Hoch hinaus fürs libysche Vaterland

Von Astrid Frefel, Tripolis. Aktualisiert am 03.09.2010

Die Linienpilotin Kalthoum al-Bouseyfi spricht über ihren beruflichen Aufstieg im Reich Gaddhafis.

Ein Modell für erfolgeiche Frauen in Libyen: Kalthoum al-Bouseyfi während dem Interview.

Astrid Frefel

Kalthoum al-Bouseyfi zum Gespräch zu treffen, ist nicht einfach. Ihr Leben wird vom Flugplan fremdbestimmt. Die Pilotin empfängt am späten Abend vor ihrem nächsten Flug nach Paris, und zwar in der Lobby eines kürzlich eröffneten Luxushotels in Tripolis. Sie trägt Zivil; eine elegante, reich bestickte Tunika, viel Schmuck und Make-up und, dazu passend assortiert, ein beiges Kopftuch. Routiniert beantwortet sie die Fragen der ausländischen Journalisten. Sie ist ein Modell für erfolgreiche Frauen in Libyen geworden und hat diese zusätzliche Herausforderung angenommen.

Stolz auf das Kopftuch

«Die Ausbildung ist wichtig. Man kann erfolgreich im Beruf sein, sogar in einer Männerdomäne, und ist dennoch eine gute Muslimin», formuliert Bouseyfi ihre Botschaft. Sie sei stolz, den Schleier zu tragen, fügt die 32-Jährige ungefragt an. Auf älteren Fotos sind ihre Haare allerdings noch zu sehen. Das war vor ihrer Heirat vor zwei Jahren mit einem Kameramann.

«Fliegen ist das Leichteste. Hingegen ist es eine grosse Herausforderung in dieser konservativen Gesellschaft, die anderen zu überzeugen. Negative Erfahrungen habe ich aber keine gemacht», beschreibt sie ihren Alltag als Chefin im Cockpit. Wichtig sei aber, dass man führen könne. Unterstützung bekam sie von der Familie. Auch ihre vier Schwestern haben alle studiert und sind ebenfalls in eher männlichen Berufen wie Agro- und Ölingenieur gelandet.

Den Traum vom Fliegen hatte Bouseyfi schon als Kind, und bereits in jungen Jahren war sie überzeugt, dass nicht nur Männer Piloten sein können. Nach zwei Jahren als Fluglotsin absolvierte sie, mit einem staatlichen Stipendium gefördert, die Pilotenausbildung in Spanien und in Jordanien. «Ich gehörte zu den Besten», sagt die ambitionierte Karrierefrau. «Die Beste sein und vorwärtskommen», das sei ihre Devise. 2001 hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen, seit 2005 ist sie bei der Fluggesellschaft Afriqiyah angestellt. Spätestens seit sie im letzten Jahr den ersten libyschen Airbus A330 in Toulouse abgeholt und für ihre Firma nach Tripolis geflogen hat, ist sie ein bekanntes Gesicht.

Strikte soziale Normen

Die erste libysche Pilotin gab es bereits in den 1970er-Jahren, damals kaum beachtet von den Medien. Heute sind sie zu dritt. In Libyen dienen Frauen auch in der Armee. Für viel Aufmerksamkeit sorgen jeweils die weiblichen Leibwächter, mit denen sich Oberst Muammar al-Gaddhafi schmückt, wenn er ins Ausland reist. Getreu den Grundsätzen der Revolution von 1969 sieht das libysche Gesetz für Frauen freie und gleiche Teilnahme in allen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereichen vor. Die Frage, ob sie gleich viel verdiene wie ihre männlichen Kollegen, überrascht Bouseyfi deshalb. Libyerinnen arbeiten auch als Anwältinnen, Richterinnen oder Ärztinnen und vermehrt in der Privatindustrie.

Etwa jede vierte Frau in dem nordafrikanischen Ölstaat arbeitet; in den 1970er-Jahren waren es nur gerade sechs Prozent. Dennoch sieht man auch heute in den Strassen von Tripolis wenig Frauen allein unterwegs. Die konservativen, patriarchalisch geprägten Gesellschaftsnormen haben sich kaum verändert. Von jeder Libyerin, egal welchen Beruf sie ausübt, wird deshalb erwartet, dass sie bei ihren Pflichten als Ehefrau und Mutter keine Abstriche macht.

Noch höher hinaus

«Ich will beides gut machen: Fliegen und Familie. Wenn ich einmal Kinder habe, werde ich wohl für etwa zwei Jahre das Pensum etwas reduzieren, aber nicht ganz aufhören», sagt Bouseyfi. Ihr Mann sei stolz auf ihren Beruf und respektiere ihn. Respekt für ihre Rolle als Gesicht Libyens zolle ihr auch die Regierung. Die Pilotin nimmt dies als Ansporn für ihre weiteren Pläne. Natürlich will sie auch das Grossraumflugzeug A380 fliegen, wenn ihre Firma es anschafft, und Instruktorin werden. Und sie träumt davon, vielleicht einmal als erste libysche Astronautin noch höher hinauszufliegen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.09.2010, 12:59 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Ausland

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Tax Controller Holcim Group Support Ltd, Zurich

Leiter/in Abteilung Bevölkerung und Sicherheit80 – 100 % Gemeinde Fällanden, Fällanden

Group Treasury Manager (m/f), Ref. 2346 SR Technics Switzerland, Zurich

Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate