Wie die Briten Ghadhafis Sohn hofierten
Von Peter Nonnenmacher. Aktualisiert am 02.12.2011 10 Kommentare
Mit offenen Armen empfangen: Der damalige Premier Tony Blair setzte sich für die Aufnahme des Diktatorensohns an der Elite-Universität Oxford ein. (Bild: Keystone )
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Die London School of Economics (LSE) öffnete ihm alle Türen. Der Rektor der LSE nahm ihm, zuvorkommend, die schwere Geldtasche ab. Einer der Professoren der Hochschule machte sich zu seinem persönlichen Berater. Und die libysche Botschaft bot an, seine Magisterarbeit – und was sonst so verlangt wurde – für ihn zu schreiben. Saif al-Islam, der jüngst gefangen genommene Diktatorensohn, konnte sich über Mangel an Beistand beim Verfolgen einer glanzvollen akademischen Karriere in Grossbritannien nicht beklagen. Den Antrag auf Aufnahme in die LSE 2002 hatte ihm ein Marketingexperte des britischen Rüstungskonzerns BAE ausgefüllt.
Dies hat der frühere Top-Richter Lord Woolf in seinem Untersuchungsbericht enthüllt, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Mit dem Bericht war Lord Woolf beauftragt worden, als LSE-Direktor Sir Howard Davies im März zurücktreten musste, weil herausgekommen war, dass die LSE für diverse Gegenleistungen ein «Geschenk» der Ghadhafi-Familie in Höhe von 1,5 Millionen Pfund angenommen hatte. Seit jener Enthüllung hatten Spötter die LSE in «Libyan School of Economics» umbenannt. Dank Woolfs Bericht haben die Briten aber nun etwas mehr Einblick in die Deals zwischen Libyen und dem Institut, an dem Ghadhafi junior von 2002 bis 2008 eingeschrieben war.
Premier Blair wollte Kontakte
So waren die 1,5 Millionen Pfund (von denen die LSE nur 300'000 Pfund zu sehen bekam) der Hochschule nicht angeboten, sondern von dieser erbettelt worden. Professor David Held, der das Geld für ein eigenes Forschungsprogramm benötigte, hatte sechs Wochen nach der Verleihung eines LSE-Doktor-titels an Ghadhafi auf ein solches Präsent gedrängt. Weder Held noch LSE-Chef Davies, dem eine Beraterrolle bei der staatseigenen libyschen Investment-behörde angetragen wurde, informierten den Aufsichtsrat der Schule.
Laut Woolf wurde das Geld, das durch eine von Saif geleitete Stiftung floss, von je einer türkischen, einer italienischen und einer schottischen Baufirma bereitgestellt. Alle drei Firmen sollen an Aufträgen in Libyen interessiert gewesen sein, eine war zuvor der Korruption überführt worden. Davon erfuhr die LSE nichts. Auch war ihr unbekannt, dass in der Ghadhafi-Stiftung mehrere Jahre lang der Rüstungsriese BAE mit einem Repräsentanten vertreten war. Diskret behandelt wurde auch die Tatsache, dass LSE-Direktor Davies spezielle Kurse für libysche Akademiker gab.
Davies war überdies vom damaligen Premier Tony Blair zum Regierungsberater für Wirtschaftsbeziehungen zu Libyen ernannt worden. Die Blair-Regierung war schon früh an einer Verbesserung der Beziehungen zu Muammar al-Ghadhafi interessiert, sodass sie sich 2002 bei der Elite-Universität Oxford für eine Aufnahme dessen Sohns einsetzte. Ein «hoher Staatsbeamter» des Aussenministeriums versicherte dem Leiter der Abteilung für Internationale Entwicklung an der Universität, Professor Valpy FitzGerald, dass die Regierungsspitze «Unterstützung in dieser Frage sehr zu schätzen wüsste». Professor FitzGerald aber liess den Bittsteller abblitzen. Herr Ghadhafi, erklärte er, habe nicht die Qualifikation, um für Oxford infrage zu kommen. So landete Saif stattdessen bei der LSE – mit seinen 1,5 Millionen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.12.2011, 07:43 Uhr
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10 Kommentare
So läuft das bei den Reichen. Alles nur Schein. Alles nur ergaunert - nichts erarbeitet. All die vielen Doktortitel, welche die Kindchen der Reichen haben sind gekauft. Alleine sind sie nämlich zu blöd um sich die Schuhe zu binden. Im Jetset Leben fällt das nicht auf oder wird nicht hinterfragt. Da sind ja alle so.
Das betrifft nicht alle Reichen, aber bestimmt den grösseren Teil von Ihnen
Antworten
@ Viktor. Das sehe ich genau so. Man fragt sich ja immer wieder warum in Politik und Wirtschaft (und immer öfter auch im Juristischen) so viel so dermassen schief läuft. Wenn einem bewusst wird wie viele Leute nur durch Betrug, und Beziehungen diese Jobs erhalten, wird alles klar. Antworten
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