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Ägyptische Armee führte Jungfräulichkeits-Tests durch

Aktualisiert am 01.06.2011 43 Kommentare

Demonstrantinnen mussten der ägyptischen Armee – einen Monat nach Mubaraks Sturz – ihre Unbeflecktheit beweisen. Die Begründung der Offiziere ist irritierend. Die Wut auf das Militär steigt.

1/10 Immer wieder werden Vorwürfe der Misshandlung und sexuellen Belästigung an die Armee laut: Junge Ägypterinnen auf dem Tahrirplatz, hier in einer Archivaufnahme. (12. Februar 2011)
Bild: AFP

   

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Aktivisten der ägyptischen Demokratiebewegung wollen heute einen Online-Protest abhalten, wie die britische Tageszeitung «The Guardian» berichtet. Die Aktion soll Druck auf den regierenden Militärrat aufbauen. Die Armee soll eine Untersuchung gegen Soldaten einleiten, denen die Misshandlung von Demonstranten vorgeworfen wird.

Besondere Aufmerksamkeit hat in der Demokratiebewegung die Geschichte von 18 Frauen erregt. Sie sind laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Militärgewahrsam unter anderem mit Elektroschocks misshandelt und zu einem Jungfräulichkeits-Test gezwungen worden.

Der Mann im weissen Kittel

Eines der Opfer, eine 20-jährige Frau, berichtete, sie sei nach ihrer Verhaftung in ein Militärgefängnis gebracht worden. Dort habe sie sich ausziehen müssen und sei – in einem Raum mit offenen Türen und Fenstern – von einer weiblichen Wächterin durchsucht worden. Immer wieder seien männliche Soldaten vorbeigekommen, hätten zugeschaut und Fotos gemacht. Dann hätten sie und ihre Mitgefangenen sich dem Jungfräulichkeits-Test unterziehen müssen, der von «einem Mann in weissem Kittel» durchgeführt worden sei. Man habe ihnen gedroht, wer nicht mehr Jungfrau sei, müsse mit einer Anzeige wegen Prostitution rechnen.

Der Vorfall soll sich am 9. März, rund einen Monat nach Mubaraks Rücktritt abgespielt haben. An dem Tag hatten sich wiederum Tausende auf dem Tahrirplatz versammelt. Doch zum ersten Mal ging die Armee gewaltsam gegen die Demonstranten vor.

«Nicht wie Ihre oder meine Tochter»

Nachdem die Armee die Anschuldigungen anfänglich zurückwies, hat ein hochrangiger Offizier gestern gegenüber dem US-Sender CNN die Durchführung der Jungfrauen-Tests bestätigt und verteidigt: «Die verhafteten Mädchen waren nicht wie Ihre Tochter oder meine», sagte der General. «Das waren Mädchen, die auf dem Tahrirplatz mit Männern campierten, und wir fanden in den Zelten Molotow-Cocktails und Drogen.» Das Militär habe die Jungfräulichkeit zu seinem eigenen Schutz überprüft: «Wir wollten nicht, dass sie sagen, wir hätten sie sexuell belästigt oder vergewaltigt. Deshalb wollten wir beweisen, dass sie keine Jungfrauen mehr waren. Keine von ihnen war Jungfrau.»

Menschenrechtsorganisationen und ägyptische Aktivisten empören sich. Die Behauptung, nur Jungfrauen könnten Opfer von Vergewaltigungen werden, sei sexistisch und vom rechtlichen Standpunkt aus absurd.

In den religiös geprägten arabischen Gesellschaften ist die Unbeflecktheit unverheirateter Frauen ein grosses Thema. Operative Eingriffe zur Rekonstruktion des Jungfernhäutchens nehmen zu, wie eine vom Schweizer Fernsehen ausgestrahlte Reportage am Beispiel des vergleichsweise fortschrittlichen Tunesien zeigte.

Die Armee, das grosse Tabu

Das Ansehen der Armee, die traditionell starken Rückhalt in der ägyptischen Bevölkerung geniesst, hat seit der Machtübernahme im Februar stark gelitten. Dies, obwohl sich die Führung zur baldigen Durchführung von Wahlen und zur Übergabe der Macht an eine zivile Regierung verpflichtet hat. Vergangene Woche versammelten sich erneut Zehntausende auf dem Tahrirplatz und forderten eine rascher Umsetzung von Reformen. Immer wieder werden Vorwürfe der Folter und der Willkür gegen das Militär laut.

Besondere Bedeutung kommt bei der Kritik an der Armee dem Internet zu. Die traditionellen ägyptischen Medien haben zwar seit dem Sturz Mubaraks eine Öffnung erfahren. Die Armee zu kritisieren, gilt jedoch noch immer als Tabu – und dies nicht ohne Grund. Vor kurzem waren ein Blogger und ein TV-Moderator vor Gericht vorgeladen worden, weil sie in einer Talkshow die Armee kritisierten. (ami)

Erstellt: 01.06.2011, 12:00 Uhr

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43 Kommentare

Patrick Leu

01.06.2011, 12:58 Uhr
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Dies ist kein Problem des Militärs, sondern einmal mehr eine religiös motivierte Schandtat. Solange wir Religion dulden, werden wir solche primitiven Rituale haben. Es ist an der Zeit endlich ein weltweites Verbot von Religionen zu erlassen. Die Schweiz könnte als Vorreiteren von der Religionsfreiheit zu einer religionsfreien Zone wechseln. Antworten


Sylvia Keller

01.06.2011, 12:20 Uhr
Melden 52 Empfehlung

Welche Verbesserungen dieser arabische Frühling für das ägyptische Volk wirklich bringen wird, steht nach wie vor in den Sternen. Auch für den Westen wird es keine besseren oder positiven Auswirkungen haben. Die Muslimbrüder werden an die Macht kommen. Jahrzehnte wird uns ein ungutes Gefühl täglicher Begleiter sein. Antworten



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