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«Ich bin für meine Kinder gekommen»
Rund 50 Millionen Menschen sind zur Wahl eines neuen Staatsoberhauptes aufgerufen und viele wollen ihr neu erworbenes Recht auch wahrnehmen. (Video: Reuters )
Die Ägypter stimmen über ihre Zukunft ab: Passanten warten vor den Wahllokalen. (Video: Reuters )
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Ein in der ägyptischen Hauptstadt Kairo erschossener Polizist ist entgegen früherer Angaben nicht im Zusammenhang mit der derzeit stattfindenden Präsidentschaftswahl getötet worden. Der Mann sei am Dienstagabend bei einer Routinepatrouille in Kairo in einen Schusswechsel geraten und getötet worden, sagte ein ranghoher Beamter des ägyptischen Innenministeriums am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor war berichtet worden, der Beamte sei bei Ausschreitungen vor einem Wahllokal in der ägyptischen Hauptstadt Kairo erschossen worden.
Unter den wachsamen Augen der Militärs hat in Ägypten heute die erste demokratische Präsidentenwahl in der Geschichte des Landes begonnen. Vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Warteschlangen. Viele der Wartenden sagten, sie hofften auf eine bessere Zukunft. «Ich kann innerhalb weniger Monate sterben, ich bin für meine Kinder gekommen, damit sie leben können», sagte der krebskranke Medhat Ibrahim. «Wir wollen besser leben, wie Menschen.» Der 58-jährige wartete in einem Armenviertel Kairos darauf, seine Stimme abgeben zu können.
Zu einem Boykott der Wahl hatten lediglich einige der sogenannten Revolutionsgruppen aufgerufen, die mit ihren Protestaktionen im vergangenen Jahr den Sturz von Präsident Hosni Mubarak bewirkt hatten. Sie protestierten damit gegen den Obersten Militärrat, der nach dem Rücktritt von Mubarak im Februar 2011 die Macht übernommen und eine Übergangsregierung ernannt hatte.
Entscheid über Ägyptens Zukunft
Von der Mehrheit der rund 50 Millionen Wähler war die Präsidentenwahl jedoch mit Spannung erwartet worden. Denn die Frage, ob Ägypten demnächst von einem säkularen Politprofi oder einem Islamisten regiert wird, ist entscheidend für die politische und wirtschaftliche Zukunft des Landes.
Die Generäle haben versprochen, sich Ende Juni aus der Politik zurückzuziehen, wenn der Präsident vereidigt und eine neue Verfassung beschlossen ist. Die erste Runde der Präsidentenwahl dauert zwei Tage. Mit dem Ergebnis wird frühestens am Freitag gerechnet. Wenn keiner der zwölf Kandidaten die absolute Mehrheit erhält, findet Mitte Juni eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten statt.
Zu den Favoriten zählen der Ex-Aussenminister und frühere Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, und der letzte Regierungschef Mubaraks, Ahmed Shafik. Gute Chancen können sich auch der unabhängige Islamist Abdel Moneim Abul Futuh und der Kandidat der Muslimbrüder, Mohammed Morsi, ausrechnen. Doch noch ist völlig offen, wer das Rennen um die Nachfolge von Mubarak gewinnen wird.
«Der Druck wird weiter anhalten»
Keine Chance, in die Stichwahl zu kommen, hat nach Einschätzung von Beobachtern der Kandidat, der den revolutionären Kräften am nächsten kommt: der Menschenrechtsanwalt Chaled Ali. «Wir werden einen gewählten Präsidenten haben, aber es gibt weiter die Streitkräfte und das alte Regime ist nicht abgeschafft,» sagte einer der Führer der Protestbewegung gegen Mubarak, Ahmed Maher. «Aber der Druck wird weiter anhalten. Wir werden nicht schlafen. Das Volk ist endlich aufgewacht. Wer immer der nächste Präsident sein wird, wir werden ihn nicht in Ruhe lassen.»
Der Sieger soll am 21. Juni bekannt gegeben werden. Danach will der seit Mubaraks Sturz im Februar 2011 herrschende Militärrat die Macht abgeben. Aus den Parlamentswahlen waren islamistische Parteien als Sieger hervorgegangen. (kpn/sda)
Erstellt: 23.05.2012, 14:07 Uhr
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