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Niemandem war nach Feiern zu Mute

Aktualisiert am 25.01.2012 2 Kommentare

Der Militärrat plante zum Jahrestag der ägyptischen Revolution ein Fest mit Paraden und Feuerwerk. Stattdessen äusserten unzufriedene Revolutionäre lauthals ihren Unmut – mit ersten Erfolgen.

1/6 Im Gedenken an die Opfer: Auf dem Tahrir-Platz in Kairo erscheinen auf einer Leinwand Verstorbene der Revolution. (25. Januar 2012)
Bild: Keystone

   

Der 25. Januar 2012 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte Ägyptens. (Video: Reuters)

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Zehntausende haben heute in Kairo dem Beginn der Revolte gegen Staatschef Hosni Mubarak vor einem Jahr gedacht. Anhänger verschiedener politischer Richtungen versammelten sich getrennt voneinander auf dem Tahrir-Platz - ein Abbild der politischen Gräben, die sich in Ägypten auftun.

Der symbolträchtige Platz war der Hauptschauplatz der Proteste, in deren Folge Mubarak am 11. Februar 2011 zurücktrat. «Feier zum ersten Geburtstag», stand auf einem grossen Spruchband. Viele Menschen hielten ägyptische Flaggen in den Händen, auch Porträts von Militärratschef Hussein Tantawi waren zu sehen.

Wut gegen Militärrat

Zugleich machten viele Anhänger der prodemokratischen Bewegung und der Linken ihrer Wut über den Militärrat Luft, der das Land heute regiert. «Sturz der Militärherrschaft», stand auf einem Schild geschrieben, und als eine Militärkapelle patriotische Lieder spielte, riefen einige Menschen: «Nieder mit der Militärmacht!»

Zahlreiche Ägypter werfen der Militärführung vor, das Land weiterhin autoritär zu regieren. Nicht so die islamischen Parteien: Seit sie siegreich aus der Parlamentswahl hervorgegangen sind, stellen sie sich gegen eine Neuauflage der Revolution.

Der derzeit noch regierende Militärrat hatte den 25. Januar zum Feiertag erklärt und wollte diesen mit Paraden und Feuerwerken begehen. Militär und Polizei liessen sich in der Umgebung des Platzes, der von «Volkskomitees» abgeriegelt wurde, nicht blicken.

Sie sicherten lediglich nahe gelegene öffentliche Gebäude wie das Parlament und das Innenministerium. Sowohl in Kairo als auch bei einer Kundgebung in Alexandria kam es vereinzelt zu Prügeleien von Anhängern der verschiedenen Lager.

«Schläger» ausgenommen

Am Dienstag hatte Tantawi für Mittwoch die weitgehende Aufhebung der seit Jahrzehnten geltenden Notstandsgesetze in Ägypten angekündigt, jedoch Ausnahmen für von «Schlägern» begangene Vergehen erlassen.

Die Organisation Human Rights Watch (HRW) kritisierte diese Einschränkung als eine «Einladung zu weiterem Missbrauch» durch Sicherheitskräfte und zur Beschneidung der Freiheit der Bürger. Dies sei eine «Beleidigung aller, die eine Rückkehr des Rechtsstaats gefordert» hätten. Militärangehörige hätten Demonstranten in der Vergangenheit immer wieder als «Schläger» bezeichnet.

Seit der Machtübernahme des Militärrats wurden mindestens 12'000 Zivilpersonen vor Militärgerichte gestellt; allein seit Oktober wurden mehr als 80 Demonstranten von Soldaten getötet.

Konzessionen zum Jahrestag

Als wolle er die Befürchtungen in Teilen der Bevölkerung zerstreuen, machte der Militärrat zum Jahrestag der Revolte Konzessionen: Er begnadigte etwa 2000 Menschen, die von Militärgerichten verurteilt worden waren. Noch weitere rund tausend Gefangene kämen wegen «guter Führung» frei, hiess es.

Der bekannte regierungskritische Blogger Maikel Nabil war bereits am Dienstag freigekommen. Amnesty International bezeichnete das am Mittwoch als «Grund zur Freude», forderte aber Entschädigungen für Nabil für die «verlorenen» zehn Monate seines Lebens.

Zum Jahrestag gratulierte die US-Regierung Ägypten zu Fortschritten beim Übergang zur Demokratie. Das Land habe «einige historische Meilensteine» erreicht, erklärte das Weisse Haus. Es bleibe aber noch viel zu tun.

Die ersten Wahlen zum Abgeordnetenhaus nach dem Sturz Mubaraks waren in den vergangenen Monaten abgehalten worden. Demnächst folgen die Wahlen zum Oberhaus, bis Ende Juni sollen dann noch Präsidentschaftswahlen abgehalten werden. Danach will das Militär seine Macht an eine zivile Regierung abgeben.

(mrs/sda)

Erstellt: 25.01.2012, 20:00 Uhr

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2 Kommentare

Werner Hebeisen

25.01.2012, 15:45 Uhr
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Die Militärs halten mit Recht das Szepter in der Hand denn sonst wäre das Chaos noch grösser. Nur was jetzt ? Ewig kann es so nicht laufen, es sei denn, man rutscht in eine Militärdikdatur nachdem die Mubarak/Militär Dikdatur "weggeputzt" wurde.
Sonst ist ein neuer Starker Mann nötig denn Demokratie ist und war nie vorgesehen im arabischen Raum und wird sich auch nie etablieren.
Antworten


rolf zeller

25.01.2012, 16:46 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Vermutlich ist die Realität nur zu ertragen, wenn man trotzt gegenteiliger Erfahrungen in Illusionen leben kann, und wenn man weiss, dass man immer mehr auch ein betroffner Teil wird. Nur so ist die hoffnungsvolle mediale Begleitung des arab. Frühling, gemessen an der Erfahrung mit Persien und der Ausbreitung des Islam, erklärbar.Bei solchen Ereignisse sollten uns Grundlegenderes interessieren. Antworten



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