Ausland
«Ich glaube nicht, dass man ihn am Leben lässt»
Interview: Amir Ali. Aktualisiert am 27.10.2011 15 Kommentare
Gerücht: Saif al-Islam mit Söldnern unterwegs
Der Sohn des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi, Saif al-Islam, befindet sich einem Zeitungsbericht zufolge weiter in Libyen unter dem Schutz südafrikanischer Söldner. Dies berichtete die südafrikanische Zeitung «Beeld» heute Donnerstag.
Die Söldner sollen auch bei dem gescheiterten Fluchtversuch Muammar al-Ghadhafis vor einer Woche dabei gewesen sein. In Johannesburg und in den Vereinigten Arabischen Emiraten stünden Flugzeuge bereit, um die Südafrikaner gemeinsam mit Saif al-Islam aus Libyen auszufliegen, berichtete das Blatt.
Nach Angaben von Vertretern des Tuareg-Volkes vom Dienstag hielt sich der Ghadhafi-Sohn an der Grenze zum südlichen Nachbarland Niger auf. Bei den Söldnern handelt es sich dem Zeitungsbericht zufolge um ehemalige Soldaten und Polizisten. Die südafrikanischen Söldner brachten dem Bericht zufolge bereits Gaddafis Gold, Diamanten und Devisen ins Nachbarland Niger und halfen bei der Flucht seiner Frau und dreier ihrer Kinder aus Tripolis.
Einige der insgesamt 19 Söldner seien bei dem Angriff auf Ghadhafis Konvoi vor einer Woche getötet worden. Sie wollten den langjährigen libyschen Machthaber aus seiner Heimatstadt Sirte bringen, wo er sich nach seinem Sturz versteckt gehalten hatte. Gaddafi starb nach seiner Festnahme unter nicht geklärten Umständen.
Gaddafis früherer Geheimdienstchef Abdallah Senussi soll unterdessen mit einigen Männern vom Niger nach Mali gereist sein. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP heute Donnerstag aus nigrischen und malischen Sicherheitskreisen. Senussi wird ebenso wie Saif al-Islam al-Ghadhafi vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht. Der IStGH forderte die Regierung im Niger bereits zur Zusammenarbeit auf, um die Festnahme der beiden zu erreichen. (AFP)
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Der Sohn des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi, Saif al-Islam, befindet sich einem Zeitungsbericht zufolge weiter in Libyen unter dem Schutz südafrikanischer Söldner. Dies berichtete die südafrikanische Zeitung «Beeld» heute Donnerstag.
Die Söldner sollen auch bei dem gescheiterten Fluchtversuch Muammar al-Ghadhafis vor einer Woche dabei gewesen sein. In Johannesburg und in den Vereinigten Arabischen Emiraten stünden Flugzeuge bereit, um die Südafrikaner gemeinsam mit Saif al-Islam aus Libyen auszufliegen, berichtete das Blatt.
Nach Angaben von Vertretern des Tuareg-Volkes vom Dienstag hielt sich der Ghadhafi-Sohn an der Grenze zum südlichen Nachbarland Niger auf. Bei den Söldnern handelt es sich dem Zeitungsbericht zufolge um ehemalige Soldaten und Polizisten. Die südafrikanischen Söldner brachten dem Bericht zufolge bereits Gaddafis Gold, Diamanten und Devisen ins Nachbarland Niger und halfen bei der Flucht seiner Frau und dreier ihrer Kinder aus Tripolis.
Einige der insgesamt 19 Söldner seien bei dem Angriff auf Ghadhafis Konvoi vor einer Woche getötet worden. Sie wollten den langjährigen libyschen Machthaber aus seiner Heimatstadt Sirte bringen, wo er sich nach seinem Sturz versteckt gehalten hatte. Gaddafi starb nach seiner Festnahme unter nicht geklärten Umständen.
Gaddafis früherer Geheimdienstchef Abdallah Senussi soll unterdessen mit einigen Männern vom Niger nach Mali gereist sein. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP heute Donnerstag aus nigrischen und malischen Sicherheitskreisen. Senussi wird ebenso wie Saif al-Islam al-Ghadhafi vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht. Der IStGH forderte die Regierung im Niger bereits zur Zusammenarbeit auf, um die Festnahme der beiden zu erreichen. (AFP)
Der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Albert Stahel (68) ist Strategieexperte an der Universität Zürich und leitet das Institut für Strategische Studien in Wädenswil. (Bild: Keystone )
Der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Albert Stahel (68) ist Strategieexperte an der Universität Zürich und leitet das Institut für Strategische Studien in Wädenswil. (Bild: Keystone )
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Die Anzeichen verdichten sich, dass Saif al-Islam al-Ghadhafi die Flucht nach Niger gelungen ist. Über welche Ressourcen verfügt dieser Mann noch?
Da ist einerseits das Geld: Man spricht von bis zu 200 Milliarden Dollar, die der Clan ins Ausland geschafft haben soll, unter anderem nach Südafrika. Sollte Saif-al Islam auch nur auf einen Teil davon zugreifen können, können Sie sich ja ausrechnen, wie lange er durchhalten kann.
Und auf der personellen Ebene?
Wie schon oft gesagt sind es die Tuareg, mit denen der Ghadhafi-Clan eng verbunden ist und auf deren Unterstützung Saif al-Islam meiner Meinung nach auch weiterhin zählen kann. Sein Vater Muammar hat sie in den letzten 15 bis 20 Jahren mit finanzieller Unterstützung an sich gebunden. Sie sind in der gesamten südlichen Sahara-Region verbreitet.
Aber der nigrische Staat müsste ja seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen und Saif al-Islam nach Den Haag ausliefern, falls er sich dort versteckt.
Diese Staaten funktionieren anders, als wir es gewohnt sind. Der Einfluss der Regierung ist in Niger nicht überall genügend gross, die Tuareg haben in ihren Gebieten eine enorme Machtbasis. Wenn sie Saif al-Islam in diesen Gebieten schützen, kann der Staat nichts tun.
Das heisst, in Niger wäre er sicher. Oder ist es denkbar, dass sich ausländische Geheimdienste auf die Jagd nach ihm machen?
Man müsste mit Spezialeinheiten das sehr unzugängliche Gebiet der Tuareg infiltrieren, was einen sehr grossen Aufwand bedeutete. Ich glaube kaum, dass dies eine Option ist. Erinnern wir uns an die Schweizer, die vor einigen Jahren in der Sahara als Geiseln genommen wurden. Da wurde auch nicht interveniert.
Gleichzeitig kursieren Gerüchte, Saif al-Islam wolle sich ergeben und nach Den Haag ausliefern lassen.
Das ist doch ein gewiefter Fuchs! Für mich klingt das nach einem Ablenkungsmanöver. Er hat sich stets erfolgreich als das moderate, menschliche Gesicht des Regimes verkauft. Er wusste immer die Medien für sich zu nutzen. Wenn er Geld hat und Schutz geniesst, dann wird er das nutzen – und sich bestimmt nicht ausliefern lassen.
Und von Niger aus die Sabotage des neuen Systems in Libyen organisieren?
Das weiss man nicht. Es kann sein, dass er das politische Erbe seines Vaters antritt. Es kann genauso gut sein, dass er irgendwo in einem Wüstenzelt versauert.
Muss man nicht davon ausgehen, dass ihm die Ereignisse der vergangenen Woche psychisch enorm zugesetzt haben?
Schauen Sie: Er hat allem Anschein nach diesen Krieg bis zuletzt koordiniert. Er hat überlebt. Er kennt den Westen und die westlichen Medien. Er ist wohl der stärkste von allen Ghadhafis, deshalb war er auch als Nachfolger auserkoren. Sein Vater hatte vermutlich schon länger nicht mehr alle Zügel in der Hand.
Falls er gefasst wird: Ist es realistisch, dass er lebend ausgeliefert wird?
Wenn man sich ansieht, was man mit Muammar al-Ghadhafi getan hat, dann glaube ich nicht, dass man ihn am Leben liesse.
Das heisst, die Chance, einem Clanmitglied den Prozess zu machen, schwindet.
Und die Antworten auf interessante Fragen werden wir vielleicht nie erhalten: Wer von den jetzigen und zukünftigen Mächtigen hat in welcher Weise mit dem Regime kooperiert? Wie sahen die Beziehungen der europäischen Regierungen mit Ghadhafi wirklich aus?
Zum Mandat der Nato gibt es widersprüchliche Signale. Wie lang bleiben westliche Militärs in Libyen?
Das hängt von politischen Interessen und militärischen Bedürfnissen ab. Sarkozy und Cameron wollen die Sache natürlich nicht aus den Händen geben. Es geht um die Dividenden auf ihren Einsatz, um die Rohstoffe. Das ist die politische Ebene. Militärisch geht es um die Sicherheit des Landes, das eine ungewisse Zukunft vor sich hat. Da kann es von Vorteil sein, wenn westliche Truppen am Boden präsent sind und Drohnen den Luftraum überwachen. Zum Beispiel muss man in Libyen ja erst einmal eine Armee aufbauen, weil Ghadhafi aus Machtgründen gar nie eine hat entstehen lassen.
Welche Lehren der Geschichte gilt es zu berücksichtigen, damit das Land nicht zu einem zweiten Irak wird?
Der Irak ist etwas völlig anderes: Er hat eine grosse Bevölkerung, die ethnisch und religiös gespalten ist. Hinzu kommen die geostrategischen Interessen und Ansprüche der Nachbarländer Iran, Türkei und Saudiarabien. Wenn man Libyen mit einem gescheiterten Staat vergleichen will, dann mit Somalia, wo es seit 20 Jahren keine effektive Regierung, dafür militante Milizen gibt. Um das zu verhindern, muss man wie gesagt eine funktionierende, breit abgestützte Armee aufbauen und schauen, dass es keine Abspaltungen vom sich heranbildenden Staat gibt. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.10.2011, 13:24 Uhr
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15 Kommentare
Warum ist so gut wie nichts darüber zu erfahren, dass nach dem gewaltsamen Tod Ghadhafis 100 000e Anhänger
demonstrierten? Warum bekommen wir nicht zu wissen, dass Hunderte erschossener Ghadhafi-Anhänger
in Massengräbern in Sirte gefunden wurden?
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