Vernarrt in Madeleine
Aktualisiert am 19.09.2011 8 Kommentare
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«Der tollwütige Hund bittet Washington um Frieden», dachte sich die US-Journalistin Marie Colvin bei einem Gespräch im Jahr 1996 mit Muammar Ghadhafi. Sie rechnete mit einem journalistischen Coup. Doch die Nachricht, die die Journalistin der amerikanischen Aussenministerin Madeleine Albright ausrichten sollte, war eine ganz andere. Ghadhafi sagte, dass er sich in «Madeleine» verliebt habe. Sie solle ihm doch die private Telefonnummer von Albright besorgen. Und sie bitten, bei ihrem nächsten TV-Auftritt etwas Grünes zu tragen, falls sie für ihn dasselbe empfinde wie er für sie, erinnert sich Colvin in einem im «SZ-Magazin» veröffentlichten Beitrag.
Die «Liebesgrüsse» von Ghadhafi an Albright waren nicht die einzige bizarre Situation, die die amerikanische Journalistin bei ihren regelmässigen Begegnungen mit dem libyschen Despoten in den letzten 25 Jahren erlebte. Bei einem Interview habe Ghadhafi die Tür abgeschlossen und den Schlüssel in seine Tasche gesteckt. Es sei ein verrücktes Interview geworden. «Dauernd wollte er mein Tonband ausmachen; er sei müde, wolle lieber über etwas anderes als über Politik reden», erinnert sich Colvin. Ghadhafi sei ihr manchmal wie ein Schauspieler vorgekommen. Er habe sich zum Beispiel als Beduine, Revolutionär, Nationalist, Afrikaner oder auch Dichter inszeniert – für jede seiner Rollen habe er das passende Outfit gehabt. «Am besten gefiel er sich als Philosophenkönig.»
«Ich Bulgarin. Ich nehme Blut?»
Bei einem weiteren Treffen soll Ghadhafi der angeblich erschöpften Journalistin eine Krankenschwester ins Hotelzimmer geschickt haben. «Die Frau zückte eine riesige Spritze und sagte: ‹Ich Bulgarin. Ich nehme Blut?›» Colvin gelang es, die Krankenschwester wegzuschicken. Am anderen Tag reiste sie sofort ab. Bei einem nächsten Besuch fragte Ghadhafi: «Können Sie sich noch daran erinnern, wie ich Ihr Blut haben wollte?»
Zuletzt traf die amerikanische Journalistin Ghadhafi vor ein paar Monaten. «Mein Volk liebt mich», soll der selbst ernannte Revolutionsführer gesagt haben. «Glaubte er das wirklich? Ich sah in seine Augen, doch ich konnte keinen Zweifel erkennen», schreibt Colvin. «Und doch muss er geahnt haben, dass seine Welt gerade zerbrach.» (vin)
Erstellt: 19.09.2011, 11:36 Uhr
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8 Kommentare
Wenn ich das lese, erinnere ich mich an die Verrücktheiten des
römischen Kaisers Nero. Auch der spielte sich, übergeschnappt,
in allen unmöglichen Rollen auf. Libyen war einst eine römische
Provinz, die sogar den Einheimischen Septimius Severus als
Kaiser stellte. Sein Triumphbogen steht vorne am Forum
Romanum zu Rom. Der Name Tripolis erinnert an griechische
Zeiten. Ein Jammer heute!
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