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Syrische Kinder als «menschliche Schutzschilder»

Aktualisiert am 12.06.2012

Die syrischen Truppen und die mit ihnen verbündeten Shabiha-Milizen foltern, missbrauchen und töten Kinder: Dies besagt ein neuer Bericht der UNO. Die Stadt Heffa steht derweil kurz vor dem Sturm von Assads Soldaten.

Wehrlose Opfer des bewaffneten Konflikts: Ein weinendes Kind in Homs. (Juni 2012)

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Bild: Keystone

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Die Kinder von Homs

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Seit Wochen steht die syrische Stadt unter Beschuss der Regierungstruppen. Das IKRK steht vor verschlossenen Toren. Die Gewalt trifft alle – auch die Schwächsten.

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Chronologie der Aufstände in Syrien

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Die Ereignisse in Syrien seit dem Beginn der Proteste im März 2011.

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Die Vereinten Nationen haben Syrien erstmals auf eine Liste mit Staaten gesetzt, in denen Kinder in bewaffneten Konflikten getötet, sexuell angegriffen und rekrutiert werden. Es ist eine Liste der Schande.

Sowohl reguläre syrische Truppen als auch die mit ihnen verbündete Shabiha-Miliz hätten sich solche Übergriffe zuschulden kommen lassen, hiess es in dem in New York vorgelegten Bericht. Selbst neunjährige Kinder seien getötet, verstümmelt, willkürlich verhaftet, gefoltert, sexuell misshandelt und als menschliche Schutzschilde missbraucht worden.

«Das ist sehr aussergewöhnlich»

Radhika Coomaraswamy, UNO-Sondergesandte für Kinder und bewaffnete Konflikte, schilderte schreckliche Verbrechen gegenüber dem britischen Sender BBC. Sie erzählte von Kindern, die sich auf Panzer setzen mussten, damit diese nicht von Aufständischen angegriffen werden. Sie habe es noch nie erlebt, dass Kinder in einem Konflikt nicht verschont würden, sondern sogar noch als Ziel dienten, sagte Coomaraswamy. Sie berichtete ausserdem von Kindern, die gefoltert wurden, und die Spuren dieser Folter noch tragen. «Diese Folterungen von Kindern in Gefangenschaft, Kinder von gerade einmal zehn Jahren, das ist sehr aussergewöhnlich, das haben wir woanders wirklich noch nicht gesehen.»

Schwere Vorwürfe werden im Bericht auch gegen die oppositionelle Freie Syrische Armee erhoben, wie «Spiegel online» schreibt. Sie rekrutiere Kinder an der Front, für medizinische und Hilfsarbeiten.

Gewalt gegen Kinder in 32 Ländern

«In fast allen aufgezeichneten Fällen waren Kinder unter den Opfern von Militäroperationen der Regierungstruppen – einschliesslich der Streitkräfte, der Geheimdienste und der Shabiha-Miliz – im Konflikt mit der Opposition», schreiben die Autoren des UNO-Berichts über 2011, der von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon vorgelegt wurde.

Im Bericht werden 32 Staaten genannt, in denen seit mindestens fünf Jahren staatliche Gewalt gegen Kinder ausgeübt wird. Ban zeigte sich alarmiert über die «inakzeptable hohe und wachsende Zahl» langjähriger staatlicher Gewalt gegen Kinder.

Ban sagte ausserdem am Montag in New York, er sei «tief besorgt» über die «gefährliche Zunahme bewaffneter Gewalt» in ganz Syrien in den vergangenen Tagen, wie UNO-Beobachter berichtet hätten.

Zivile Opfer nach Beschuss aus Helikoptern

Durch «intensive Militäreinsätze» der Regierungstruppen in der Rebellenhochburg Homs und den Beschuss aus Helikoptern in anderen Städten habe es viele zivile Tote gegeben. Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden allein am Montag landesweit mindestens 106 Menschen getötet, darunter 77 Zivilisten.

Ban betonte, die internationale Gemeinschaft befürchte ein noch weiter verschärftes Vorgehen der Regierungstruppen gegen Kämpfer der Opposition, die ebenfalls ihre Einsätze verstärkt hätten. Für die Eskalation der Gewalt seien «alle Seiten» verantwortlich, erklärte der UNO-Generalsekretär und forderte neue Anstrengungen, um Verhandlungen zu ermöglichen.

Truppenaufmarsch in Heffa

Zugleich forderte Ban einen Zugang der UNO-Beobachter zur Stadt Heffa. Angesichts von Berichten über einen massiven Aufmarsch von Regierungstruppen rund um die Stadt müssten die Beobachter ungehinderten Zugang erhalten.

Er schloss sich damit einer Forderung des Syrien-Sondergesandten von UNO und Arabischer Liga, Kofi Annan, an. Rebellenpositionen in der 30'000-Einwohner-Stadt nahe der türkischen Grenze stehen Bewohnern und Aktivisten zufolge unter Beschuss von Helikoptern der Regierungstruppen, zudem sei die Stadt von Panzern umzingelt.

Der oppositionelle Syrische Nationalrat warf der Regierung von Präsident Bashar al-Assad am Montagabend vor, ihre «Politik des Terrors gegen das syrische Volk zu steigern», während die internationale Gemeinschaft von «Schwäche und Zögern» geprägt sei.

Der Rat forderte den UNO-Sicherheitsrat und insbesondere die beiden Vetomächte Russland und China auf, «ihrer Verantwortung nachzukommen und auf die Verbrechen gegen Zivilisten in Syrien zu reagieren». China und Russland verhinderten bereits zwei UNO-Resolutionen zu Syrien. (fko/sda/dapd)

Erstellt: 12.06.2012, 07:44 Uhr

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