Katz-und-Maus-Spiel im Herzen Afrikas

Aktualisiert am 01.05.2012

Seit sechs Monaten suchen hundert US-Soldaten die Zentralafrikanische Republik nach dem Rebellenführer Joseph Kony ab. Bisher ohne Erfolg. Die Hindernisse für die Sondereinheiten sind zahlreich.

1/3 Mit einer schwierigen Aufgabe betraut: Ein US-Soldat instruiert lokale Militäreinheiten. (29. April 2012)
Bild: Keystone

   

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Die Hatz auf Joseph Kony konzentriert sich auf ein winziges Gebiet im Herzen Afrikas. Der Ort Obo hat sich zu einer von vier Einsatzbasen entwickelt, an denen sich hundert US-Elitesoldaten mit örtlichen und ugandischen Truppen mit einem Ziel verbündet haben: den gefürchteten Rebellenchef endlich zu fassen. Noch fehlt von dem Führer der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) jede Spur. Und doch soll Kony nicht weit weg von jenem Ort sein, den seine Kämpfer 2008 in der Zentralafrikanischen Republik zuerst angriffen. Der Rebellenführer soll sich im Nordosten von Obo im unwegsamen, abgelegenen Urwald verschanzt haben.

Konys LRA liess in mehreren Ländern der Region eine blutige Spur aus Vergewaltigungen, Entführungen und Morden hinter sich zurück. Seit sieben Jahren wird Kony vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) gesucht. Und die Suche geht weiter. Denn die LRA konnte sich bislang mit geschickten Methoden dem Zugriff der internationalen Truppen entziehen.

Wirkungslose Satelliten und Sensoren

Seit einem halben Jahr operieren die hundert Soldaten der US-Sondereinheiten im Gebiet. Nun haben die US-Streitkräfte erstmals einen kleine Einblick in ihre Arbeit gewährt. Die Erfolge, welche sie im Fall Kony vorweisen können, sind bisher nicht nennenswerte. Denn die LRA hat ihr Verhalten auf die neue Situation angepasst. Angriffe starten die Rebellen in der Regel im Dunkel der Nacht, nur um sich dann schnell wieder in den Dschungel zurückzuziehen. Damit sie keine Spuren zu hinterlassen, laufen sie neben Felsen oder Bächen entlang. Oder gehen manchmal sogar rückwärts, um ihre Verfolger in die Irre zu leiten. Die LRA hat sich in kleine Splittergruppen aufgeteilt, die sich tiefer im Busch verstecken.

Ausserdem hat Kony den Gebrauch von Funkgeräten und Satellitentelefonen eingestellt, so die «Washington Post». Nachrichten werden über Botengänger verbreitet, manchmal über mehrere Zwischenstationen. «Es gibt Zeiten, in denen sich die LRA duckt, wenn der militärische Druck zu hoch oder wenn es für sie eine Bedrohung wie die amerikanische Intervention gibt», sagt der politische Berater der UN-Friedensmission im Kongo, Matthew Brubacher. «Aber wenn sie die Möglichkeit haben, versuchen sie wieder zurückzukommen.» Die Taktik von Konys Rebellen hat sich bisher als erfolgreich herausgestellt. Die Suche der US-Truppen mit Satelliten, Sensoren und anderen Formen der elektronischen Überwachung verlief bisher lediglich mit geringen Resultaten.

Klare Aufgabenverteilung

Dennoch ruhen viele Hoffnungen auf der militärischen Erfahrung und den Technologien der Amerikaner. «Die Beteiligung der US-Elitesoldaten und deren nachrichtendienstliche Unterstützung wird alle Streitkräfte auf die gleiche Ebene bringen», sagte der zentralafrikanische Verteidigungsminister Jean Francis Bozize. Das sorge für eine bessere Koordination mit besseren Ergebnissen.

In der Tat sind die Aufgaben der Truppen klar verteilt: Die Soldaten der Zentralafrikanischen Republik konzentrieren sich in und um Obo überwiegend auf Sicherheitseinsätze, während ihre ugandischen Kameraden gross angelegte Suchaktionen nach Kony und seinen Männern starten. Dabei wurden einige Bodengewinne erzielt. Seit Januar seien sieben LRA-Kämpfer in der Region getötet und ein weiterer gefangen genommen worden, sagte Oberst Joseph Balikuddembe. Zudem seien 15 Entführungsopfer - darunter fünf Kinder - aus der Gewalt der LRA befreit worden.

Falsche Hinweise

Bei der Suche auf Kony hoffen die US-Streitkräfte auch auf Hinweise der Bewohner in Obo und Umgebung. Aber nach der Auffassung von US-Kommandeuren werden die Menschen das nur tun, wenn sie sich sicher fühlen. «Sie haben immer noch Angst und sind immer noch vorsichtig, weil Joseph Kony immer noch da draussen ist», sagt Bürgermeister Joseph Kpioyssrani.

Als schwierig stellt sich auch das Trennen von brauchbaren und unbrauchbaren Hinweisen heraus. Wie Mitglieder der US-Taskforce gegenüber der «Washington Post» sagen, tendiert die Bevölkerung in Obo teils dazu, jedes Verbrechen gleich auf Kony und seine Rebellen abzuschieben. «Manchmal sagen sie einfach einmal, es sei die LRA gewesen, weil sie genau wissen, dass wir der Spur dann folgen. Das macht es schwieriger, zu erkennen, ob man einen brauchbaren Hinweis vor sich hat», meint ein Offizier der US-Army Special Forces gegenüber der Zeitung.

Immer wieder betonen die Mitglieder der US-Einheiten auch die Tatsache, dass man ihren Einsatz nicht überbewerten dürfe. Die Erwartungen seien viel zu hoch. Die Jagd nach Joseph Kony sei sehr komplex, meint etwa General Carter F. Ham. Realistisch sei es, dass die Suche nach dem Rebellenführer und seinen Soldaten noch Monate, wenn nicht Jahre in Anspruch nehmen könnte.

Neue Aufmerksamkeit

Im März bescherte ein millionenfach angeklicktes Internetvideo der US-Kinderhilfsorganisation Invisible Children der Verfolgung von Kony weltweite Aufmerksamkeit. Den Machern wurde allerdings vorgeworfen, eine vereinfachende und veraltete Sicht auf die LRA und den Konflikt in Uganda zu vertreten. (kpn/mit Material von dapd)

Erstellt: 01.05.2012, 23:40 Uhr

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