Ausland
Rebellen verkünden das Ende der Kämpfe in Mali
Aktualisiert am 05.04.2012 5 Kommentare
Schweiz zieht Konsequenzen
Die Schweiz stellt ihre Programme in Nordmali ein
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hat ihre Programme im Norden Malis gestoppt. Grund ist der Konflikt zwischen Tuareg-Rebellen und Armee. Eingefroren wurden auch die Gelder für die direkte Unterstützung des malischen Staats nach dem Militärputsch.
Die humanitären Programme des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), die von der Schweiz unterstützt wurden, mussten angesichts des Vordringens der Tuareg-Rebellen eingestellt werden, wie die DEZA heute erklärte.
Die WFP-Depots in Gao, Kidal und Timbuktu seien geplündert worden. Das UNO-Personal wurde in den Süden Malis evakuiert. Die drei Städte waren binnen Tagen von der Nationalen Befreiungsbewegung der Tuareg (MNLA) und Islamisten überrannt worden.
Die Schweiz ist seit 35 Jahren in Mali präsent. Das Land zählt zu den Schwerpunktländern der Schweizer Entwicklungshilfe.(sda)
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In Mali haben die Tuareg-Rebellen der Nationalen Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) ihre Kampfeinsätze für beendet erklärt. Die MNLA habe beschlossen, ein ab Donnerstagmitternacht geltendes Ende ihrer militärischen Einsätze auszurufen, teilten die Rebellen am Mittwochabend mit.
Diese Entscheidung sei nach der «vollständigen Befreiung» der Region von Azawad und angesichts der Bitten der internationalen Gemeinschaft getroffen worden, hiess es in einer am Mittwochabend auf der Internetseite der Bewegung verbreiteten Erklärung. Das Schreiben war unterzeichnet von MNLA-Generalsekretär Bilal Ag Acherif.
In der Hauptstadt Bamako lehnten derweil die grossen politischen Parteien ihre Teilnahme an einer von der Militärjunta geplanten nationalen Versammlung ab. Diese sollte heute beginnen. Putschistenführer Hauptmann Amadou Haya Sanogo hatte alle Vertreter der Gesellschaft, insbesondere aber die politische Klasse, eingeladen, über die Schaffung eines Übergangsrates zu beraten, der das Land bis zu Neuwahlen führen sollte.
Algerischer Konsul entführt
In der malischen Stadt Gao stürmten heute Bewaffnete das algerische Konsulat. Nach Angaben der Regierung in Algier entführten sie den algerischen Konsul und sechs seiner Mitarbeiter. Wohin sie gebracht wurde, war nicht bekannt. Aus Gao gab es auch Berichte über Plünderungen und Vergewaltigungen. Hunderte Menschen flohen gemäss Augenzeugen aus der Region.
ECOWAS berät über Militäreinsatz
Der Anführer der Putschisten, Sanogo, forderte derweil einen internationalen Militäreinsatz gegen die Rebellen und die Islamisten. Die «grossen Mächte» hätten auch «fundamentalistische Strukturen in Afghanistan» bekämpft, sagte er den französischen Zeitungen «Le Monde» und «Libération».
In der Elfenbeinküste schmiedeten heute die Generalstabschefs der Staaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) Pläne für einen Militäreinsatz in Mali – gegen die Tuareg und die Putschisten.
Die ECOWAS versetzte deswegen bereits eine 2000 Mann starke Eingreiftruppe in Bereitschaft. Frankreichs Aussenminister Alain Juppé kündigte an, sein Land sei bereit, die afrikanischen Soldaten zu unterstützen – logistisch, ohne eigene Truppen.
Druck von allen Seiten
Angesichts des Vormarschs von Tuareg-Rebellen und Islamisten im Norden Malis hatte die internationale Gemeinschaft gestern versucht, den Druck auf die Putschisten zu erhöhen. Die USA verhängten wie zuvor die Afrikanische Union (AU) Sanktionen gegen die Militärjunta, die vor zwei Wochen die Macht an sich gerissen hatte.
Die USA belegten diejenigen, die «Malis Rückkehr zu einer zivilen Führung und einer demokratisch gewählten Regierung blockieren», mit Reiseverboten. Das US-Aussenministerium erklärte, damit seien auch Familienmitglieder der Putschisten gemeint sowie diejenigen, die den Anführer der meuternden Soldaten, Amadou Sanogo, «aktiv unterstützen».
EU fordert sofortige Waffenruhe
Die USA riefen die Putschisten zudem erneut dazu auf, «unverzüglich» die zivile Ordnung in dem afrikanischen Land wiederherzustellen. Zuvor hatte Washington bereits die Rebellen im Norden des Landes aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen und ihr Anliegen im Dialog statt mittels Gewalt vorzubringen.
Auch die Europäische Union rief die Konfliktparteien zu einer «sofortigen Waffenruhe» und Verhandlungen auf. Die Nachbarländer sowie die Verantwortlichen in dem westafrikanischen Land müssten zudem den uneingeschränkten Zugang von humanitären Helfern und Hilfsgütern erlauben, teilte eine Sprecherin der EU- Aussenbeauftragten Catherine Ashton heute in Brüssel mit.
Der UNO-Sicherheitsrat meldete sich ebenfalls zu Wort und forderte in einer Erklärung ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen im Norden Malis, einen Machtverzicht der Putschisten und damit die Rückkehr zur verfassungsmässigen Ordnung. Dies teilte die französische Vertretung bei der UNO in New York mit.
Islamisten kontrollieren Timbuktu
Eine Gruppe von Soldaten hatte am 22. März in Bamako die Macht an sich gerissen und Präsident Amadou Toumani Touré entmachtet. Die Putschisten warfen Touré vor, die Tuareg-Rebellen und bewaffnete Islamisten im Norden des Landes nicht ausreichend bekämpft zu haben.
Nach dem Putsch gelang es den Rebellen indes binnen Tagen, praktisch ohne Gegenwehr der malischen Armee grosse Teile des Nordens des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. In strategisch wichtigen Städten haben inzwischen Islamisten der Gruppe Ansar Dine die Oberhand gewonnen. (rbi/fko/sda)
Erstellt: 05.04.2012, 22:06 Uhr
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5 Kommentare
ist ja schon interessant, wie sich immer und überall auf dem globus die usa berufen fühlen, alles in gut oder böse, akzeptierbar oder nicht akzeptierbar einzuteilen. die amerikaner sollen ihren sheriff-stern abgeben. die grenzen der meisten afrikanischen staaten wurden von den kolonial-mächten gezogen, ohne die bevölkerungen zu fragen. die ethnien in mali sollen ihre angelegenheiten selber lösen Antworten
Die Amis schwingen mal wieder ihre Moralkeule und schwingen ihr Lasso von Demokratie und Menschenrechten. Besser wäre, sie würden das Chaos aufräumen, das sie überall auf dieser Welt angerichtet haben (Irak, Afghanistan, um nur einige wenige Beispiele zu nennen) und im eigenen Land Ordnung und Anstand schaffen (Schuldenschlamassel, Manning, Rassismus). Da hätten sie genug zu tun. Antworten
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