Ausland

Der unermüdliche Verhandler

Von Claudia Kühner . Aktualisiert am 01.09.2010

Seit bald zwanzig Jahren ist Saeb Erekat dabei, wenn Israeli und Palästinenser am Verhandlungstisch sitzen. In den eigenen Reihen wurde er oft angefeindet, war aber auch hier als Vermittler gefragt.

1/5 Camp David 2000, Präsident Bill Clinton mit Yassir Arafat und Saeb Erekat (Mitte).
Bild: Reuters

   

Wenn palästinensische Verhandlungsdelegationen ein Gesicht haben, dann ist es das von Saeb Erekat. Wenn internationale Medien den palästinensischen Standpunkt erfahren wollen, fragen sie ihn – das Sprachrohr schlechthin und des geschliffenen Englisch mächtig. Das Erstaunliche an Erekat ist die Dauer seiner Karriere, obwohl er immer wieder zwischen die Fronten geriet.

Unermüdlich, geduldig, ausdauernd

Schon bei der Madrider Konferenz 1991 – der ersten direkten Begegnung von Israeli und Palästinensern – war er stellvertretender Leiter seiner Delegation. Unermüdlich, ausdauernd, geduldig, nicht radikal, so tritt er seither auf. Er weiss seine Worte gut zu setzen.

Auch gegen innen verstand er sich unentbehrlich zu machen – als Einziger über eine solch lange Zeit. Er wurde aktiv unter PLO-Chef Yassir Arafat und dessen diktatorischem und korruptem System und blieb eine führende Kraft auch nach dessen Tod 2004. Erekat war loyal, wenn auch nicht unkritisch. Als einer der ganz wenigen in der Palästinenserführung gilt er nicht als korrupt und hat die Korruption der anderen offen angeprangert, was ihm auch innerhalb der Fatah Feinde schuf. Und doch war man auf sein Verhandlungsgeschick auch in den eigenen Reihen immer wieder angewiesen.

Niemals aufgegeben

Mehrfach schmiss Erekat, von Israel wie der eigenen Führung entnervt, den Bettel hin. Aber nie für lange. Mitzuerleben, dass sich über all die Jahre voller Rückschläge nichts zum Besseren gewendet hat und mittlerweile eine halbe Million Israeli in der Westbank leben, bedingt eiserne Nerven.

Geboren wurde Erekat 1955 in Jericho in eine angesehene Familie. In Jericho lebt er bis heute. Zum Studium der Politologie ging er nach Amerika und schloss in England ab. 1979 kehrte Erekat zurück und wurde Fatah-Aktivist. Er lehrte zunächst an der Uni von Nablus und wurde auch Redaktor der führenden palästinensischen Zeitung «al-Quds». In den 1980er-Jahren begann seine politische Laufbahn, auch wenn sie nicht so geradlinig verlief. Früh, und als ihm das noch heftigste Kritik eintrug, engagierte er sich für einen Kontakt mit der israelischen Seite. Seine Studenten schimpften ihn Verräter, und Israel nahm ihn vorübergehend fest, weil er «Zwist unter Israeli» säte.

Für ein säkulares Palästina

Zusammen mit der Friedensaktivistin Hanan Ashrawi und mit Sari Nusseibeh, heute Präsident der Ostjerusalemer Uni al-Quds, wurde Erekat einer der führenden jungen Intellektuellen in der palästinensischen Gesellschaft. 1986 nahmen ihn die Israeli ein weiteres Mal fest, weil er die Zweistaatenlösung propagierte, was in Israel als gefährlicher Extremismus galt. Bald machte Erekat sich auch die 1987 gegründete Hamas zum Feind, die dritte Kraft in der Region. Denn er tritt strikt für ein säkulares Palästina ein. Nach der Madrider Konferenz, der 1993/95 die beiden Abkommen von Oslo folgten, blieb Erekat im Verhandlungsteam, trat zurück und kam wieder. 1994 wurde er auch Minister der Palästinenserregierung, und 1996 wurde er ins Parlament gewählt. Er handelte das Hebron-Abkommen 1997 und das Wye-Abkommen 1998 mit aus (wo er Netanyahu kennen und einschätzen lernte) und war auch in Camp David 2000 dabei, als der israelische Premier Ehud Barak und Yassir Arafat unter Vermittlung von Präsident Bill Clinton verhandelten und scheiterten.

Zwischen den Fronten

Einen kleinen Karriereknick gab es 2003, als Mahmoud Abbas von Arafat zum Premierminister ernannt wurde und Erekat zwischen die Fronten geriet. Doch er war rasch wieder mit dabei. Der nächste grössere Auftritt – am Ende ebenso folgenlos wie alle vorherigen – kam bei der Konferenz von Annapolis 2007, dem letzten Versuch von Präsident Bush, etwas zu bewegen. Bis heute kämpft Erekat eisern für eine Zweistaatenlösung, in der Meinung, es könne nur «zwei Sieger oder zwei Verlierer» geben. Und gewinnen gehe nur über die Idee von Frieden und Verhandlungen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2010, 15:53 Uhr

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