Ausland

Russland wirbt für Lösungen in Syrien

Aktualisiert am 24.03.2012

Der UN-Sondergesandte Kofi Annan reist morgen nach Russland. Dort will ihm Präsident Medwedew einen Vorschlag für einen Waffenstillstand in Syrien präsentieren. Dieser ist aber an Bedingungen geknüpft.

Kritisiert die Kontaktgruppe «Freunde Syriens»: Der russische Präsident Dmitri Medwedew. (Archivbild)

Kritisiert die Kontaktgruppe «Freunde Syriens»: Der russische Präsident Dmitri Medwedew. (Archivbild)
Bild: Keystone

Oppositionelle gründen Militärrat

Die oppositionellen Streitkräfte in Syrien haben sich zu einem gemeinsamen Militärrat zusammengeschlossen, um ihren Kampf gegen die Regierung zu koordinieren.

Die vor allem aus desertierten Soldaten bestehende Freie Syrische Armee (FSA) kündigte am Samstag an, sie habe sich mit den Soldaten von General Mustafa al-Scheich zusammengeschlossen. Al-Scheich zählt zu den ranghöchsten Soldaten, die der Armee von Präsident Bashar al-Assad den Rücken gekehrt haben. Der Pakt wurde demnach in der Türkei geschlossen.

FSA-Chef Riad Assaad sagte der Nachrichtenagentur AFP telefonisch von der Türkei aus, diese Vereinbarung sei «ein Schritt vorwärts, um die Einheit der Truppen und bewaffneten Kräfte (der Opposition) auf syrischem Boden zu gewährleisten». Mit der Leitung des Militärrates sei General Al-Scheich beauftragt worden. Assaad rief alle Deserteure der syrischen Regierungsarmee auf, sich dem Militärrat anzuschliessen.

Zusammen mit zehn weiteren Generälen soll Al-Scheich nach Angaben seines Leutnants Chaled Ali die Militärstrategie der oppositionellen Truppen ausarbeiten und sich um Waffen und Finanzierung kümmern. Oberst Assaad soll demnach für die Einsätze verantwortlich sein und die Truppen überwachen. Alle Militärräte in den einzelnen Städten würden seiner Befehlsgewalt unterstellt, sagte Ali. (sda)


Der UN-Sondergesandte Kofi Annan.

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Vor den Gesprächen mit dem UN-Sondergesandten Kofi Annan zur Krise in Syrien hat Russland erneut für eine Verhandlungslösung geworben. Der aussenpolitische Berater von Präsident Dmitri Medwedew, Sergej Prichodko, erklärte am Samstag, Russland wolle ein rasches Ende der Gewalt in Syrien erreichen. Ausserdem müssten sich Opposition und Regierung an einen Tisch setzen und sich um eine friedliche Lösung der Krise bemühen.

Gleichzeitig äusserte sich Prichodko kritisch zu der Kontaktgruppe der «Freunde Syriens», die der syrischen Opposition im vergangenen Monat ihre Unterstützung zusicherte. Es sei unwahrscheinlich, dass derartige Organisationen «den Weg zur Lösung der syrischen Krise» weisen könnten, sagte er.

Nächster Halt in China

Nach den geplanten Gesprächen in Moskau am Sonntag will Annan auch in China um Unterstützung für eine Beilegung des Syrien-Konflikts werben. Das chinesische Aussenministerium teilte am Samstag mit, Annan werde am kommenden Dienstag und Mittwoch zu Gesprächen erwartet. China messe den Vermittlungsbemühungen des ehemaligen UN-Generalsekretärs Bedeutung bei, sagte Aussenministeriumssprecher Hong Lei. Allerdings machte er keine Angaben, wer von chinesischer Seite Gespräche mit Annan führen wird.

Am Widerstand der Vetomächte China und Russland sind bereits zwei Syrien-Resolutionen im Weltsicherheitsrat gescheitert.

Mehr als 40 Tote

Syrische Regierungstruppen haben am Samstag laut Aktivisten mehrere Rebellenhochburgen im Zentrum und Norden des Landes unter schweren Beschuss genommen. Dabei sei ihnen heftiger Widerstand von Deserteuren entgegengeschlagen, hiess es. Schauplatz der meisten Kämpfe war die nordöstliche Ortschaft Sarakeb, in die Regierungstruppen mit Panzern vom Norden aus einrückten, wie das Syrische Observatorium für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees erklärten.

Die Gefechte hätten nun das Areal um den zentralen Markt von Sarakeb erreicht, wo Deserteure einen Panzer und drei gepanzerte Fahrzeuge beschädigt hätten. Bei den Kämpfen wurden neun Soldaten und zwei Rebellenkämpfer getötet, hiess es am Samstagabend.

«Viele Bewohner flüchten aus der Stadt», sagte der Chef des Observatoriums für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman. «Schon vor geraumer Zeit sind viele geflohen, aber die heutigen Attacken haben den Prozess befeuert.»

Beide Aktivistengruppen erklärten, die Soldaten würden von regierungsnahen Milizionären, den sogenannten Schabiha, begleitet. Die Truppen durchsuchten Häuser und nahmen Menschen fest. Das in der Provinz Idlib gelegene Sarakeb steht seit Monaten unter Kontrolle von Deserteuren.

Stadtteil in Homs unter Granatenbeschuss

Am Samstag beschossen syrische Truppen erneut die Rebellenhochburg Homs und die nahegelegene Stadt Al-Kusair. Das Observatorium teilte mit, seit dem frühem Morgen seien im Homs Granaten auf den dicht besiedelten Stadtteil Chaldije gefallen, der noch von Regierungsgegnern kontrolliert wird. Die Aktivisten veröffentlichten Online-Videos, die Explosionen in Wohngebieten und riesige Rauchwolken zeigten. Truppen hätten auch die in der Provinz Hama gelegene Stadt Kalaat unter schweren Beschuss genommen, teilte das Observatorium mit.

Nach Angaben des Observatoriums für Menschenrechte wurden am Samstag in Homs 14 Todesopfer gezählt. Die Örtlichen Koordinationskomitees meldeten 24 Tote. Die Zahl der Todesopfer im ganzen Land bezifferten beide Gruppen auf mehr als 40. (wid/dapd)

Erstellt: 24.03.2012, 22:21 Uhr

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