Ausland

«Hilflose Menschen wurden zu Tode gehackt»

Es geht um Religion, knappes Weideland und politische Macht: Mit beispielloser Brutalität haben in Nigeria muslimische Hirten mehrere Dörfer der christlichen Beroms angegriffen und ein Massaker angerichtet.

Notdürftige Unterkunft: Flüchtlinge des Massakers von Nigeria.

Notdürftige Unterkunft: Flüchtlinge des Massakers von Nigeria.
Bild: Keystone

Einem neuen Ausbruch der Gewalt zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in dem zentralnigerianischen Bundestaat Plateau sind vermutlich bis zu 500 Menschen zum Opfer gefallen. Ursprünglich aus dem Norden stammende muslimische Hausa und Fulani griffen am frühen Sonntagmorgen drei nur wenige Kilometer südlich der Hauptstadt Jos gelegene Dörfer an und richteten unter der überwiegend christlichen Berom-Bevölkerung grausige Blutbäder an. «Wir rechnen mit 500 oder sogar noch mehr Toten», sagte der Öffentlichkeitsbeauftragte des Bundesstaats, Gregory Yenlong.

Ein brutaler Racheakt

Augenzeugenberichten zufolge schossen die Angreifer zunächst wild in die Luft, um die Dorfbewohner aus ihren Hütten zu vertreiben, und töteten die Fliehenden anschliessend mit Macheten-Hieben. «Hilflose Menschen, wie Kinder, Frauen und ältere Männer, die nicht mehr rennen konnten, wurden zu Tode gehackt», sagte Mark Lipdo von dem christlichen Hilfswerk StefanusStiftung gegenüber der BBC: Unter den Opfern soll sich sogar ein drei Monate altes Baby befunden haben. In dem Dorf Ratt seien praktisch alle Hütten angezündet worden, hiess es: Zahllose Menschen verbrannten offenbar in ihren Hütten. Ausser Ratt wurden auch die Dörfer Zot und Dogo Nahawa angegriffen: Um zu verhindern, dass die Gewalt auch auf die Provinzhauptstadt Jos übergreift, setzte die Regierung die Armee in Alarmbereitschaft.

In Jos wird davon ausgegangen, dass es sich bei den jüngsten Angriffen um Racheakte handelt. Bereits Ende Januar waren bei Zusammenstössen in derselben Region rund 400 Menschen umgekommen: Damals hatte es sich bei den Opfern sowohl um muslimische Hausa und Fulani als auch um christliche Beroms gehandelt. Der Konflikt zwischen den verschiedenen Bevölkerungs- und Religionsgruppen wird vom Streit um knappes Weideland verschärft: Schon im November 2008 waren während bewaffneter Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Lokalwahlen im Bundesstaat Plateau mehr als 700 Menschen getötet worden.

Eigentlich hatte die Armee Ende Januar eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, doch der Schutz des Militärs erwies sich als ineffektiv. «Wir haben keinerlei Vertrauen mehr in die Sicherheitskräfte», sagte Peter Gyang, der beim jüngsten Massaker in Dogo Nahawa seine Frau und seine beiden Kinder verlor.

Machtvakuum verschärft Krise

Den fortgesetzten Gewalttätigkeiten wird auch insofern besondere Bedeutung beigemessen, als sich Nigeria gegenwärtig in einem Machtvakuum befindet. Präsident Umaru Yar’Adua ist derzeit schwer krank, sein Stellvertreter Goodluck Jonathan hat vorübergehend die Geschäfte übernommen, wird aber von Yar’Aduas Gefolgsleuten desavouiert. Im kommenden Jahr finden in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas wieder Wahlen statt: ein Anlass, bei dem es in dem Vielvölkerstaat regelmässig zu Unruhen kommt.

Die vor allem in den nördlichen Bundesstaaten lebenden Muslime gehen davon aus, dass sie für eine weitere Legislaturperiode den Präsidenten stellen können: Doch Goodluck Jonathan, der sich für den «natürlichen» Nachfolger Yar’Aduas hält, ist Christ und aus dem Süden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2010, 14:01 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

29 Kommentare

Alex Jung

10.03.2010, 07:33 Uhr
Melden

In Nigeria geht es nicht um Religionen, sondern wie in vielen afrikanischen Staaten um Clans, Stämme und Völker, welche sich bekriegen. Die unglaubliche Brutalität findet sich überall in Nigeria. Nur wer das mit eigenen Augen gesehen hat, kann das auch glauben. Lagos ist z.B. eine der gefährlichsten Orte der Welt, wo vermeintliche Diebe sogleich vom Mob aus Grausamste getötet werden. Antworten


Catherine Hafner

09.03.2010, 17:00 Uhr
Melden

Religionen sind nicht von Gott, Religionen sind ja geschaffen weil die Menschen nicht den lebendigen Gott wollen, der Himmel und Erde gemacht hat. Buddha, Mohammed, etc. das waren Menschen, Jesus ist Gott der Mensch wurde. Die Kreuzüge wurden nicht von Christen geführt sondern von Mitläufer der Kirche. Sie wurden geführt, weil die Osmanen die Pilger unterwegs nach Jerusalem getötet haben. Antworten


Benno Piller

09.03.2010, 16:20 Uhr
Melden

@Anizoba Ogukwe: Wenn der dünne Lack der Zivilisation, der Normen und Regeln abgekratzt ist, kann jeder Mensch zur Bestie werden. Religion spielt da keine Rolle, siehe Lord of the Flies von William Golding! Antworten


Chadischa Leuenberger

09.03.2010, 15:48 Uhr
Melden

Herr Jan Sommer sollte vielleicht darauf hingewiesen werden, dass der Irak-Krieg nicht von Muslime begonnen wurde. Ebenso nicht der Konflikt in Bosnien oder Sri Lanka. Auch sind nicht ursprünglich die Nord-Afrikaner nach Frankreich marschiert oder die Inder nach England. Das war eigentlich umgekehrt. An Ursprung der meisten heutigen aussereuropäischen Konflikte findet sich eine Kolonialmacht. Antworten


Peter Meier

09.03.2010, 14:16 Uhr
Melden

Es gibt viele, die wegen ihres Glaubens töten: sie glauben an den Koran, glauben an die Bibel, glauben an Massenvernichtungswaffen im Irak, glauben, dass Pilatus-Flugzeuge nur für Friedenszwecke eingesetzt werden, glauben, dass die westliche Welt in Afghanistan bedroht ist und ein "Friedenseinsatz" nötig ist etc. Das gemeinsame: sie haben nicht durchschaut, dass immer jemand daraus Profit schlägt. Antworten


Fernando Acosta

09.03.2010, 13:48 Uhr
Melden

Unglaublich, was hier so geschrieben wird: Wenn der Islam so intolerant wäre wie behauptet, wäre halb Europa islamisch. Die Osmanen hatten 500 Jahre Zeit, die Christen zwangszubekehren. Sie haben es nicht gemacht. Nur zur Info: Kaum war der letzte islam. Herrscher aus Spanien vertrieben, haben dort die Judenverfolgungen begonnen. Antworten


Matti Hoch

09.03.2010, 12:54 Uhr
Melden

Beim Islam handelt es sich ganz klar um eine Geisteshaltung gegen Christen u. die Bibel, begründet durch den Koran. Christen sind weltweit millionenfach Opfer des Islam, sei es in Indonesien, Nigeria, Sudan, Saudia, Jemen, und der Kaukasus-Region. Der Islam ist intolerant und nimmt das Recht zum Töten aus dem Koran. Es geht nicht um Islamismus, sondern um den Islam! Antworten


Markus Fischer

09.03.2010, 12:54 Uhr
Melden

Ich frage mich, weshalb solche fürchterlichen Verbrechen immer von Muslimen begangen werden. Bedeutet ein grösserer Anteil von Muslimen an der Bevölkerung eines Landes zwangsläufig Krieg gegen alle Andersgläubigen oder gibt es auf unserer Welt irgendwelche Beispiele, wo Muslime nicht versuchen die Christen oder andere Religionen zu unterdrücken? Antworten


Anizoba Ogukwe

09.03.2010, 12:38 Uhr
Melden

Ich schäme mich zutiefst. Es hat nur Elend, Leid und Gewalt in Nigeria. Wer anderes behauptet hat nie dort gelebt. Und die Schuldigen sind wir selbst. Kein Wunder verwechseln sie uns in der westlichen Hemisphäre mit Wilden. Jegliche Selbstkritik ist abhanden gekommen in Afrika. Wir nehmen es hin und schlachten und gegenseitig ab. Wie wilde Tiere. Ich glaube wir sind wilde und primitive Tiere. Antworten


rolf berner

09.03.2010, 12:32 Uhr
Melden

@willy Bhend: genau so ist es! was haben die "christen" im namen der religion alles zerstört!das haben die meisten schon vergessen! Antworten


Peter Straub

09.03.2010, 12:30 Uhr
Melden

sind schon Helden diese Moslems: die starken "Männer" vergreiffen sich am Liebsten an wehrlosen Frauen und Kindern. Und diese Religion nennt sich Religion des Friedens! Wo bleiben da die Proteste der hiesigen Moslems? sind wohl alle einverstanden mit diesen Taten. Antworten


Christian Meier

09.03.2010, 12:19 Uhr
Melden

Es gibt wohl hier eine falsche Vorstellung von Nigeria und auch von dem Islam. Die Kommentatoren sollten sich bitte mal darauf besinnen was die Christen im ersten und zweiten Weltkrieg gemacht haben und was die Christen weltweit den Kolonien zugefügt haben. Ist Christentum = Frieden? Bitte denkt einmal kurz nach. Ausserdem ist das ein Konflikt zwischen Tribes, nicht Religion. Grüsse aus Abuja C.M. Antworten


Max Caster

09.03.2010, 12:15 Uhr
Melden

Einfach nur traurig so etwas. Pauschalisierungen sind sicher fehl am Platz, denn die Problematik ist wie bei den meisten Konflikten vielschichtig. Man darf nicht davon ausgehen, dass ein Religionszugehöriger auch ein Vertreter seiner Religion ist. Das gilt für alle Religionen. Ignoranten sind mir lieber als Fanatiker. Antworten


Patricia Galli

09.03.2010, 12:05 Uhr
Melden

@R.Raschle: Islam heisst übersetzt "Unterwerfung unter Gott / Hingabe an Gott“, im weiteren Sinn "Frieden machen" wobei dann aber Friede mit Gott gemeint ist. Frieden mit Nicht-Muslimen ist nicht vorgesehen. Nicht-Muslime sind generell Menschen zweiter Klasse. Im Idealfall werden Nicht-Muslime bekehrt (notfalls mit Gewalt), wenn das nicht geht duldet man Nicht-Muslime als Menschen zweiter Klasse. Antworten


Fernando Acosta

09.03.2010, 11:52 Uhr
Melden

@Jan Sommer: In Tscheteschnien, Afghanistan, Bosnien oder Irak wurde ganze Länder von Christen überfallen, die Toten übersteigen die der "christlichen Seite" bei weitem. Hinzu kommen Verfolgungen der Muslime in China, grossen Teilen Russlands (denken Sie an die Sowjetzeit), Indien und mehr. Wer nur die Muslime oder den Islam als Aggressor sieht, ist ein Narr! Es geht um Macht, selten um Religion. Antworten


Chadischa Leuenberger

09.03.2010, 11:47 Uhr
Melden

Ich möchte hier klarstellen, dass der Islam duch Koran und Sunna resp. Hadith klare Regel zur Kriegsführung aufstellt: Kein Töten von Frauen, Kindern, Mönchen, Alten oder sonstwie nicht kriegsführenden Zivilisten, kein Zerstören von Bäumen oder Feldern, die Frucht tragen sind Teil davon. Konflikte zwischen Völkern sind in Afrika an der Tagesordnung, auch unter Angehörigen der selben Religion. Antworten


Michael Starkel

09.03.2010, 11:41 Uhr
Melden

Ich denke dabei nur an das Massaker in Ruanda. Kann es sein, dass das alles wieder und wieder passiert und keine Blauhelm Soldaten oder sonstige Friedensorganisationen greifen ein?! Uns sind die Hände gebunden!! Ich überlege mir echt, ob ich noch in der Kirche heiraten soll wenn ich zusehen muss, wie sich die Religionen bekämpfen, wie im alten Rom......, da wirds mir übel (kotz).... Antworten


Fernando Acosta

09.03.2010, 11:40 Uhr
Melden

@rainer raschle: Jesus hat auch Liebe gepredigt, aber viele seiner "Anhänger" haben Tod und Verwüstung in die Welt gebracht, Stichwort Kreuzzüge oder Irak-Krieg. Ihre Schlussfolgerung ist also absurd. Der Mensch ist schlicht ein Machttier. Gäbe es nur noch Muslime, hätte sie unter sich Krieg. So wie sich in Irland Katholiken und Prostante bekriegen. Oder früher Indianerstämme in Amerika. Antworten


Sarah Bugmann

09.03.2010, 11:39 Uhr
Melden

Religion sollte etwas Privates sein. Leider aber sind die "Heiligen Bücher" aller monotheistischen Religionen voller völkischem Gedankengut, sie setzen Religion mit Zugehörigkeit zum "auserwählten Volk" gleich. Viele Textpassagen in den "Heiligen Büchern" verstossen damit eindeutig gegen das Anti-Rassismus Gesetz. Religion ist keine Ethnie. Religion ist eine Meinung, nicht mehr und nicht weniger. Antworten


Andreas Keller

09.03.2010, 11:36 Uhr
Melden

@M.Holweck: Vergessen Sie es, Religionen kann man nicht abschaffen. S.Jost hat Recht, gegen innenpolitische bewaffnete Religionskonflikte hilft nur die Aufteilung des betreffenden Staates. Es war ein gigantischer Strategiefehler den Irak als Einheit fortzuführen. Den Irak hätte man 3-teilen müssen: im Norden die Kurden, im Mittelirak die die Sunniten und im Süden die Schiiten. Antworten


Jan Sommer

09.03.2010, 11:29 Uhr
Melden

Madrid, New York, London, Thailand, Irak, Afganistan, China, Indien, Pakistan, Tunesien, Sudan, Ätiopien, Ägypten, Türkei, Bali und jetzt Nigeria. Alle religiösen Konflikte und Anschläge heutzutage werden von Muslimen begonnen - nicht einmal mehr Nordirland kann als Gegenbeispiel herhalten. Antworten


Konrad Varga

09.03.2010, 11:27 Uhr
Melden

Herrlich wie peinlichst darauf genau geachtet wird ja nicht den Islam als Grund zu nennen. Der Kaiser muss ja bekleidet sein, also nimmt man halt Weideland als Grund für die muslimischen Massaker an Frauen & Kindern.Was sich auch niemand zu fragen scheint ist warum sowas gerade immer in Ländern passiert wo neben dem Islam eine weitere, starke Religion existiert?Aber im Sudan ging es nur um Wasser. Antworten


rainer raschle

09.03.2010, 11:27 Uhr
Melden

Wie können Muslime derartig grauenhafte Gewalttaten gegen Christen ausüben? Es wird doch immer wieder von allen Muslimen betont, dass Islam gleich Frieden ist. Vielliecht ist Frieden im Islam ja dadurch definiert, dass dann Frieden herrscht, wenn alles dem Islam unterworfen ist? Antworten


Willi Bhend

09.03.2010, 11:07 Uhr
Melden

@ Frank Schmid: vielleicht ist es aber auch die Wiederholung unserer eigenen (un-)christlichen Kultur und Geschichte mit der Versklavung, Ausrottung der indogenen Völker, Kreuzzügen gegen Muslime und "Ungläubige", Hexenverbrennungen und und und....... Es ist wirklich traurig, was alles im Namen der Religion angerichtet wurde und wird. Antworten


Res Bühlmann

09.03.2010, 10:47 Uhr
Melden

Darüber schweigen die 17 arabischen Staaten in allen Ton-arten , welche letzte Woche noch die Schweiz wegen der Minarett- Initiative als "rassistisch" verurteilt haben ! Antworten


Micheline Holweck

09.03.2010, 10:26 Uhr
Melden

ich bin fuer die Abschaffung ALLER Religionen! Antworten


Frank Schmid

09.03.2010, 09:35 Uhr
Melden

Es ist mir echt unverständlich wie Anhänger des friedliebenden Islams so viel Hass in sich haben können und u.a. aus religiösen Motiven christliche Frauen und Kinder mit Macheten, Tierfallen und Fischernetzen abschlachten. Ich dachte Toleranz und Liebe sind gleichzustellen mit dieser Religion. Antworten


Stefan Jost

09.03.2010, 08:45 Uhr
Melden

Eine langfristige Entschärfung der angespannten Lage würde nur eine Teilung bringen: Muslimischer Norden und Christlicher Süden. Antworten


Mari Wunderli

09.03.2010, 08:17 Uhr
Melden

Weiderecht- oder Religion? Darf man annehmen dass es vielleicht mehr mit Religion zu tun hat und das Weiderecht als Grund angegeben wird? Wenn man die letzen Monate verfolgt kann , vermute ich ehere dass eine fanatische islamische Terrorgruppe dahinter steckt. Hirten mit Gewehren- nun ja- scheint mir ein bisschen hoch gegriffen. Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre