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Ghadhafi-Sohn setzt sich mit Max Göldi in Szene

Aktualisiert am 02.03.2010

Hannibal Ghadhafi hat in Tripolis überraschend Max Göldi im Gefängnis besucht. Der Sohn des libyschen Machthabers habe dem Schweizer erlaubt, seine Mutter anzurufen. Das Treffen riecht nach Propaganda.

1/3 Hannibal Ghadhafi (links) im Gespräch mit dem Schweizer Max Göldi.
Bild: Keystone

Ghadhafi-Sohn Hannibal besucht Max Göldi

   

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(Quelle SF / Tagesschau)

«Es ist mir eine Ehre, dass Hannibal Ghadhafi mich besucht und ich hoffe, dass er seinen Einfluss nutzen kann, um mir in meiner Situation zu helfen», sagte Göldi bei dem Treffen gegenüber Journalisten. Er hoffe auch, dass die Justiz ihre Arbeit machen werde und dass sich einige Dinge verbesserten.

«Ich bin seit 19 Monaten von meiner Familie getrennt und möchte so schnell wie möglich nach Hause zurück», sagte Göldi weiter. Laut einem Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters wirkte der inhaftierte Schweizer entspannt und lächelte während des Treffens. Die Begegnung wirkt auf den Bildern allerdings inszeniert. Max Göldi dürfte keine andere Wahl gehabt haben, als dem Treffen zuzustimmen.

Auf die Frage, welche Forderungen er an die Schweizer Regierung stelle, sagte Göldi: «Die Schweiz muss Hannibal Ghadhafi das Recht zugestehen, von seinem Recht Gebrauch zu machen.» Die Veröffentlichung von Hannibals Polizeifotos in der «Tribune de Genève» sei «unakzeptabel» und «gegen das Gesetz».

Anschliessend setzten die beiden ihr Gespräch unter vier Augen fort. Göldis Anwalt Salah Zahaf ergänzte, Hannibal Ghadhafi habe seinem Mandanten erlaubt, seine Mutter in der Schweiz anzurufen, die am Montag Geburtstag hatte.

Wichtige Geste

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wertete es als «gutes Zeichen», dass sich weitere Personen aus der Familie Ghadhafi für eine Lösung in der Affäre einsetzen. Bislang sei es insbesondere Hannibals Bruder Saif Al-Islam gewesen, der sich persönlich eingesetzt habe, heisst es in einer Stellungnahme.

Amnesty betrachtet Göldi als «Gewissensgefangener», der nur wegen seiner Nationalität im Gefängnis sitzt: Als Reaktion auf die vorübergehenden Festnahme Hannibal Ghadhafis in Genf wurde Göldi zusammen mit Rachid Hamdani in Tripolis festgenommen.

Während Göldi am 23. Februar eine viermonatige Haftstrafe wegen angeblicher Visavergehen antrat, durfte Hamdani in die Schweiz ausreisen. Amnesty forderte die libyschen Behörden am Montag erneut auf, auch Göldi umgehend freizulassen. Der schnellste Weg für eine Freilassung sei eine Begnadigung.

Begnadigungsgesuch geplant

Das Gesuch für diese Begnadigung sowie einen Rekurs gegen Göldis Verurteilung wollten die Anwälte des Schweizers in diesen Tagen bei der libyschen Justiz einreichen.

Für den Fall, dass der Oberste Rat dem Begnadigungsgesuch nicht stattgeben sollte, wollten Göldis Verteidiger zudem ein Gesuch um Reduktion der Haftstrafe einreichen. Damit wollen sie erreichen, dass die rund 70 Tage, die Göldi bereits in libyschen Gefängnissen verbracht hat, von der viermonatigen Haftstrafe abgezogen werden.

Wann Göldi dann mit einer Antwort rechnen kann, ist offen. Laut Amnesty-Sprecher Daniel Graf kann das Begnadigungsgesuch jederzeit behandelt werden. Beim Rekurs könne es Wochen oder gar Monate dauern.

Demonstration in Tripolis

Unterdessen demonstrierten rund 1000 Demonstranten vor der Schweizer Botschaft in Tripolis, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete. Die wütende Menge skandierte «Jihad» (Heiliger Krieg) gegen die Schweiz. Rund 200 Polizisten zogen einen Sicherheitsgürtel rund um die Botschaft.

Aufgerufen zur Demonstration hatten die Revolutionären Volkskomitees Libyens. Sie wollten damit Ghadhafis Aufruf zum Heiligen Krieg gegen die Schweiz Nachdruck verleihen.

Marokko solidarisch

Im Streit zwischen der Schweiz und Libyen hat sich mit Marokko ein weiteres nordafrikanisches Land hinter das Regime in Tripolis gestellt. Das Aussenministerium in Rabat sicherte Libyen am Montag seine «vollständige brüderliche Solidarität» zu.

Marokko verfolge mit grosser Besorgnis die Entwicklung im Streit zwischen der Schweiz und Libyen, insbesondere die bedauerliche Entscheidung der Schweiz, ranghohen Libyern den Eintritt in den Schengenraum zu verwehren, heisst es in dem Communiqué.

In den letzten Tagen haben sich bereits Algerien und Tunesien mit Libyen solidarisiert. (bru/sam/sda)

Erstellt: 02.03.2010, 09:08 Uhr

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