Ausland
Ägyptens neuer Präsident: Amr Moussa hat beste Chancen
Aktualisiert am 13.04.2012 13 Kommentare
Hick-Hack um angebliche US-Staatsbürgerschaft
Der salafistische Prediger Hazem Salah Abu Ismail darf bei den Präsidentschaftswahlen in Ägypten antreten. Das Verwaltungsgericht in Kairo räumte am Donnerstag Zweifel an der Staatsbürgerschaft von Ismails Mutter aus.
Das Gericht habe festgestellt, dass Ismails mittlerweile verstorbene Mutter keine US-Bürgerin war, meldete die ägyptische Nachrichtenagentur Mena am späten Mittwochabend. Laut Gesetz dürfen Kandidaten und ihre Ehepartner nur die ägyptische Staatsbürgerschaft besitzen und müssen zudem von ägyptischen Eltern abstammen.
Die Wahlkommission hatte vergangene Woche erklärt, vom Aussenministerium darüber informiert worden zu sein, dass Ismails Mutter 2006 die US-Staatsbürgerschaft erhalten habe. Der salafistische Kandidat hatte dies stets bestritten.
Das Innenministerium sei nun von dem Kairoer Gericht angewiesen worden, zu beglaubigen, dass Ismails Mutter «niemals eine andere Nationalität als die ägyptische besessen hat», meldete Mena. Auch das Staatsfernsehen berichtete, Ismail sei nun «wieder Kandidat». (sda)
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Am 23. und 24. Mai beginnt die erste Runde der Präsidentschaftswahl im bevölkerungsreichsten Land in der arabischen Welt. Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage des al-Ahram Center for Political and Strategic Studies liegt Amr Moussa mit 30,7 Prozent der Stimmen vorne. Dicht gefolgt vom salafistischen Prediger Hazem Salah Abu Ismail mit 28,8 Prozent. Dritter ist mit 8,5 Prozent der Stimmen Aboul Fotouh, ehemaliges Mitglied der Muslimbrüder. An vierter Stelle rangiert der ehemalige Geheimdienstchef Omar Suleiman mit 8,2 Prozent.
Angesichts der guten Ergebnisse der Muslimbrüder bei den Parlamentswahlen überrascht, dass ihr Kandidat Khairat al-Shater knapp auf 1,7 Prozent der Stimmen kommt. Die Umfrage wurde allerdings geführt, bevor al-Shater und Suleiman ihre offizielle Kandidatur ankündigten. Nun, da diese Kandidaten ebenfalls feststehen, halten es Kommentatoren in Ägypten für wahrscheinlich, dass Amr Moussa sogar noch an Popularität zulegen könnte, obwohl er unter dem ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak Aussenminister war und somit für manche noch zum alten System gehört.
Lieber Moussa als den «Folter-Minister»
Im Vergleich zu Islamisten oder Kandidaten wie dem ehemaligen Geheimdienstmann Suleiman, der den wenig schmeichelhaften Spitznamen «Folter-Minister» trägt, erscheint Moussa nun jedoch auch den jungen Wählern, welche die Revolution anführten und Moussas Kandidatur erst ablehnten, als valabler Kandidat. Der 75-Jährige hat den Vorteil, dass er über langjährige Erfahrung auf dem politischen Parkett verfügt, sowohl im Inland wie im Ausland. Ihm wird zugetraut, Ägypten die Stabilität zu bringen, nach der das Land dürstet.
Die ägyptische Egytindependent.com zitiert den Politikwissenschaftler Samer Soliman, der die Wähler Moussas in drei Gruppen aufteilt: Diejenigen, welche Islamisten vermeiden möchten, diejenigen, die verhindern möchten, dass das Militär an der Macht bleibt, und diejenigen, welche einen erfahrenen politischen Anführer wollen. Der ehemalige Aussenminister und Generalsekretär der Arabischen Liga schart Wähler aus allen Schichten um sich. So wollen ihm etwa 78 Prozent der ägyptischen Kopten ihre Stimme geben.
Für einen kurzen Augenblick sah es diese Woche so aus, als würde Moussas schärfster Widersacher, der Salafist Hazem Salah Abu Ismail, aus dem Rennen fallen. Es hiess, seine Mutter habe die US-Staatsbürgerschaft, was ihn unwählbar gemacht hätte (siehe Box). Ein Gericht hat nun jedoch Entwarnung gegeben und Ismail hat durch die Kontroverse an Popularität zulegen können.
Gerücht der jüdischen Mutter
Anfang Jahr war es Amr Moussa gewesen, der negativ in die Schlagzeilen geriet. Ihm wurde unterstellt, seine Mutter sei die berühmte ägyptische Schauspielerin Rakia Ibrahim gewesen, deren richtiger Name Rachelle Abraham Levi lautete. Moussa dementierte umgehend, eine jüdische Mutter zu haben, doch auf ägyptischen Internetseiten kursierte gleich das Gerücht, dass besagte Rakia Ibrahim eine Agentin des Mossad gewesen sei und in den 1950er-Jahren geholfen habe, die ägyptische Atomwissenschaftlerin Samira Moussa umzubringen.
«Die Berichte, wonach Amr Moussas Vater und Rakia Ibrahim verheiratet waren, sind eine Lüge», liess Amr Moussa durch seinen Sprecher verbreiten. «Moussas Mutter war Turiya Hussein al-Hermil», sein Vater Mahmoud Moussa, ein ehemaliges Parlamentsmitglied. Moussa gelang es offenbar, das Gerücht zu entkräften, das ihn seine Präsidentschaft hätte kosten können.
Ein Leben als Karrierediplomat
Amr Moussa kam am 3. Oktober 1936 in Kairo zur Welt. Er studierte an der Universität Kairo Rechtswissenschaft und wurde dann Berufs- und Karrierediplomat. Zwischen 1958 und 1972 war er unter anderem ägyptischer Botschafter in der Schweiz, in Indien und bei der UNO. Danach Berater des Präsidenten, unter anderem im Aussenministerium. Von 1991 bis 2001 war er ägyptischer Aussenminister. Danach war er zehn Jahre lang Generalsekretär der Arabischen Liga. Es heisst, er sei von Hosni Mubarak wegbefördert worden, weil seine Popularität zu gross war.
Die Bewunderung des Volkes erhielt Moussa nicht zuletzt wegen seiner Kritik an Israels Politik gegenüber den Palästinensern. Moussa störte auch die «Doppelmoral», mit der die USA Israels Atomwaffen verteidigte, es dem Iran aber untersagte, nukleare Energie zu produzieren. Amr Moussa hatte 2011 den Posten des Generalsekretärs der Arabischen Liga aufgegeben, um ins Rennen um die ägyptische Präsidentschaft zu steigen. Moussa ist seit seiner Studienzeit mit Maryam Moussa verheiratet und Vater dreier Kinder. Trotz seiner kritischen Haltung gegenüber der Politik Israels und der USA gilt Moussa als einer der Favoriten des Westens. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.04.2012, 13:41 Uhr
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13 Kommentare
Unerwähnt bleibt Amr Moussas weiterer Vorteil, den sicher etliche Aegypter goutieren: Er ist 75 und somit dürfte er sich kaum in die Reihe jener einreihen die sich über Jahrzehnte mit welchen Mitteln auch immer an der Macht halten können. Antworten
Solange es ein wesentliches negatives Kriterium ist in Ägypten, ob die Mutter von Moussa jüdisch ist oder nicht, wird diese Gesellschaft keine Fortschritte machen. Freiheit, Demokratie und Toleranz sind dort Fremdwörter, auch die Kopten können davon erzählen. Antworten
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