Ausland

«Viele Kinder haben weniger als 40 Prozent Überlebenschance»

Aktualisiert am 26.07.2011

Eine UNO-Konferenz in Rom sucht nach einer Lösung für die Hungersnot in Afrika. Nun soll eine Luftbrücke für Kinder eingerichtet werden. Für viele dürfte diese aber zu spät kommen.

1/16 Die Kleinen trifft der Hunger am stärksten: Ein Kind weint, während es in einem Feldlazarett in Dadaab, Kenia, gewogen wird. (25. Juli)
Bild: Keystone

   

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Beraten über die Hungerkrise in Afrika: Vertreter der UN-Organisationen in Rom. (Video: Reuters)

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Nach der schwersten Dürre seit 60 Jahren leiden die Menschen am Horn von Afrika an einer Hungersnot. Zehntausende starben bereits, über eine halbe Million Kinder ist vom Tod bedroht. Eine UNO-Konferenz beriet in Rom über Auswege und vorbeugende Massnahmen. «Schnelles Handeln» sei geboten und auch noch möglich, hiess es in der Abschlusserklärung der Konferenz der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO).

Es bestehe immer noch «ein Zeitfenster», um die Hungernden zu unterstützen und sie in die Lage zu versetzen, ihre Existenzgrundlagen wieder aufzubauen. Hierzu seien sowohl humanitäre Soforthilfe als auch langfristige Massnahmen notwendig.

Die Situation ist dramatisch: In Ostafrika sind nach Schätzungen der UNO in Somalia, Kenia, Äthiopien, Djibouti, Sudan und Uganda rund 12 Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit betroffen. In Regionen im Süden Somalias herrscht schwere Hungersnot.

Über 2 Millionen Kinder sind mangelernährt

Insgesamt 2,23 Millionen Kinder seien akut mangelernährt. Unicef-Direktor Anthony Lake sprach von einer «Hungersnot der Kinder». Josette Sheeran, Chefin des Welternährungsprogramms (WFP), einer Unterorganisation der FAO, sagte, viele Kinder hätten «weniger als 40 Prozent Überlebenschance». Die Not der Kinder in Somalia sei «das Schlimmste, was ich je gesehen habe».

In den Flüchtlingslagern habe sie Frauen getroffen, deren Kinder in ihren Armen gestorben seien. Andere hätten ihre Babys auf der Flucht zurückgelassen und die «entsetzliche Entscheidung» treffen müssen, nur die stärksten Kinder zu retten, sagte Sheeran. Ab Morgen will das WFP eine Luftbrücke für Kinder in Mogadiscio, im Osten Äthiopiens und im Norden Kenias einrichten.

Bewegungsfreiheit für Hirten

In Rom forderten die Experten und Politiker neben Soforthilfen auch langfristige Massnahmen, um den Hunger zu bekämpfen. Sie wollen, Hirten sowie Landwirten mit Viehzucht besondere Unterstützung zukommen lassen. Diese seien ein wichtiger Bestandteil der möglichen Nahrungsmittelsicherheit.

Im selben Kontext sei es auch entscheidend, die Bewegungsfreiheit der Hirten auch grenzübergreifend zu garantieren und abzusichern, hielt die Konferenz fest. Ebenso sei die Vertreibung von Menschen zu vermeiden. Bauern und Fischern müsse zur Selbsthilfe geholfen werden.

Wer zahlt?

Damit der Hunger auch langfristig bekämpft werden kann, muss die Weltgemeinschaft viel Geld aufwenden. Allein in den kommenden Monaten sind nach Schätzungen des scheidenden FAO-Direktor Jacques Diouf mindestens 1,6 Milliarden Dollar nötig. Nach Angaben von UNO-Vertretern in Rom spendete die Weltgemeinschaft seit einem ersten Hilfsappell im November 2010 rund eine Milliarde Dollar.

Die Weltbank stellte am Montag 500 Millionen Dollar gegen die Hungerkrise bereit. Die EU-Kommission stockte am Wochenende ihre Hilfe für die Region um 60 Millionen auf 160 Millionen Euro auf. Bern wiederum stellte für die Bekämpfung der Hungersnot bereits vergangene Woche 4,5 Millionen Franken bereit.

Für die Hilfsorganisation Oxfam gibt es «keine Entschuldigung» mehr für die internationale Gemeinschaft, nicht sofort grosszügig zu helfen. «Kein anderes Problem kann dringender sein als Millionen Menschen, die in Afrika dem Schreckgespenst des Hungers entgegensehen», erklärte Oxfam.

Dürre, Krieg, hohe Preise

Verantwortlich für die Hungersnot sind neben der Dürre auch Krieg und politische Konflikte sowie die hohen Preise für Lebensmittel. Besonders vom Hunger betroffen ist der Süden Somalias.

Das Land ist ein gescheiterter Staat; es hat seit zwei Jahrzehnten keine funktionierende Regierung mehr. Seit einigen Jahren kämpfen eine vom Westen unterstützte schwache Regierung von gemässigten Islamisten und sunnitischen Extremisten um die Macht.

Die Milizen der al-Shabab kontrollieren grosse Teile des Landes und der Hauptstadt Mogadiscio. Sie bestreiten, dass es eine Hungersnot gibt und lassen viele Hilfsorganisationen nicht in ihr Gebiet. (miw/sda)

Erstellt: 25.07.2011, 20:20 Uhr

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