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Die Piraten leben wieder auf Pump

Aktualisiert am 28.09.2012 10 Kommentare

Weniger Angriffe, weniger Geld: Die EU-Mission Atalanta verdirbt den somalischen Piraten das Geschäft. Doch deshalb bereits den Sieg über die Piraterie zu verkünden, wäre übereilt.

1/4 Die Zeiten sind härter geworden: Ein somalischer Pirat steht neben einem verlassenen Fischerboot am Strand der ehemaligen Piratenhochburg Hobyo. (23. September 2012)
Bild: Keystone

   

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69-mal griffen im ersten Halbjahr 2012 somalische Piraten am Horn von Afrika Handelsschiffe an – 2011 hatten sie im selben Zeitraum noch 266-mal zugeschlagen, also fast viermal häufiger. Hat die Operation Atalanta, die Ende 2008 gestartet wurde, ihr Ziel also bereits erreicht? Damals hatte die EU mehrere Kriegsschiffe und Soldaten zur Bekämpfung der Piraterie vor die Küste Somalias geschickt. Nach dem Willen des Bundesrates hätte sich auch die Schweiz am Einsatz beteiligen sollen, doch der Nationalrat hatte das Projekt zu Fall gebracht.

Auch die Zahlen, die das Internationale Schifffahrtsbüro (International Maritime Bureau, IMB) präsentiert, scheinen den Erfolg von Atalanta zu belegen: Während im Rekordjahr 2010 47 Schiffe vor der Küste Somalias von Piraten geentert wurden, seien es 2011 nur noch 25 gewesen, dieses Jahr sogar erst fünf. Laut einem Bericht befinden sich derzeit noch elf Schiffe und 281 Besatzungsmitglieder in der Gewalt somalischer Piraten.

Piraten leben heute auf Pump

Die Piraten würden neuerdings deshalb von Geldsorgen geplagt, schreibt «Spiegel online» in einem Bericht: Für jeden geenterten Frachter kassieren die Männer jeweils Lösegeld in Millionenhöhe. Diese Einnahmen fallen nun zu grossen Teilen weg. Hätten die Männer vor Beginn der EU-Mission noch in Saus und Braus gelebt, in Villen gewohnt und Luxuskarossen gefahren, müssten heute wieder viele in ärmlichen Hütten hausen und sich mit Geld auf Pump finanzieren – «die fetten Jahre sind vorbei».

Die Operation Atalanta bereits als Erfolg abzubuchen, scheint aber verfrüht, und zwar aus mehreren Gründen. Laut dem Bericht des IMB setzen nämlich immer mehr Reedereien für den Schutz ihrer Schiffe private Sicherheitsfirmen ein. Allein in Deutschland heuern laut Medienberichten ein Drittel aller Schifffahrtsunternehmen Söldner von privaten Sicherheitsdiensten an, bevor sie ihre Schiffe vor der Küste Somalias kreuzen lassen.

Monsun-Stürme verhindern Überfälle

Die Sicherheitsfirmen verlangen für ihren Einsatz zwar viel Geld, doch die Investition lohne sich in Anbetracht der millionenschweren Schiffsladungen allemal. Offenbar ziehen viele Reedereien die privaten Söldner den Diensten der Internationalen Atalanta-Schutztruppen vor: Denn die europäischen Soldaten bieten den Schiffen zwar an, sie durch die gefährlichen Zonen zu begleiten, aber in Konvois mit anderen Booten und nur innerhalb bestimmter Zeitfenster. Auf einen solchen Konvoi zu warten, können sich viele Unternehmen nicht leisten, denn Zeit ist Geld.

Das IMB warnt deshalb davor, bereits das Ende der Piraterie auszurufen. Denn vor allem in den letzten Wochen habe auch das Wetter den Piraten einen Strich durch die Rechnung gemacht: Monsun-Stürme machten Überfälle auf kreuzende Schiffe praktisch unmöglich. (fko)

Erstellt: 28.09.2012, 19:54 Uhr

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10 Kommentare

Alois Amrein

28.09.2012, 21:54 Uhr
Melden 63 Empfehlung 47

Und die Schweiz steht einmal mehr abseits, der NR will es so. Gibt ein gutes internationales Image als Profiteur, der die Arbeit anderen überlässt. Antworten


Ronnie König

29.09.2012, 10:45 Uhr
Melden 11 Empfehlung 1

Vor allem die Dänen und deren Strategie haben dazu geführt, dass mehr Ruhe herrscht. Zudem sind die Drohnen der USA ein weiteres Argument. Die Piraten wissen nun, dass es viel gefährlicher für sie ist. Auf Schweizer Schiffen sind fast keine Schweizer mehr. Darum sind andere für deren Schutz aufgeboten. Die meisten Schiffe schützen sich zudem sehr gut selber. Jobs für Söldner und Hightech Firmen. Antworten



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