Ausland
Mehrere Tote bei Plünderung von Hilfsgütern
Aktualisiert am 05.08.2011 17 Kommentare
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Bei einem bewaffneten Überfall auf eine Hilfsgüterlieferung der UNO sind in der somalischen Hauptstadt Mogadiscio mehrere Menschen getötet worden. Nach widersprüchlichen Angaben waren sowohl Regierungssoldaten als auch Anwohner an der Plünderung beteiligt.
Zeugen berichteten laut der Nachrichtenagentur Reuters, Soldaten und Anwohner hätten im Flüchtlingslager Badbaado am Rande von Mogadiscio Hilfsgüter geraubt, die für die Opfer der Hungersnot am Horn von Afrika bestimmt gewesen seien. Mindestens zehn Menschen, unter ihnen auch Flüchtlinge, seien gestorben, sagte der Flüchtling Aden Kusow. 15 Menschen seien verletzt worden.
Mit Lebensmitteln geflohen
Die Soldaten hätten Schüsse abgefeuert und untereinander gekämpft, während sie Schubkarren und Minibusse mit dem Essen aus drei Lastwagen voller Hilfsgüter des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) beladen hätten, berichtete ein anderer Augenzeuge.
Auch einige Bewohner Mogadischus seien mit gestohlenen Lebensmitteln geflohen. Die UNO selbst machte keine näheren Angaben, bestätigten aber die Plünderung in dem Lager.
Clinton reist nach Kenia
Für das Wochenende haben US-Aussenministerin Hillary Clinton und Jill Biden, die Frau des Vizepräsidenten, einen Besuch in Kenia angekündigt. Dort sollen sie herausfinden, wie die USA den Hungeropfern in der Dürreregion helfen können.
Der türkische Aussenminister Ahmed Davutoglu rief am Freitag die 57 Nationen der Organisation der Islamischen Kooperation (OIC) - der früheren Organisation der Islamischen Konferenz - zu einer Dringlichkeitssitzung auf, um die Hungerkrise zu diskutieren. Das Treffen könne in Istanbul oder im saudiarabischen Dschidda stattfinden, sagte er.
Im Laufe des Monats soll Davutoglu nach Äthiopien und Südafrika reisen. Ausserdem plane er den Besuch von Kenia und weiteren Ländern der Region, sagte er.
Geiseln der Shabaab-Milizen
Das Welternährungsprogramm kann über zwei Millionen Somalier in den am schlimmsten betroffenen Hungergebieten nicht erreichen, weil die islamisch-fundamentalistischen Al-Shabaab-Milizen den meisten Hilfsorganisationen den Zugang verweigern. Regierungstruppen und Anwohner verkaufen die Hilfslieferungen gewöhnlich auf dem Markt.
Mehr als 100'000 Menschen, grösstenteils aus den von den Shabaab- Milizen kontrollierten Regionen in Süd-Somalia, sind in den vergangenen Wochen vor der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren in die Hauptstadt geflüchtet. In dem Bürgerkriegsland sind derzeit 3,7 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.
Viele fliehen aber weiterhin in die Nachbarländer. Besonders kritisch ist die Lage unter anderem in den Grenzgebieten zwischen Somalia und Kenia. Das Kinderhilfswerk UNICEF arbeitet deshalb jetzt mit Partnern vor Ort zusammen, um im Grenzort Liboi Ernährungszentren zur Erstversorgung einzurichten.
«Viele somalische Familien, die in Liboi die Grenze nach Kenia überqueren, wissen nicht, dass sie weitere 100 Kilometer laufen müssen, um die Flüchtlingscamps in Dadaab zu erreichen», sagte Olivia Yambi von UNICEF.
Grösstes Flüchtlingslager der Welt
Etwa 80 Prozent der 1300 Somalier, die täglich im Durchschnitt die Lager erreichten, seien Frauen und Kinder. Mittlerweile leben über 400'000 Menschen im grössten Flüchtlingscamp der Welt. Zahlenmässig seien die Lager damit die drittgrösste Stadt Kenias.
Auch unter der kenianischen Bevölkerung fordert die Dürre bereits Todesopfer. In der nördlichen Region Turkana seien zuletzt mindestens 14 Menschen verhungert, zitierte der britische Sender BBC einen Lokalpolitiker. Schuld seien vor allem logistische Probleme bei der Lebensmittelverteilung in den abgelegenen Gebieten.
Am schlimmsten bleibt die Lage aber nach wie vor in Somalia selbst. Allein in den vergangenen 90 Tagen sind nach Angaben von US- Regierungsbeauftragten 29'000 Kinder in dem Krisenland verhungert. Kurz zuvor hatten die Vereinten Nationen in drei weiteren somalischen Regionen offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Damit wurden mittlerweile fünf Regionen zu Hungerzonen erklärt.
Unterdessen bilden sich auch im schwer betroffenen Süden Somalias Lager für Binnenflüchtlinge. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen verteilte in Jilib bereits Plastikplanen, Moskitonetze und Seife an mehr als 3600 Menschen, die hier vorübergehend Zuflucht gefunden haben. (kpn/sda)
Erstellt: 05.08.2011, 20:38 Uhr
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