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Befreiungsaktion in Somalia gescheitert – Geisel «ohne Zweifel» tot

Aktualisiert am 12.01.2013

Seit über drei Jahren befand sich ein französischer Agent in den Händen einer radikalislamischen Gruppierung. Die gestrige Befreiungsversuch französischer Spezialeinheiten geriet zum Debakel.

">Den französischen Präsidenten um Hilfe gebeten: Geheimagent Denis Allex mit seiner Botschaft an François Hollande. (Quelle: Youtube.com)

Den französischen Präsidenten um Hilfe gebeten: Geheimagent Denis Allex mit seiner Botschaft an François Hollande. (Quelle: Youtube.com)

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In Somalia ist die gewaltsame Befreiung einer französischen Geisel gescheitert und in einem Blutbad geendet. Bei einem nächtlichen Einsatz der französischen Armee im Süden des Landes seien 17 Islamisten und zwei französische Soldaten getötet worden, sagte Staatschef François Hollande am Samstagabend in Paris.

Auch die Geisel, ein französischer Geheimdienstagent, sei «ohne Zweifel» tot. Der Einsatz in Somalia zeige, dass sich Frankreich «nicht der Erpressung durch Terroristen» beuge, sagte Hollande in einer Fernsehansprache, in der es auch um das französische Eingreifen in Mali ging.

Weniger Widerstand erwartet

Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte am Abend im französischen Fernsehen, die Eliteeinheit DGSE sei bei ihrem Einsatz in der Ortschaft Bulomarer auf einen stärker als erwarteten Widerstand der Islamisten gestossen. Alles deute darauf hin, dass die Kidnapper ihre Geisel getötet hätten. Zu der gescheiterten Aktion sagte Le Drian, man habe ein Risiko eingehen müssen, weil Denis Allex dreieinhalb Jahre «unter unmenschlichen Bedingungen» festgehalten worden sei.

Denis Allex, womöglich ein Deckname, war am 14. Juli 2009 gemeinsam mit einem Kollegen entführt worden. Dem Kollegen gelang später die Flucht. Offiziellen Angaben zufolge waren die beiden Männer an der Ausbildung der somalischen Polizei und der Präsidentengarde beteiligt.

Miliz bestreitet Tod der Geisel

Die Al-Shabab-Miliz wies die Angaben zum Tod der Geisel zurück. Allex sei am Leben, über sein Schicksal solle nun «binnen zwei Tagen» entschieden werden, hiess es in einer Mitteilung. Die französischen Bürger würden nun die «bitteren Konsequenzen» des Handelns der Regierung zu spüren bekommen, drohten die Islamisten.

«Wir wissen nicht genau, was geschehen ist, weil der Angriff in der Nacht erfolgte», sagte ein Einwohner Bulomarers der Nachrichtenagentur AFP. «Aber heute Morgen haben wir mehrere Leichen, darunter auch einen Weissen gesehen», fügte der Mann hinzu. Nach seinen Angaben wurden bei dem Einsatz auch drei Zivilisten getötet. Laut mehreren weiteren Zeugen waren an dem Angriff etwa 110 Kilometer südlich der somalischen Hauptstadt Mogadiscio vier Hubschrauber beteiligt.

In Afrika befinden sich derzeit neun Franzosen in den Händen islamistischer Entführer. Die Al-Shabab-Miliz verlor in Somalia in den vergangenen Monaten stark an Einfluss, kontrolliert aber noch immer Teile des Südens und des Zentrums des ostafrikanischen Landes.

Unter anderem wegen der gescheiterten Befreiungsaktion kündigte Hollande am Samstag die Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen in Frankreich an. So sollten öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel stärker bewacht werden. (mrs/mw/AFP)

Erstellt: 12.01.2013, 11:28 Uhr

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