten Donnerstag, als Verteidigungsminister Ehud Barak den erfolgreichen Ersteinsatz von Iron Dome vermeldete. Man habe eine Rakete abgeschossen, die vom Gazastreifen abgefeuert worden war. Inzwischen sollen es laut verschiedenen Berichten sieben Treffer sein.

Die neue Defensivwaffe Israels basiert auf der Ortung des feindlichen Geschosses mittels Radar. Innert Sekunden nach dem Abschuss soll das System die Flugbahn einer Rakete berechnen können und ein Abwehrgeschoss lancieren. Die Anlage besteht aus drei mobilen erdgestützten Teilen: Auf je einem Laster befinden sich Radar- sowie Kommandostation, eine dritte Einheit ist für den Start der Abwehrrakete zuständig.

Die Verhandlungsposition stärken

250 Millionen Dollar soll die Entwicklung von Iron Dome bis jetzt gekostet haben. Auf 50 Millionen Dollar wird der Preis für eine Einheit geschätzt. Jüngst machten in Rüstungskreisen Gerüchte die Runde, Singapur könnte sich an den Kosten beteiligt haben, um später selber in Besitz dieser Abwehrwaffe zu gelangen. Der mögliche Export von Iron Dome soll auch der Grund dafür gewesen sein, dass das System so lange nicht zum Einsatz gelangte. Würde es im Feldeinsatz versagen, wäre das eine schlechte Voraussetzung für den Verkauf ins Ausland.

Dass der Einsatz des neusten Raketenabwehrsystems nicht nur militärische, sondern auch politische Ziele verfolgt, war schon im Vorfeld debattiert worden. «Das System soll nicht so sehr den Staat Israel verbarrikadieren, als vielmehr seine Verhandlungsposition stärken», zitiert «Le Monde dimplomatique» Joseph Henrotin, den Chefredakteur der Zeitschrift «Défense et Sécurité Internationale». Verteidigungsminister Barak meinte dazu, das System könne im Falle von Friedensabkommen den israelischen Bürgern als Sicherheitsgarantie präsentiert werden.

Kein Schutz direkt an der Grenze

Noch sind die Erfahrungen mit Iron Dome zu spärlich. Ob es sich tatsächlich bewährt, wird erst nach monatelangem Einsatz klar. Und Kritik am neuen System gab es auch genug. So bemängelten die Ortschaften, die sich in unmittelbarer Nähe der Grenze befinden, Iron Dome bringe ihnen gar nichts. Was auch stimmt. Bei zu kurzer Flugstrecke – man spricht von Distanzen unter vier Kilometern – reicht die Zeit für einen Abschuss nicht. Andere Militärexperten monierten, angesichts der grossen Anzahl Raketen – die Rede ist von Zehntausenden bei Hizbollah und Hamas – reiche der Abwehrschutz durch Iron Dome nicht. Bei einer angenommenen Trefferquote von rund 80 Prozent kann es hier tatsächlich immer noch zu tödlichen Treffern kommen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.04.2011, 18:38 Uhr

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139 Kommentare

Marc Surer

11.04.2011, 20:14 Uhr
Melden 91 Empfehlung 0

Kommen Sie doch bitte mal alle von Ihrem Thron herunter: Stellen Sie sich doch einmal vor rings um die Schweiz lägen Staaten, die der Schweiz das Exsistenzrecht absprächen sowie fortwährende terroristische Anschläge sowohl in den Grenzgebieten als auch in den Grossstädten verüben würden. Wie schnell wären Sie wohl bereit militärisch gegen diejenigen vorzugehen? Antworten


Stephan Huber

11.04.2011, 19:21 Uhr
Melden 87 Empfehlung 0

Hand auf's Herz: Würdet Ihr in finsterer Nacht lieber einem Hamas-Kämpfer oder einem israelischen Soldaten begegnen? Wo ist wohl die grössere "Trigger-Happyness" zu befürchten? Der alteSpruch hat wohl doch was für sich: "Wenn Israel aufhört zu schiessen, ist Israel tot; wenn Hamas aufhört zu schiessen, herrscht Friede in Nahost Antworten



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