«Hilflose Menschen wurden zu Tode gehackt»
Von Johannes Dieterich. Aktualisiert am 09.03.2010 29 Kommentare
Einem neuen Ausbruch der Gewalt zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in dem zentralnigerianischen Bundestaat Plateau sind vermutlich bis zu 500 Menschen zum Opfer gefallen. Ursprünglich aus dem Norden stammende muslimische Hausa und Fulani griffen am frühen Sonntagmorgen drei nur wenige Kilometer südlich der Hauptstadt Jos gelegene Dörfer an und richteten unter der überwiegend christlichen Berom-Bevölkerung grausige Blutbäder an. «Wir rechnen mit 500 oder sogar noch mehr Toten», sagte der Öffentlichkeitsbeauftragte des Bundesstaats, Gregory Yenlong.
Ein brutaler Racheakt
Augenzeugenberichten zufolge schossen die Angreifer zunächst wild in die Luft, um die Dorfbewohner aus ihren Hütten zu vertreiben, und töteten die Fliehenden anschliessend mit Macheten-Hieben. «Hilflose Menschen, wie Kinder, Frauen und ältere Männer, die nicht mehr rennen konnten, wurden zu Tode gehackt», sagte Mark Lipdo von dem christlichen Hilfswerk StefanusStiftung gegenüber der BBC: Unter den Opfern soll sich sogar ein drei Monate altes Baby befunden haben. In dem Dorf Ratt seien praktisch alle Hütten angezündet worden, hiess es: Zahllose Menschen verbrannten offenbar in ihren Hütten. Ausser Ratt wurden auch die Dörfer Zot und Dogo Nahawa angegriffen: Um zu verhindern, dass die Gewalt auch auf die Provinzhauptstadt Jos übergreift, setzte die Regierung die Armee in Alarmbereitschaft.
In Jos wird davon ausgegangen, dass es sich bei den jüngsten Angriffen um Racheakte handelt. Bereits Ende Januar waren bei Zusammenstössen in derselben Region rund 400 Menschen umgekommen: Damals hatte es sich bei den Opfern sowohl um muslimische Hausa und Fulani als auch um christliche Beroms gehandelt. Der Konflikt zwischen den verschiedenen Bevölkerungs- und Religionsgruppen wird vom Streit um knappes Weideland verschärft: Schon im November 2008 waren während bewaffneter Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Lokalwahlen im Bundesstaat Plateau mehr als 700 Menschen getötet worden.
Eigentlich hatte die Armee Ende Januar eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, doch der Schutz des Militärs erwies sich als ineffektiv. «Wir haben keinerlei Vertrauen mehr in die Sicherheitskräfte», sagte Peter Gyang, der beim jüngsten Massaker in Dogo Nahawa seine Frau und seine beiden Kinder verlor.
Machtvakuum verschärft Krise
Den fortgesetzten Gewalttätigkeiten wird auch insofern besondere Bedeutung beigemessen, als sich Nigeria gegenwärtig in einem Machtvakuum befindet. Präsident Umaru Yar’Adua ist derzeit schwer krank, sein Stellvertreter Goodluck Jonathan hat vorübergehend die Geschäfte übernommen, wird aber von Yar’Aduas Gefolgsleuten desavouiert. Im kommenden Jahr finden in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas wieder Wahlen statt: ein Anlass, bei dem es in dem Vielvölkerstaat regelmässig zu Unruhen kommt.
Die vor allem in den nördlichen Bundesstaaten lebenden Muslime gehen davon aus, dass sie für eine weitere Legislaturperiode den Präsidenten stellen können: Doch Goodluck Jonathan, der sich für den «natürlichen» Nachfolger Yar’Aduas hält, ist Christ und aus dem Süden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.03.2010, 14:01 Uhr
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Religion sollte etwas Privates sein. Leider aber sind die "Heiligen Bücher" aller monotheistischen Religionen voller völkischem Gedankengut, sie setzen Religion mit Zugehörigkeit zum "auserwählten Volk" gleich. Viele Textpassagen in den "Heiligen Büchern" verstossen damit eindeutig gegen das Anti-Rassismus Gesetz. Religion ist keine Ethnie. Religion ist eine Meinung, nicht mehr und nicht weniger. Antworten












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