Ausland
Ghadhafis Verzweiflungstat
Aktualisiert am 17.08.2011 63 Kommentare
Setzen Scud-Raketen ein: Ghadhafis Truppen wollen den Vormarsch der Aufständischen nach Tripolis verhindern. (Video: Reuters)
Weiter 2000 Flüchtlinge auf Lampedusa
Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa kamen nach Angaben der UNO am vergangenen Wochenende fast 2000 Flüchtlinge aus Libyen und Tunesien an. Allein von Dshansur nahe Tripolis aus seien etwa 1800 Menschen mit Booten aufgebrochen, darunter 200 Frauen und 30 Kinder, sagte ein Sprecher der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR heute in Genf.
Den Angaben zufolge berichtete eine Gruppe sudanesischer Männer, sie seien in Tripolis festgenommen und an Bord der Boote gezwungen worden. Seit Jahresbeginn sind laut UNHCR bereits 52'000 Flüchtlinge aus Nordafrika in Italien angekommen. (dapd)
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Es handle sich um eine «verzweifelte Geste», die «viel Lärm» mache, aber wenig bewirke, sagte der Nato-Sprecher Roland Lavoie heute. Die Rakete sei am Sonntag 80 Kilometer südlich der Ghadhafi-Hochburg Sirte abgefeuert worden und habe fünf Kilometer östlich von Brega eingeschlagen.
Lavoie sagte, die Rakete sei nicht steuerbar und daher für Zivilisten sehr gefährlich, militärisch aber nur von geringem Wert. «Der Einsatz dieser Raketen gegen einen Ort oder ein Industriegebiet ist zutiefst verantwortungslos.»
Nach Schätzungen von Experten besitzt Libyen etwa 240 noch von der Sowjetunion produzierte Scud-Raketen mit einer Reichweite von etwa 300 Kilometern. Allerdings wurden die Arsenale bereits zu Beginn des Krieges vor einem halben Jahr von der Nato bombardiert.
Vorstösse der Rebellen
Nach eigenen Angaben haben die Aufständischen Brega unterdessen weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht. Die Gefechte um die Ölanlagen am Rand der strategisch wichtigen Stadt dauerten aber weiter an. Brega war lange ein Vorposten Ghadhafis im ansonsten von den Rebellen beherrschten Osten des Landes.
Im Westen des Landes hatten die Aufständischen zuletzt nach eigenen Angaben die Städte Gharjan und Sorman eingenommen. Ausserdem sei ein Grossteil der Stadt Sawija in ihrer Hand. Die Küstenstadt 45 Kilometer westlich von Tripolis ist die letzte Bastion Ghadhafis vor der Hauptstadt Tripolis. Die Ghadhafi-Führung bestritt, dass Sawija von den Rebellen eingenommen wurde.
«Entscheidende Phase»
Regierungstruppen hätten das Stadtzentrum Sawijas unter Artilleriefeuer genommen, berichtete ein AFP-Reporter. Die «entscheidende Phase» habe begonnen, sagte der Frankreich-Gesandte des Übergangsrates der Rebellen, Mansur Saif al-Nasr, am Dienstag im Radiosender RFI.
Die Nato teilte mit, im Nordwesten und im Osten des Landes seien die Regierungstruppen Ghadhafis «teilweise in grosser Hast und unter Zurücklassung ihrer Waffen abgezogen». Tripolis sei de facto eingeschlossen.
Niederlande geben Gelder frei
Gemäss informierten Kreisen soll sich heute mit dem Kommandanten Masud Abdulhafis ein weiterer langjähriger Weggefährte Ghadhafis abgesetzt haben. Sein Name steht auf einer Liste von Libyern, gegen die von der EU im März Sanktionen verhängt worden waren. In Tripolis bestätigte Regierungssprecher Mussa Ibrahim unterdessen einen Bericht, wonach sich der frühere Innenminister Nassr al-Mabruk Abdullah nach Ägypten abgesetzt hat.
Der Vizepräsident des Übergangsrates, Abdel Hafis Ghoga, sagte in Benghazi, dass es «keine Verhandlungen oder Gespräche» mit Ghadhafis Regierung gebe. Tunesische Sicherheitskreise hatten zuvor vermeldet, Vertreter beider Seiten hätten sich auf der tunesischen Ferieninsel Djerba getroffen.
Lieferung von Medikamenten
Der UNO-Sondergesandte für Libyen, Abdelilah al-Chatib, traf sich heute nach eigenen Angaben mit Vertretern beider Parteien des Bürgerkriegs. Die Gespräche hätten allerdings nicht den Status von Verhandlungen, betonte al-Chatib.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat inzwischen die Lieferung von Medikamenten an Libyen angeschoben, wie eine WHO-Sprecherin heute in Genf bestätigte. Die Niederlande hatten am Montag auf Gesuch der WHO die 100 Millionen Euro aus eingefrorenen libyschen Geldern für humanitäre Zwecke freigegeben. Mit dem Geld sollen Medikamente für die Bevölkerung in Libyen finanziert werden.
(wid/sda/dapd)
Erstellt: 17.08.2011, 00:00 Uhr
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