Ausland
Rebellen starten Grossoffensive «Vulkan»
Helfern in Syrien fehlen Millionen
Die Nothilfe für Hunderttausende Menschen in Syrien wird durch das Ausbleiben zugesagter Hilfsgelder, schwere Sicherheitsprobleme und Behinderungen durch syrische Behörden massiv erschwert. Dies beklagten Vertreter internationaler Hilfsorganisationen.
Geberstaaten hätten bislang nur 21 Prozent der für 2012 erbetenen 180 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe in dem von blutigen Kämpfen erschütterten Land bereitgestellt, erklärte der Abteilungsdirektor John Ging vom UNO-Büro für Nothilfekoordinierung (OCHA) in Genf.
Auch von 193 Millionen Dollar, die laut OCHA in den nächsten Monaten zur Unterstützung von Flüchtlingen aus Syrien in Nachbarländern benötigt werden, seien erst 20 Prozent überwiesen worden. Ging macht keine Angaben zu säumigen Geberstaaten oder -organisationen.
Der Regierung Syriens warf dem OCHA-Direktor vor, Hilfsoperationen unter anderem dadurch zu behindern, dass Visa für Fachleute internationaler Organisationen verweigert oder verzögert werden, wenn diese Bürger westlicher Staaten seien.(sda)
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Die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Aufstandes: Schüsse und Explosionen in Damaskus. (16. Juli 2012) (Youtube/Storyful)Dossiers
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Die Kommandozentrale der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) in Homs rief gestern Abend in einer Erklärung «in Reaktion auf Massaker und barbarische Verbrechen» der Regierung zu Angriffen auf alle Sitze der Sicherheitskräfte auf.
Ihre Kämpfer sollten alle Kontrollposten der Armee, der Sicherheitskräfte und der Shabiha-Milizen einkreisen und eliminieren. Die «Damaskus Vulkan und Erdbeben Syriens» getaufte Operation sei der «erste strategische Schritt» zum zivilen Ungehorsam in ganz Syrien, erklärte die FSA. Gestern war es den Aufständischen nach eigenen Angaben gelungen, die Armee aus zwei Vierteln der Hauptstadt zu vertreiben. Ein Aktivist, der seinen Namen als Abu Musab angab, bezeichnete die Entwicklung als «Wendepunkt» in dem seit März 2011 andauernden Aufstand gegen Präsident Bashar al-Assad.
Auf Internetvideos war zu sehen, wie Kämpfer hinter Barrikaden aus Sandsäcken Panzerabwehrraketen abfeuerten. Laut Aktivisten zog die Armee Panzer um das nahe dem Stadtzentrum gelegene Viertel Midan zusammen, das von den Aufständischen kontrolliert wurde.
Aus dem ebenfalls von den Rebellen gehaltenen Stadtteil Tadamon seien zahlreiche Einwohner in das nahe gelegene palästinensische Flüchtlingslager Jarmuk geflohen, hiess es aus anderer Quelle.
Warnung vor chemischen Waffen
Unterdessen warnte Syriens früherer Botschafter in Bagdad, Nawaf Fares, vor dem Einsatz chemischer Waffen durch die Regierung. Er sei überzeugt, dass Assad bereit sei, «das gesamte syrische Volk auszulöschen», um an der Macht zu bleiben, sagte Fares dem britischen Rundfunk BBC.
Sollte er weiter in die Enge gedrängt werden, könnte er auch Chemiewaffen verwenden. Es gebe unbestätigte Berichte, dass in Homs bereits Chemiewaffen eingesetzt worden seien. Der Ausgang des Konflikts sei nun «unvermeidbar», sagte Fares. «Es ist absolut sicher, dass diese Regierung in kurzer Zeit fallen wird.»
Fares, der als Hardliner galt und jahrzehntelang zahlreiche hohe Posten in den syrischen Sicherheitskräften, der Regierungspartei und der Staatsverwaltung innehatte, hatte sich am Mittwoch von Bagdad nach Katar abgesetzt. Gerüchten zufolge spekuliert er auf einen Posten in der Regierung nach Assad. (kle/wid/AFP/sda)
Erstellt: 16.07.2012, 23:38 Uhr
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