Blutige Attentate setzen Iraks Regierung unter Druck

Von Tomas Avenarius. Aktualisiert am 09.12.2009 1 Kommentar

Im Frühling wählen die Iraker ein neues Parlament. Premierminister Maliki galt bislang als Garant für Recht und Ordnung. Doch jetzt gefährden dieTerrorangriffe den angestrebten Wahlsieg.

Nach der Bombenattacke: Feuerwehr- und Rettungsmänner suchen in der Nähe des neuen Finanzzentrums in Bagdad nach Überlebenden.

Nach der Bombenattacke: Feuerwehr- und Rettungsmänner suchen in der Nähe des neuen Finanzzentrums in Bagdad nach Überlebenden.
Bild: Keystone

Die blutigste Anschlagsserie seit mehr als einem Monat hat am Dienstag in Bagdad über 120 Menschen das Leben gekostet. Hunderte Menschen wurden zudem verletzt, als sich im Minutenabstand fünf Angriffe mit Autobomben und Selbstmordattentätern in der irakischen Hauptstadt ereigneten. Ziele waren nach Regierungsangaben das Arbeitsministerium, eine Aussenstelle des Innenministeriums, eine Universität, ein Justizgebäude sowie ein Geschäftsbezirk.

Die Angaben arabischer Medien über die Opfer schwankten stark: Zwischen 118 und 127 Toten sowie zwischen 200 und 450 Verletzten. Die Anschlagsserie ereignete sich kurz vor einer internationalen Öl-Auktion in Bagdad und nach der Verabschiedung des Wahlgesetzes durch das Parlament. Sie beschädigen so das Ansehen des prowestlichen Regierungschefs Nouri al-Maliki: Der präsentiert sich vor der Parlamentswahl als Politiker, der Sicherheit garantieren kann.

Zweite freie Parlamentswahl im Irak

Die Bombenattacken trafen das Land vor einer wichtigen Öl-Konferenz: Führende Vertreter internationaler Ölkonzerne werden am Wochenende in Bagdad an einer Versteigerung für Förderlizenzen teilnehmen. Auch politisch setzen die Anschläge ein Signal. Erst vor zwei Tagen hatte das Parlament ein neues Wahlgesetz verabschiedet. Der landesweite Urnengang soll nun am 6. März stattfinden; es wäre die zweite freie Parlamentswahl im Irak. Die Wahl war eigentlich für Mitte Januar angesetzt. Sie musste aber wegen heftigen politischen Streite zwischen den Volksgruppen verschoben werden: Der sunnitische Vize-Präsident Tariq al-Hashemi hatte sein Veto gegen den ursprünglichen Gesetzentwurf eingelegt und den Januar-Wahltermin so unmöglich gemacht.

Die jüngste Gewaltwelle stellt Ministerpräsident Maliki bloss: Er strebt im März seine Wiederwahl an und empfiehlt sich als der Mann, der den Irakern nach sechs Kriegsjahren Sicherheit, Recht und Ordnung garantieren kann.

Irakischer Ableger von al-Qaida verdächtigt

Schon am Montag waren acht Menschen gestorben, als eine Bombe vor einer Schule in einem schiitischen Stadtteil Bagdads detonierte. Am selben Tag wurde nördlich der Hauptstadt ein Posten einer regierungstreuen sunnitischen Dorfmiliz überfallen. Unbekannte erschossen fünf Mitglieder der Anti-Qaida-Kämpfer.

Die neue Anschlagswelle begann im Spätsommer. Im August waren mehr als 100 Menschen bei Angriffen auf Regierungsgebäude in Bagdad gestorben. Bei ähnlichen Anschlägen im Oktober kamen 155 Menschen um. In beiden Fällen werden als Urheber der irakische Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida oder Anhänger des von der US-Armee gestürzten Diktators Saddam Hussein vermutet.

Neue Taktik der Terroristen

Über einen längeren Zeitraum betrachtet, ist die landesweite Gewalt im Irak zwar zurückgegangen: Statistisch zeigt der November die bisher geringste Zahl an zivilen Todesopfern seit sechseinhalb Jahren. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die Attacken sich nun auf die Hauptstadt konzentrieren, während es in den anderen Landesteilen relativ ruhig ist. Zudem zeigt sich ein neues Schema der Militanten: Statt vieler kleinerer Anschläge in Wohngebieten legen sie das Gewicht auf einzelne grosse und spektakuläre Attacken gegen Regierungseinrichtungen.

Die amerikanische Armee, die früher für Sicherheit im Regierungsbezirk gesorgt hatte, hält sich seit dem Truppenabzugs-Abkommen zwischen Bagdad und Washington im Hintergrund. Sie greift nur noch auf Anfrage der irakischen Sicherheitskräfte ein. Das geschieht immer seltener. Zugleich mehren sich die Zweifel an der irakischen Armee und Polizei. Der TV-Sender al-Jazeera zitierte nach den jüngsten Anschlägen einen hochrangigen Polizeioffizier. Dieser sagte, die Sicherheitskräfte seien von Militanten infiltriert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.12.2009, 04:00 Uhr

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1 Kommentar

Charles Dupond

09.12.2009, 07:25 Uhr
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Die amerikanischen Besatzer vernachlaessigen sowohl in Afganistan als auch im Irak voelkerrechtswidrig die Grundversorgung der Bevoelkerung. Wie in den USA selber lassen sich die Quislingssoeldner nur noch anwerben, um ihre Familien (zwar mickrig, aber besser als gar nicht) vor dem Verhungern retten zu koennen. Bei so motivierten "Freunden" brauchen die geknechteten Voelker keine Feinde mehr.... Antworten



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