Ausland
Für Helfer ein gefährliches Terrain
Von Johannes Dieterich. Aktualisiert am 25.07.2011 35 Kommentare
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Obwohl Somalias Islamisten ihr ursprünglich unterbreitetes Angebot, internationale Hilfsorganisationen zur Bekämpfung der Hungersnot am Horn von Afrika ins Land zu lassen, wieder zurückgenommen haben, setzen Hilfswerke ihre Vorbereitungen für einen Einsatz in Somalia fort. Dies ist insbesondere das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP).
Notfalls könne die Nahrungsmittelhilfe auch aus der Luft abgeworfen werden, sagte WFP-Exekutivdirektorin Josette Sheeran am Samstag während eines Besuchs des Flüchtlingszentrums Dadaab im Osten Kenias, wo inzwischen fast 400 000 Somalier Zuflucht gefunden haben. In Somalia selbst seien rund 2,2 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht, fügte Sheeran hinzu: «Es geht jetzt nicht um Politik, sondern ums Überleben.»
Islamisten reden von «Lüge»
Zuvor hatte ein Sprecher der einen Grossteil des Landes beherrschenden Islamistengruppe al-Shabab die Einladung internationaler Hilfsorganisationen als «Übersetzungsfehler» bezeichnet. Die vor einem Jahr aus Somalia verbannten Hilfswerke seien nach wie vor nicht willkommen, sagte Al-Shabab-Sprecher Ali Mohamud Rage: Die Ausrufung einer Hungersnot seitens der UNO sei «politisch motiviert» und «eine Lüge», es gebe zwar einen «Mangel an Regen», aber keine Hungersnot.
Al-Shabab hatte Anfang vergangenen Jahres neben 16 privaten Hilfswerken auch das WFP aus seinen Territorien verbannt, weil sie angeblich christliches Gedankengut zu verbreiten und die Bevölkerung mit verdorbenen Nahrungsmitteln zu schädigen suchten. Hilfswerke wie der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC), das Rote Kreuz oder die muslimische Organisation Islamic Relief waren von dem Bann ausgeschlossen: Sie weiten ihre Hilfsleistungen derzeit stark aus.
Hilfe lieber im eigenen Land
Über diese Organisationen will auch die Europäische Union ihre Hilfe in der Region verstärken, wie die EU-Kommissarin für humanitäre Angelegenheiten, Kristalina Georgieva, am Wochenende ankündigte: Es mache mehr Sinn, die Bevölkerung vor Ort zu unterstützen, als erst nach ihrer Flucht ins Nachbarland. Für die Bulgarin sind die von al-Shabab ausgesandten Signale bislang uneindeutig: Die Organisation, die aus ihren Verbindungen zur Terrorgruppe al-Qaida keinen Hehl macht, sei ein «Drachen mit mehreren Köpfen», der nicht mit einer Stimme spreche. Um Hilfsmöglichkeiten zu beurteilen, müssten die jeweiligen Bedingungen vor Ort geprüft werden, sagte Georgieva bei einem Zwischenstopp in dem an der Grenze zu Äthiopien gelegenen somalischen Städtchen Doolow, das allerdings von der Übergangsregierung und nicht von al-Shabab kontrolliert wird.
Die Bulgarin räumte ein, dass Somalia das weltweit gefährlichste Terrain für Hilfsorganisationen ist: In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurden hier 36 Mitglieder von Hilfsorganisationen, darunter allein 14 WFP-Beschäftigte, umgebracht.
Allgemein wird befürchtet, dass der schon jetzt auf täglich rund dreitausend Menschen geschätzte Flüchtlingsstrom nach Äthiopien und Kenia noch weiter anschwellen wird, falls die Hilfe nicht in Somalia selbst geleistet werden kann. «Lasst uns sie innerhalb ihrer Grenzen ernähren», sagte die kenianische Ministerin für Spezialprojekte, Esther Mirugi, am Wochenende: «Sie werden sonst Unsicherheiten und Konflikte mit sich bringen.»
Kenianer fürchten mehr Druck
Zumindest Teile der kenianischen Regierung weigern sich, bereits fertiggestellte neue Einrichtungen im Flüchtlingszentrum Dadaab zu öffnen: Kenia werde durch den Ansturm von Somaliern übergebührlichen Belastungen ausgesetzt, heisst es. Auch der Besuch der EU-Kommissarin brachte in dieser Frage keine Klarheit: Während der UNHCR-Repräsentant in Kenia, Elike Segbor, davon ausging, dass die für 80 000 Menschen ausgelegten neuen Lager bereits am Montag geöffnet würden, teilte Distriktchef Bernard ole Kipury auf Anfrage dieser Zeitung mit, er habe kein grünes Licht aus Nairobi erhalten.
Sie werde das Thema mit den Kenianern ansprechen, aber «keinen Druck ausüben», sagte Georgieva im Gespräch mit dieser Zeitung: «Denn Druck haben die Kenianer schon genug.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.07.2011, 07:05 Uhr
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35 Kommentare
Jean Roth: Das können Sie lange warten, auf die Somalia-Flotte! Die hätten doch die Hosen voll, würden sie einem Islamisten gegenüber stehen. Und wie man kürzlich gelesen hat, ist Grüssen verboten in Somalia, sie müssten also sogar mit Auspeitschungen rechnen. Ich würde ehrlich sagen: Hände weg von diesem Land, so brutal das auch tönen mag. Die Schweiz muss nicht stets Gutmenschentum spielen. Antworten
Hier könnten sich jetzt die "Helfer für Palästina", diese Schiffsreisenden auf ganz starke Art profilieren u. die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen und auf Somalia indem sie ein mit Hilfsgüter beladenes Schiff irgendwo dort an Land bringen.Das wäre eine grosse Tat, nicht wie zwischen Zypern u.dem Gazastreifen umherschippern. Jetzt ist Zivilcourage gefragt, nicht Fähnlein schwingen. Antworten
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