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«Angriffe in Pakistan oder Indonesien sind denkbar»
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«Eine Provokation, wie sie im Westen immer wieder vorkommt»: Nahost-Experte Arnold Hottinger
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In Benghazi haben Islamisten den US-Botschafter J. Christopher Stevens und drei Botschaftsangehörige getötet. Welche Auswirkungen wird dies auf die US-Politik im Mittleren Osten haben?
Im US-Wahlkampf wird das Lager von Mitt Romney es natürlich gegen Barack Obama verwenden und sagen, er ginge nicht energisch genug gegen Terroristen vor. Die US-Beziehungen zu Libyen werden sich aber kaum ändern. Es waren ja unkontrollierte bewaffnete Truppen, die den Angriff ausgeführt haben. Die Beziehungen zu Libyen abzubrechen, würde keinen Sinn machen.
Das libysche Parlament hat den Angriff auf die US-Botschaft verurteilt. Dennoch, ist es nicht problematisch, wenn ein Staat nicht in der Lage ist, Botschafter zu schützen?
Natürlich ist das problematisch, aber in einem Staat wie Libyen kann ein solcher Angriff passieren. In Libyen ist eine der Hauptschwierigkeiten der neuen Regierung nach dem Sturz Ghadhafis, die Waffen wieder einzusammeln und der Situation Herr zu werden. Es gibt an die zwanzig Gruppen, darunter auch Islamisten, die nicht bereit sind, ihre Waffen abzugeben, bis sie nicht ihre Interessen im neuen Libyen durchgesetzt haben. Das wissen auch die Amerikaner seit langem.
Mit J. Christopher Stevens wurde ein Karrierediplomat getötet, der seit über 20 Jahren im Nahen und Mittleren Osten tätig war. In den USA dürfte der Druck auf Obama steigen, darauf zu reagieren. Was hat er für Möglichkeiten?
Er kann sagen, dass Libyen keine amerikanische Angelegenheit war, sondern eine paneuropäische und eine der Nato. Im Grossen und Ganzen lief die Operation ja gut. So bedauerlich die jüngste Entwicklung ist, im Krieg muss man Opfer in Kauf nehmen.
Auslöser der Unruhen ist ein islamfeindlicher Film, in dem unter anderem der Prophet Mohammed beim Sex und beim Alkoholtrinken gezeigt wird.
Ein Billigfilm, der von Islam-Gegnern in den USA produziert wurde, wobei auch ein ägyptischer Kopte den Film mitfinanziert haben soll.
Morris Sadek stellte einen Filmausschnitt auf Youtube und sorgte so für die Verbreitung. Werbung für ihn macht zudem Terry Jones, der US-Pastor, der den Koran verbrennen wollte.
Es gibt Leute, die solche Dinge gezielt ins Internet stellen und verbreiten, um solche Vorfälle zu provozieren. Eine Provokation, wie sie im Westen immer wieder vorkommt. Es gibt immer wieder Leute, die sagen, der Islam sei des Teufels. Wenn es dann gelingt, solche Aussagen auszuschmücken und im Internet zu verbreiten, kann man eine Welle auslösen, wie es mit den Mohammed-Karikaturen geschehen ist.
Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Proteste auf andere islamische Länder überschwappen?
In jedem islamischen Land gilt jetzt sicher für US-Botschaften erhöhte Alarmbereitschaft. In Pakistan kann ein solcher Angriff ohne weiteres passieren, in Indonesien ebenfalls.
Und in Ägypten, wo Tausende vor der US-Botschaft protestierten?
In Ägypten ist die Sicherheitslage eine andere. Dort sind nicht die Waffen des Staates, also die schweren Waffen, in die Hände von Gruppierungen gelangt.
Die neue islamistische Regierung dürfte aber Sympathien für die Demonstranten haben.
Es ist keine islamistische Regierung.
Aber Präsident Mohammed Mursi ist ein Islamist.
Der Präsident ist ein gemässigter Islamist, der versucht, sich in einen Demokraten zu verwandeln. Er wird den Zorn der Demonstranten dämpfen. Die Proteste gehen gegen seine Politik und seine Bestrebungen. Die Polizei hat die Lage bisher im Griff. In Ägypten ist bisher auch nicht viel passiert, es wurden lediglich ein paar Flaggen verbrannt. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.09.2012, 15:41 Uhr
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