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Ägyptens Hooligans plädieren auf nicht schuldig
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Zum Prozessauftakt um die schweren Ausschreitungen in einem ägyptischen Fussballstadion mit mehr als 70 Toten haben sich die angeklagten Fans für nicht schuldig erklärt und mehr oder weniger direkt die Polizei als Drahtzieher der Ereignisse gebrandmarkt. So sind unter den 73 Angeklagten auch neun ranghohe Offiziere, darunter sechs Polizeigeneräle sowie ein Oberst.
Der Prozessbeginn gestaltete sich äusserst chaotisch. Die Angehörigen der Opfer und die 73 Angeklagten, die in einer Art Käfig sassen, schrien einander an. Im Gerichtssaal habe am Dienstag blankes Chaos geherrscht, berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa.
Mit Brechstangen und Schusswaffen
Am 1. Februar waren im Fussballstadion von Port Said kurz nach Abpfiff eines Spiels Fans der Heimmannschaft Al-Masri auf Anhänger des Kairoer Klubs Al-Ahly losgestürmt. Bei der Mehrzahl der Toten handelte es sich um Ultras von Al-Ahly, die eine besondere Rolle beim Aufstand gegen den später gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak gespielt haben sollen. Einige Ägypter glauben, dass die Sicherheitskräfte die Ultras dafür haben bestrafen wollen, als sie bei den Krawallen offenbar nicht eingriffen.
Andere führten die Gewalt in Port Said eher auf Nachlässigkeit zurück. Nicht nur, dass die Sicherheitskräfte im Stadion kaum gegen die Angriffe einschritten. Bereits zuvor waren sie bei Routinemassnahmen wie der Durchsuchung von Fans nach Waffen erfolglos, obwohl es zuvor Hinweise auf Probleme gab, nachdem beide Seiten sich gegenseitig bedroht hatten.
Einige der Angeklagten werden des Mordes beschuldigt. Den Offizieren wird die Unterstützung der Angreifer zur Last gelegt, ihnen drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Die Polizei ist aufgrund ihrer Rolle bei den Protesten gegen Mubarak bei zahlreichen Ägyptern verhasst.
Die Fans von Al-Ahly
Mit Gesängen versuchten die angeklagten Fans am Dienstag im Kairoer Gerichtssaal sich selbst als Opfer der Polizisten darzustellen, die demnach die eigentlichen Drahtzieher des Verbrechens sein sollen. Einige trauernde Mütter von Opfern nickten zustimmend. Vor dem Gericht, in dem auch das Verfahren gegen den früheren Präsidenten Hosni Mubarak läuft, hielten Demonstranten Fotos der Getöteten hoch, sowie Transparente mit der Aufschrift: «Wir wurden in Port Said getötet.» (jak/dapd)
Erstellt: 17.04.2012, 17:42 Uhr
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