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Hoffen auf ein Leben nach Assad

Von Ben Hubbard, AP. Aktualisiert am 01.04.2012 9 Kommentare

Junge Syrer sind die treibende Kraft im Kampf gegen das Regime. Ihr bisheriges Leben haben sie aufgegeben – für den Kampf um die Träume ihrer Generation.

«Ich bin auf einer Märtyrer-Mission»: Das Bild zeigt laut Agentur den im Artikel als Khalid bezeichneten jungen Syrer mit zwei Freunden.

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Exodus aus Syrien

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Die Vereinten Nationen warnen, dass sich die Zahl der Geflüchteten in den Lagern der syrischen Nachbarländer stark erhöhen könnte. In den Grenzgebieten spielten sich erschütternde Szenen ab.

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Letztes Jahr war Khalid noch ein normaler 19 Jahre alter Student, dessen Traum es war, später mal einen Job zu finden, mit dem er genug Geld verdient, um seine Freundin heiraten zu können. Seitdem ist er zu einem entschlossenen Kämpfer geworden, der die Regierung von Präsident Bashar al-Assad stürzen will. Junge Menschen wie Khalid sind die treibende Kraft bei den Aufständen in der gesamten arabischen Welt, nicht nur in Syrien. Sie organisieren Proteste, dokumentieren die Gewalt und greifen zu den Waffen, um gegen die Regierungstruppen zu kämpfen.

Die Frustration der Jugend konnte in der arabischen Welt zu einer so starken Kraft werden, weil in der Region rund 60 Prozent der Bevölkerung unter 25 Jahre alt sind. Und es gebe viel, wogegen sie protestieren könnten. Sie sind in Gesellschaften herangewachsen, die von einer autokratischen Herrschaft, eingeschränkten Freiheiten und beschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten geprägt war. Für sie geht es in dem Kampf um mehr als den Sturz eines Herrschers, sie kämpfen für die Träume ihrer Generation.

Keine Zeit fürs eigene Leben

«Ich kann im Moment nicht an mein eigenes Leben denken», sagt der jetzt 20-jährige Khalid, der über die syrische Grenze in den Libanon gekommen ist. «Ich denke jetzt nur noch daran, die Revolution zum Erfolg zu führen, weil das einen grossen Einfluss auf das Leben aller jungen Menschen haben wird.» Von den syrischen Sicherheitskräften sei er auch schon gefoltert worden, seine Familie habe er seit Monaten nicht mehr gesehen, um sie nicht in Gefahr zu bringen.

Die Jugend war von Beginn an eine der wichtigsten Kräfte in Syrien. Im März 2011 begann alles damit, dass die Sicherheitskräfte eine Gruppe von Teenagern festnahmen, die regierungskritische Graffiti an eine Mauer in der Stadt Daraa gesprüht hatten. Das löste eine riesige Protestwelle aus. Das Regime reagierte mit Gewalt, setzte Panzer und Heckenschützen gegen die Oppositionsbewegung ein. Mehr als 9000 Menschen kamen seitdem ums Leben.

Düstere Erinnerungen

Mit der steigenden Zahl der Opfer betrachten einige der Aktivisten im Nachhinein ihre Entscheidung, sich gegen eines der brutalsten Regime in der Region aufzulehnen, als naiv. Die Älteren hätten versucht sie abzuhalten. Sie hätten sie daran erinnert, wie Assads Vorgänger und Vater 1982 eine Rebellion in der Stadt Hama niedergeschlagen habe und dort nach unterschiedlichen Angaben zwischen 10'000 und 25'000 Menschen getötet wurden.

«Viele von ihnen hatten Angst», sagt der 24-jährige Mustafa, der schon im vergangenen Jahr nach Libanon flüchtete. «Sie hatten gesehen, was das Regime anrichten kann.» Mustafa wollte wie auch Khalid, dass nur sein Vorname genannt wird. Aus Angst vor Repressalien gegen die Familie. Aber viele bleiben auch dabei, dass es die Hoffnung auf ein besseres Leben wert sei, alles hinter sich zu lassen, das Studium, Jobs und Heiratspläne aufzugeben.

Auf Studium in Europa verzichtet

Vor dem Aufstand studierte Khalid an der Universität von Homs. Er stammt aus Baba Amr und interessierte sich damals, wie er selbst sagt, nicht für Politik. Den Sturz der Regime in Tunesien und Ägypten habe er aber genau verfolgt. Nachdem Regierungstruppen in seinem Heimatort auch auf Demonstranten geschossen und einige getötet hatten, war er entschlossen, sich den Protesten anzuschliessen, sagt Khalid. Er habe schliesslich auch die Beziehung zu seiner Freundin abgebrochen, weil sonst ihr Leben in Gefahr gewesen wäre. «Ich bin auf einer Märtyrer-Mission. Wenn du einmal sagst: ‹Ich bin ein Aktivist›, dann weisst du, dass du sterben kannst.»

Ein anderer Regimegegner, der aus Baba Amr stammt, sagt, er habe auf ein Medizinstudium in Deutschland verzichtet, um sich am Aufstand gegen Assad zu beteiligen. «Ich kam zu dem Schluss, dass auch Syrien eine gute Zukunft haben kann. Ich wollte in ein entwickeltes Land gehen. Aber eines Tages, nach dem Sturz Assads, kann auch Syrien so sein. Wir bauen es selbst auf», sagt der junge Mann, der seinen Namen aus Furcht vor Repressalien gegen seine Familie nicht nennen wollte.

Wie er haben auch andere noch nicht die Hoffnung aufgegeben, in Syrien wieder normal zu leben. «Ich will zurück, studieren und einen Job», sagt Mustafa. Er hat seine Heiratspläne noch nicht aufgegeben. Er ist immer noch in Kontakt mit seiner Freundin und hofft, sie eines Tages zu heiraten. «Vielleicht am Tag nach dem Sturz des Regimes», sagt er und lacht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.04.2012, 06:17 Uhr

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9 Kommentare

Peter Kaegi

01.04.2012, 09:04 Uhr
Melden 28 Empfehlung 0

Bin schon heute gespannt, auf die Tagi-Artikel über die Syrier die in der Schweiz Asylgesuche gestellt werden und nach 4 Jahren weder Arbeit noch ein Aufenthaltsrecht erhalten.
Die Geschichte: Ex Jugoslawien, Sri Lanka, Eritrea, NIgeria, Tunesien usw. alle sind hier geblieben und wurden teilweise eingebürgert. Einzelne tragen ihre Konflikte im Aufnahmeland weiter aus, zum Aerger vieler.
Antworten


werner beck

01.04.2012, 08:38 Uhr
Melden 26 Empfehlung 0

man braucht nur den neuen frühling und das resultat in den andern ländern anzuschauen, und dann ist die von den meisten medien gelieferte information reines wunschdenken und keine glaubwürdige information, von den freien ch-medien hätte ich mehr erwartet als nur eine einseitig gesteuerte information ohne jeden realistischen hintergrund. Antworten



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