Ausland

Weshalb Sarkozy lieber Aubry als Gegnerin gehabt hätte

Aktualisiert am 17.10.2011 4 Kommentare

Anstelle seiner Wunschgegnerin mit den klar linken Positionen wird Frankreichs Präsident 2012 gegen Francois Hollande antreten. Dessen gemässigte Haltung könnte dem hyperaktiven Sarkozy gefährlich werden.

In der Wählergunst hinter Hollande abgefallen: Nicolas Sarkozy.

In der Wählergunst hinter Hollande abgefallen: Nicolas Sarkozy.
Bild: Keystone

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Frankreich im Wahlfieber

Frankreich im Wahlfieber
François Hollande geht bei der heutigen Stichwahl um die Präsidentschaftskandidatur der Sozialisten als Favorit ins Rennen. Er ist das pure Gegenteil von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.

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Zuhause bei seiner hochschwangeren Frau verbrachte der französische Präsident Nicolas Sarkozy nach Angaben eines Vertrauten den Sonntagabend. Ganz entspannt dürften für den Staatschef die Abendstunden nicht verlaufen sein, denn die Stichwahl der Sozialisten brachte nicht das von ihm ersehnte Ergebnis. Die Oppositionspartei entschied sich in einer Urwahl mit grosser Mehrheit dafür, François Hollande im kommenden Jahr bei der Präsidentschaftswahl gegen Sarkozy antreten zu lassen. Dem Amtsinhaber wäre die unterlegene Martine Aubry mit ihren klar linken Positionen lieber gewesen, heisst es im Elysée.

«Wenn ich Martine als Gegenüber hätte, wäre das gut», zitierte die regierungsnahe Zeitung «Le Figaro» bereits im Sommer den Staatschef. Aubry, die die Rente mit 60 wieder einführen will, vertritt nach Ansicht Sarkozys rückwärtsgewandte Positionen. Hollande mit seiner gemässigten Haltung kann dagegen auch die Wähler der Mitte einfangen; in Umfragen liegt der 57-Jährige seit dem Sommer in der Wählergunst konstant vor dem Amtsinhaber.

Sarkozy setzt auf sein internationale Statur

Nach den Wochen, in denen die Sozialisten mit ihren Vorwahlen im Mittelpunkt des Medieninteresses standen, geht Sarkozy in den nächsten Tagen zum Gegenangriff über: am Freitag hält er eine Rede zur G-20-Präsidentschaft Frankreichs. Und am kommenden Montag äussert sich der 56-Jährige erstmals seit Monaten wieder in einem Fernsehinterview abends zur besten Sendezeit. Der Präsident setzt auf seine internationale Statur, die Hollande als Regionalpolitiker völlig fehlt. Der Sozialist hat auch keine Regierungserfahrung, war er doch nie Minister.

Allerdings konnte Sarkozy, der seine Kandidatur für 2012 noch nicht verkündet hat, in den vergangenen Wochen kaum mit seinem aussenpolitischen Profil punkten. Selbst sein Einsatz für die Aufständischen in Libyen, den er ausgerechnet am Tag der ersten sozialistischen Fernsehdebatte mit einem Besuch vor Ort zelebrierte, brachte ihm in Umfragen keinen Aufschwung. Die Franzosen scheinen ihres hyperaktiven Präsidenten müde und bereit zu sein für einen, der wie Hollande aus ihrer Mitte kommt und einfach nur «normal» sein will.

Eine Schlacht, nicht den Krieg gewonnen

«Er hat hervorragende Chancen, Präsident zu werden», sagt Peter Gey von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Paris. Dass Sarkozy noch einmal nach vorne kommt, glaubt er nicht. Und die Sozialisten wollen dem Präsidenten nicht den Gefallen tun, sich wie früher in Grabenkämpfen zu zerreiben. Das machten die Genossen bereits am Sonntagabend deutlich. «Hollande ist unser Kandidat für 2012», verkündete Parteichefin Aubry nach ihrer Niederlage. «Ich werde alle meine Energie und meine Kraft einsetzen, damit er in sieben Monaten der neue Präsident wird».

Um zu zeigen, dass die Partei ihren Kandidaten geschlossen unterstützt, stellten sich die unterlegenen Bewerber der ersten Runde nach dem Sieg Hollandes in der Parteizentrale neben den Kandidaten. Rechts von ihm lächelte seine Ex-Partnerin Ségolène Royal in die Kameras, die ihn nach ihrem Ausscheiden in der ersten Runde überraschend ihre Unterstützung zusicherte. Die 58-Jährige hatte bei der Präsidentenwahl 2007 gegen Sarkozy kandidiert und verloren. Nun scheint sie 2012 auf alle Fälle einen Machtwechsel herbeiführen zu wollen. Die 58-jährige Royal, die mit Hollande vier Kinder hat, sagte noch am Sonntagabend: «Es ist die Stunde der Einheit.»

Doch die Sozialisten haben noch einen weiten Weg vor sich, bevor sie im nächsten Jahr vielleicht erstmals nach 31 Jahren wieder den Machtwechsel im Elysée-Palast schaffen. Eine Zeitung kommentierte am Montag: «Francois Hollande hat eine Schlacht gewonnen, nicht den Krieg.» (kpn/AFP)

Erstellt: 17.10.2011, 20:09 Uhr

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4 Kommentare

Ronnie König

17.10.2011, 20:19 Uhr
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Was der Sarko am liebsten hätte wissen wir langsam. Er ist so eine Figur die Papon noch mit Orden behängen würde. Anm.: Papon deportierte Juden und massakrierte Algerier in Paris. Sarko hats mit den Roma. Und den Zugewanderten in der Banlieu. Dort leben die Söhne und Enkel von 1961! Ich wäre froh Sarko wäre schon Geschichte. Auch wenn er in Georgien Schlimmeres verhindert hat. Antworten


Hannes Mueller

17.10.2011, 20:52 Uhr
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Hollande dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit der nächste Präsident Frankreichs werden. Sarkozy hat gründlich abgewirtschaftet. Er ist in den Augen vieler zu einer Witzfigur geworden. Hollande ist integer, intelligent und vertrauenswürdig. Antworten




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