«Libyen wird ein zweiter Irak, jeder hat eine Knarre»
Aktualisiert am 22.09.2011 11 Kommentare
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US-Botschafter kehr zurück nach Libyen
Der US-Botschafter in Libyen ist am Mittwoch wieder in die Vertretung der USA in der Hauptstadt Tripolis zurückgekehrt, die heute offiziell wiedereröffnet werden sollte.
Botschafter Gene Cretz hatte Libyen im Januar verlassen, nachdem die Enthüllungsplattform Wikileaks seine persönlichen Ansichten über Machthaber Muammar al-Ghadhafi öffentlich gemacht hatte. Cretz war im Juli 2007 vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush für den Posten nominiert worden. Er war der erste US-Botschafter in Libyen seit 36 Jahren. (dapd)
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Agadez, die staubige Stadt im Süden Nigers, hat in den vergangenen Wochen wohl mehr Schlagzeilen gemacht als in den letzten Jahrzehnten zusammengenommen. Die Flucht verschiedener Generäle des gefallenen libyschen Regimes sowie von Muammar al-Gadhafis Sohn Saadi rückte das Land zwischen Libyen und Nigeria für kurze Zeit in den Fokus der globalen Aufmerksamkeit.
Mit den Ghadhafi-Getreuen verliessen auch zahlreiche nigrische Söldner das sinkende libysche Schiff in Richtung Heimat. Nicht für Geld, sondern aus Dankbarkeit gegenüber dem langjährigen libyschen Diktator habe er zur Waffe gegriffen, sagt der 32-jährige Mohammed Wanighi im Interview mit dem britischen TV-Sender BBC, der ihn in seiner Heimatstadt Agadez, rund 1000 Kilometer von der libyschen Grenze aufgespürt hat.
«Was ist ein Zivilist?»
Mohammed kämpfte in Misrata, wo die Ghadhafi-Kräfte zahlreiche Zivilisten getötet haben sollen. «Wir hatten Order, die Strassen zu säubern, eine nach der anderen», erzählt Mohammed. «Wenn du unter Beschuss kommst, dann schiesst du zurück. Und wenn die sich hinter Zivilisten verstecken: Kann man dann noch von Zivilisten sprechen?», erkärt er seine Sicht der Dinge.
Die Ausrüstung, die sie von Ghadhafis Truppen erhalten haben, sei der Traum jedes Kämpfers. «Jeder kriegte eine Kalaschnikow, einige hatten Panzerfäuste, andere tragbare Raketenwerfer», schwärmt Mohammed, der auch in einer der zahlreichen Tuareg-Revolten in Niger kämpfte. Dass Ghadhafi das rebellische Volk finanziell unterstützt hat, ist ein weit verbreitetes Gerücht in Afrika.
Ghadhafi, der Wohltäter
«Ghadhafi hat vieles für uns getan, was unsere Politiker nicht taten: Er hat ein Spital hier in Agadez finanziert, hat Strassen bauen lassen und Laternen für deren Beleuchtung bezahlt», erklärt Mohammed die Verbundenheit zum Langzeit-Diktator. Deshalb habe er sich freiwillig gemeldet, als die Revolution gegen den Bruder Revolutionsführer begann. «Was sollten wir tun», fragt er rhetorisch. «Mit verschränkten Armen zusehen, wie er untergeht?»
Dass Ghadhafi den Krieg verloren hat, glaubt Wanighi nicht. Dass er Tripolis verlassen habe, bedeute noch gar nichts: «Das ist ja nicht einmal seine Heimatstadt. Wenn die Rebellen Sirte und Bani Walid einnehmen, dann können wir von einer Niederlage sprechen.» Noch hat Wanighi also etwas Grund zur Hoffnung: Sirte ist zwar zu einem grossen Teil erobert, aber eben noch nicht ganz. Und in Bani Walid dauern die Kämpfe weiter an, ohne dass die Truppen des Nationalen Übergangsrates substanzielle Fortschritte machen.
Aber auch wenn die Rebellen dereinst alle Städte kontrollierten und Ghadhafi tatsächlich gestürzt sei, werde das Land nicht zur Ruhe kommen, ist der freiwillige Söldner Wanighi überzeugt: «Libyen wird wie Somalia oder der Irak, jeder dort hat eine Knarre.» Er und seine Freunde jedenfalls denken bereits darüber nach, zurück zu gehen und weiter zu kämpfen. (ami)
Erstellt: 21.09.2011, 23:33 Uhr
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11 Kommentare
Revolution kann man nicht importieren. In welches Land die NATO auch immer geht, wenn sie wieder raus geht, ist es schlimmer als vorher. Es gewinnt immer nur die Wirtschaft der Revolutionsexporteure und es verliert das Volk, welches revolutioniert wird. Antworten
So werden wir also dank der NATO einen weiteren, destabilisierten Staat mit Dauerkonflikt haben, diesmal direkt vor der Haustüre Europas: Libyen, Irak, Afghanistan, Pakistan, Somalia, Kongo, Elfenbeinküste etc. die Liste wird länger. Offensichtlich hat auch der Westen keine klare Strategie mehr, ausser im Namen der Demokratie Öl ins Feuer zu giessen und wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Antworten
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