Ausland
Ein Überlebender des Massakers erzählt
Aktualisiert am 08.06.2012 31 Kommentare
Synonym für das Grauen: Das Dorf Masraat al-Kubair in Syrien.
Anderthalb Wochen nach dem Massaker von Hula hat sich in der Provinz Hama erneut ein Blutbad mit Dutzenden Toten ereignet. (7. Juni 2012). (Video: Reuters )
Homs unter Beschuss
Die syrische Armee hat nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten den Stadtteil Chaldije in Homs unter Beschuss genommen. Die Armee habe seit dem Morgen «durchschnittlich fünf Geschosse pro Minute» auf das im Norden der Stadt gelegene Quartier abgeschossen.
In Chaldije hätten sich seit Monaten Rebellen verschanzt, erklärte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte weiter. Das Bombardement scheine die Vorbereitung eines Sturmangriffs auf den seit Monaten von Rebellen gehaltenen Stadtteil zu sein. Weder die Beobachtungsstelle noch die Örtlichen Koordinationskomitees konnten Angaben über Verletzte oder Tote machen. (sda)
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«Tier- und Menschenfleisch liegt herum, der Rauch riecht nach brennenden Häusern und Leichen», sagt Leith al Hamwi in Masraat al-Kubair, der nach eigenen Angaben nur überlebte, weil er sich in einem Olivenhain rund 800 Meter von dem Dorf entfernt versteckte. Seine Mutter und seine sechs Geschwister, die jüngsten waren zehn Jahre alte Zwillinge, hätten den Angriff hingegen nicht überlebt.
Das sunnitische Dorf Masraat al-Kubair, in dem vor allem Beduinen leben, liegt in der Provinz Hama und ist Aktivisten zufolge von Dörfern der Alawiten, der herrschenden Religionsgemeinschaft, der auch Präsident Baschar Assad angehört, umgeben. Die regimetreue Schabiha-Miliz soll wie schon beim Massaker von Hula für den Tod ganzer Familien verantwortlich sein. «Als ich aus meinem Versteck kam und in die Häuser ging, sah ich überall Leichen», sagte al Hamwi. Seine Aussagen konnten nicht unabhängig bestätigt werden, aus Angst vor Racheakten gab er auch nicht seinen richtigen Namen an.
Auch der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) erklärte, 78 Menschen seien von Mittwoch auf Donnerstag in Masraat al-Kubair von regimetreuen Milizen aus den Nachbardörfern getötet worden. Einige seien erschossen, andere erstochen worden, teilte der SNC mit. 35 der Toten seien Mitglieder der selben Familie gewesen, die Hälfte von ihnen Frauen und Kinder. «Frauen und Kinder wurden in ihren Häusern verbrannt», sagte auch ein Aktivist in Hama, Mussab Alhamadi.
Regime beschuldigt Terroristengruppe
Dass es in Masraat al-Kubai ein Massaker gegeben hat, bestreitet auch die syrische Regierung nicht. Ihr zufolge war aber eine bewaffnete Terroristengruppe dafür verantwortlich. Alle Mitglieder seien aber bei anschliessenden Gefechten mit Regierungstruppen getötet worden, hiess es in einer Erklärung der Regierung, die von der amtlichen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht wurde.
Auch die Familie al Hamwis sei verbrannt, sagte er. Sie hätten sich in einem kleinen Vorratsraum über dem Badezimmer versteckt, als die Angreifer das Haus anzündeten. Auch fast alle anderen der rund 20 Häuser in Masraat al-Kubair seien entweder zerbombt worden oder niedergebrannt, sagte al Hamwi. Auf Youtube veröffentlichte Videos, die aus dem Ort stammen sollen, zeigten die Leichen von Frauen und Kindern. In einem war laut dem Kommentator des Videos die Leichen einer Grossmutter, einer Mutter, von fünf Geschwistern und zwei Cousins zu sehen. Zwischen den aufgereihten Leichen, die in weisse Tücher gehüllt waren, lagen gefrorene Wasserflaschen, um sie zu kühlen.
Auf dem Weg in das Dorf wurden UN-Beobachter beschossen und mussten umkehren, ohne die Hintergründe des Massakers untersuchen zu können. Die Beobachter unternehmen heute aber einen zweiten Versuch, sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. (Edith Lederer und Zeina Karam, dapd)
Erstellt: 08.06.2012, 12:20 Uhr
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