Ausland

Ein Kandidat ohne Alternative

Aktualisiert am 21.02.2012

Morgen wird im Jemen der Nachfolger von Ali Abdullah Saleh gewählt. Abad Rabbo Mansur Hadi ist dabei ohne Gegenkandidat. Im Süden des Landes flammt derweil ein alter Konflikt neu auf.

Morgen öffnen die Wahllokale: Eine jemenitische Frau hält ein Porträtbild von Abad Rabbo Mansur Hadi – dem einzig wählbaren Kandidaten.

Morgen öffnen die Wahllokale: Eine jemenitische Frau hält ein Porträtbild von Abad Rabbo Mansur Hadi – dem einzig wählbaren Kandidaten.
Bild: Keystone

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Ohne Gegenkandidat tritt heute der bisherige Vize-Präsident Abad Rabbo Mansur Hadi bei der Präsidentenwahl im Jemen an. Hadi übernimmt die Führung des arabischen Landes, nachdem sich sein Vorgänger Ali Abdullah Saleh nach mehr als 33 Jahren im Amt unter Druck von monatelangen Protesten und Drängen aus dem Ausland zu einer Machtübergabe bereit erklärt hatte.

Von dem Kompromisskandidaten Hadi versprechen sich sowohl Regierungs- als auch Oppositionskräfte eine Stabilisierung des Jemen. Hadi ist ein gelernter Militär, der bisher niemandem so richtig aufgefallen ist. Auch hat er nicht wie in arabischen Ländern sonst üblich eine starke Machtbasis in seinem Stamm oder seiner Familie. Und obwohl er bereits seit 1994 Vize-Präsident des Landes ist, hat er politisch kaum eine Rolle gespielt.

Unauffälligkeit als Vorteil

Trotzdem - oder gerade deshalb - wird Hadi nun wohl für zwei Jahre die Geschicke seines Landes führen. Dass er die vergangenen Jahrzehnte unter Jemens langjährigem Staatschef Ali Abdallah Saleh nicht in Erscheinung trat, ist nun einer der grossen Vorteile Hadis. Der Vize-Präsident rückte erst so richtig ins Bewusstsein seiner Landsleute, als Saleh im vergangenen Juni bei einem Angriff auf den Präsidentenpalast verwundet wurde und mehr als drei Monate zur Behandlung in Saudiarabien war. Hadi übernahm de facto die Amtsgeschäfte - und der bisher äusserst zurückhaltende 66-Jährige, der kaum etwas sagte, eroberte sich den Respekt der politischen Parteien seines Landes, einschliesslich der Opposition.

Westliche Diplomaten loben vor allem Hadis Rolle in den Bemühungen, Präsident Saleh nach 33 Jahren mit Hilfe eines von den Vereinten Nationen unterstützten Übergangsplans aus dem Amt zu heben. «Die Art, wie er die Verhandlungen führte und Saleh überzeugte, dem Plan zuzustimmen, zeigt, dass er sehr klug ist», sagt ein westlicher Diplomat in der Hauptstadt Sanaa, der anonym bleiben will.

Einen Tag vor der Wahl haben sich die Spannungen vor allem im Süden des Landes deutlich verstärkt. Aden, die wichtigste Stadt des Südens, war nach Angaben von Einwohnern heute komplett in der Hand der Sicherheitskräfte. Unter anderem waren demnach Panzer an den wichtigsten Strassen postiert. In mindestens einem Stadtviertel kam es laut Augenzeugen zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Wahlgegnern.

Unabhängigkeitskampf könnte neu entfachen

Zudem nahm die Polizei den Berichten zufolge erneut zahlreiche Mitglieder der Bewegung des Südens fest, die zum Boykott des Urnengangs aufgerufen hat. Die Bewegung streue das Gerücht, dass es bei der Wahl am Dienstag zu Gewalt kommen werde, sagte ein Behördenvertreter. Damit sollen die Menschen vom Gang zu den Urnen abgehalten werden.

Im Vorfeld der Wahl wurden die Rufe nach einer Abspaltung Südjemens immer lauter. Die Bewegung des Südens rief zum Boykott der Präsidentschaftswahl auf, weil dadurch die «Besatzung» durch den Norden zementiert werde. Der Süden war bis 1990 unabhängig.

(mrs/dapd)

Erstellt: 20.02.2012, 23:28 Uhr

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