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Ausland

Das Steuern von Drohnen ist alles andere als ein Kinderspiel

Von Ignaz Staub. Aktualisiert am 24.06.2009

Drohnen sind die jüngste Waffe im Arsenal der USA beim Kampf gegen Taliban und al-Qaida. Doch die Fluggeräte haben unerwünschte Nebenwirkungen.

Das unwahrscheinlichste Opfer amerikanischer Drohnenangriffe in Nordwestpakistan ist laut «New York Times» der Nahrungsmittelgigant Unilever. Seit nämlich Amerikas unbemannte Luftvehikel (UAV) ihre Raketen auf mutmassliche Taliban-Führer abzufeuern begonnen haben, ist in gewissen Gegenden Pakistans der Verkauf von Teebeuteln der Marke Lipton zurückgegangen, und Lipton gehört Uni-lever. Anscheinend gibt es unter den Einheimischen nicht wenige, die wähnen, der US-Geheimdienst CIA benutze die Teebeutel als Navigationshilfen für jene Raketen, welche die Drohnen aus relativ grosser Höhe abschiessen.

Und noch etwas irritiert die Paschtunen, auf deren Hilfe die USA beim Kampf gegen die Taliban in Pakistan angewiesen sind. Zwar treffen die Drohnen der CIA, die von pakistanischem Territorium aufsteigen sollen, meist die anvisierten Ziele. Mitunter aber richten sie sogenannte Nebenschäden an, das heisst: Sie töten unbeteiligte Zivilisten. Das wiederum zwingt die Einheimischen, gemäss Stammesbräuchen den Tod ihrer Angehörigen zu rächen.

Eine Form der Rache ist die, sich den Taliban anzuschliessen und deren Reihen zu verstärken – das Gegenteil dessen, was die USA mit ihren Angriffen bezwecken. CIA-Veteranen vergleichen dieses Phänomen mit den «gezielten Tötungen» von Hamas-Führern durch Israel im Gazastreifen. Auch dort erzielen solche Attacken selten die erwünschte Wirkung – ganz abgesehen davon, wie legitim sie sind.

Eine feige Waffe

Kommt dazu der Faktor Feigheit. In seinem Buch über die Zunahme ferngesteuerter Kriegsführung zitiert P. W. Singer von der US-Denkfabrik Brookings Institution Muslime, die sagen, der Einsatz von Drohnen durch das Pentagon und die CIA sei ein Indiz dafür, dass die USA es nicht wagten, das Leben ihrer Soldaten aufs Spiel zu setzen. Das aber, meint Singer, wäre ein wichtiges Signal in Afghanistan und in Pakistan, wo sich die Amerikaner bemühen, die Einheimischen in den Kampf gegen den Terror einzubinden. Im Fall der Paschtunen aber könne das nur über den Beweis persönlicher Tapferkeit seitens der Alliierten gelingen.

Die Drohnenattacke am Dienstag in Südwaziristan war der 23. Angriff, den die CIA dieses Jahr über pakistanischem Territorium geflogen hat. Insgesamt ist es in Pakistan in den vergangenen Monaten zu mehr als drei Dutzend Raketenangriffen auf Führer der Taliban und der al-Qaida gekommen. Zum Vergleich: 2007 und 2008 haben US-Drohnen bei 10'949 Einsätzen über Afghanistan und dem Irak insgesamt 244 Raketen abgefeuert. Heute fliegen Predator und Reaper, die Piloten der US-Luftwaffe von Basen im Südwesten Amerikas fernsteuern, täglich 34 Überwachungsmissionen über beiden Ländern. 2006 waren es erst 12 Einsätze gewesen.

Je mehr Missionen es gibt, desto weniger Drohnen gehen offenbar verloren. Der US Air Force zufolge sind bisher 70 der je rund fünf Millionen Dollar teuren Fluggeräte abgestürzt: wegen Materialversagen, Pilotenfehlern oder schlechten Wetters. Vier Drohnen wurden abgeschossen, über Bosnien, Kosovo und dem Irak.

Eine junge Waffe

Anders als in Israel, dessen Armee schon in den früher 80er-Jahren Drohnen einzusetzen begann, hat es in den USA relativ lange gedauert, bis sich das konservative Militär dazu durchringen konnte, UAV loszuschicken. Noch 1997 zum Beispiel wehrten sich Air-Force-Kommandanten gegen den Einsatz von Drohnen über dem Gefechtsfeld. Erst die Erfahrungen mit unbemannten Fluggeräten im Krieg im Irak führten ab 2003 zu einem Umdenken. «Heute können die Generäle nicht genug UAV kriegen», sagt John Warner, der frühere Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im US-Senat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.06.2009, 23:00 Uhr

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