Ausland

Feuergefechte in Beirut

Aktualisiert am 22.10.2012

Hunderte aufgebrachte Demonstranten haben nach der Beerdigung des getöteten Geheimdienstchefs versucht, den Sitz der libanesischen Regierung zu erstürmen. In der Nacht kam es zu Schiessereien.

1/23 Angespannte Lage in Beirut: Libanesische Soldaten kontrollieren ein Auto, nachdem es erneut zu Ausschreitungen zwischen Gegnern und Befürwortern von Syrien kam. (22. Oktober 2012)
Bild: Keystone

   

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Schwere Ausschreitungen haben im Libanon eine Trauerfeier für den getöteten Geheimdienstchef des Landes überschattet. Aufgebrachte Demonstranten versuchten am Sonntag nach der Kundgebung für Wissam al Hassan, den Sitz des Ministerpräsidenten in Beirut zu stürmen. Soldaten trieben die Menge mit Tränengas und Warnschüssen auseinander.

Viele Libanesen beschuldigten die syrische Regierung von Präsident Baschar Assad, hinter dem Attentat vom Freitag zu stecken. Dieser traf sich am Sonntag mit dem UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi in Damaskus. Während der Gespräche gab es mehrere Anschläge und Kämpfe.

Nach Trauerfeier Sturm auf Regierungssitz

In Beirut gaben Tausende Libanesen dem bei einem Bombenanschlag getöteten Geheimdienstchef Wissam al Hassan das letzte Geleit. Sie strömten zur Beisetzung auf dem Märtyrerplatz zusammen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, der Platz wurde für Fahrzeuge gesperrt, die Menschen vor der Trauerfeier durchsucht. Zudem errichtete die Polizei zahlreiche Strassensperren.

Die Trauernden schwenkten libanesische Flaggen und beschuldigten Syrien, hinter dem Anschlag vom Freitag zu stecken. Neben Al Hassan waren dem Attentat sieben weitere Menschen zum Opfer gefallen. Dann schlug die Trauer in Wut um: Tausende Demonstranten zogen in Richtung Serail, dem Amtssitz von Ministerpräsident Nadschib Mikati. Einigen Hundert gelang es, Polizeiketten zu durchbrechen und fast bis zum Eingang vorzudringen. Soldaten schossen in die Luft und setzten Tränengas ein, um die Erstürmung verhindern. Auf TV-Bildern waren verletzte Zivilisten zu sehen.

Al Hassan, ein scharfer Gegner Syriens, hatte Ermittlungen gegen den früheren Informationsminister Michel Samaha geleitet, einen der engsten Verbündeten Damaskus' im Libanon. Samaha war am 9. August verhaftet worden und wurde wegen der Planung von Terroranschlägen angeklagt. Neben ihm wurde auch der syrische Geheimdienstchef Ali Mamluk in Abwesenheit angeklagt.

Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius sagte am Sonntag, es sei eine Rolle Syriens bei dem Anschlag zu vermuten. Alles deute darauf hin, «dass es eine Ausweitung der syrischen Tragödie ist», betonte er im Rundfunksender Europe 1. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schaltete sich ebenfalls ein. Im Telefonat mit dem libanesischen Präsidenten Michel Suleiman unterstrich er die Souveränität des Landes und wie wichtig es sei, dass das Land Distanz halte zu den Ereignissen in der Region, teilte ein UN-Sprecher mit.

Noch keine Vereinbarung über Waffenruhe

Bei dem sonntäglichen Treffen des Syrien-Sondergesandten von UN und Arabischer Liga, Brahimi, in Damaskus mit Präsident Assad war der Plan einer Waffenruhe während des am kommenden Freitag beginnenden islamischen Opferfests Thema. Oppositionsgruppen hätten ihm diesbezüglich Unterstützung, aber keine festen Zusagen gegeben, sagte Brahimi nach der Unterredung. Zu einer Reaktion Assads liess Brahimi nichts verlauten. Die syrische amtliche Nachrichtenagentur SANA meldete aber, Assad habe Brahimi versichert, er unterstütze seine Bemühungen.

Assad habe gesagt, «er sei offen für alle ernsthaften Anstrengungen, eine politische Lösung für die Krise zu finden» - auf der Grundlage, «dass die syrische Souveränität respektiert und eine ausländische Einmischung abgelehnt werde». Zuvor hatte das Regime den Plänen wenig Chancen gegeben, da es keine einheitliche und zuverlässige Rebellenführung gebe, mit der die Waffenruhe besiegelt werden könne.

Die Friedensbemühungen des UN-Sondergesandten wurden am Sonntag von einem Bombenanschlag mit mindestens 13 Toten Damaskus überschattet, am Samstag waren bei schweren Gefechten über 60 Menschen umgekommen.

(mw/kle/sda/dapd/AFP)

Erstellt: 21.10.2012, 14:18 Uhr

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