Ausland
Pussy Riot mit Mörderinnen in Baracken
Aktualisiert am 17.08.2012 60 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- Pussy Riot: Urteil könnte abgemildert werden
- «Aussenpolitisch ist das ein Supergau»
- Die Extremistin, die Dichterin und der Nerd
- Pussy-Riot-Sängerin tritt in Hungerstreik
- Pussy-Riot-Mitglied muss in Lagerhaft bleiben
- «Ohne Bösewichte gibt es keine Dramen»
Teilen und kommentieren
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Mit einem «Punkgebet» kurz vor der Präsidentenwahl in Russland protestierten sie im Februar in einer Kirche gegen den heutigen Staatschef Wladimir Putin – jetzt wurden die drei Musikerinnen der Band Pussy Riot im Alter zwischen 22 und 30 Jahren wegen «Rowdytums» zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Und das bedeutet: Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch werden sich bei einer Vollstreckung des Urteils mit Mörderinnen und Diebinnen in Baracken mit bis zu 120 Frauen wiederfinden.
Während es für verurteilte Männer in Russland eine ganze Reihe von Straflagern und Gefängnistypen gibt, sieht der russische Strafvollzug für Frauen nur eine Art von Straflager vor. Die Frauen-Lager bestehen aus Verwaltungsgebäuden, Schlafräumen für die Gefangenen und einem Arbeitsbereich. Die Komplexe sind mit Zäunen, Stacheldraht und Wachtürmen von der Aussenwelt abgeriegelt. Wiederholungstäterinnen und erstmals Verurteilte werden in unterschiedlichen Lagern festgehalten.
Der Tag beginnt um 6 Uhr
Die Lebensumstände der Frauen in den Lagern werden auf der Internetseite des russischen Strafvollzugs sowie von der Mitarbeiterin der Moskauer Nichtregierungsorganisation Gefängnis und Freiheit, Jelena Gordejewa, geschildert. Demnach sind die Verurteilten in grüne Uniformen gekleidet, auf denen ihr Name prangt. Persönliche Kleidung ist verboten. Ein Mal pro Monat dürfen die Frauen telefonieren, wobei das Gespräch auf maximal 15 Minuten begrenzt ist.
Im Gegensatz zu männlichen Gefangenen dürfen die Frauen eine unbegrenzte Zahl an Paketen erhalten. Untergebracht sind die Frauen in den meisten Fällen in Baracken mit 100 bis 120 Gefangenen. Der Tag beginnt um 6.00 Uhr, anschliessend müssen sich die Häftlinge draussen zum Durchzählen versammeln. Nur wenn die Temperaturen unter minus 30 Grad fallen, findet die Zählung drinnen statt.
Uniformen nähen
In jedem Frauen-Lager gibt es drei Unterbringungsformen: normal, erleichert und streng. Im normalen Strafvollzug dürfen die Frauen pro Jahr sechs kurze Besuche (bis zu vier Stunden) erhalten sowie vier lange Besuche (bis zu drei Tage). Für die langen Besuche steht den Gefangenen und ihren Besuchern wie Ehemann oder Eltern ein separater Raum zur Verfügung. Besuche von Nicht-Familienmitgliedern müssen von der Gefängnisverwaltung genehmigt werden. Tolokonnikowa und Alechina haben kleine Kinder, von denen sie seit Monaten wegen der Untersuchungshaft getrennt sind.
Weniger als die Hälfte der Frauen geht im Lager einer Arbeit nach. Wer arbeitet, kann zwischen 25 und 50 Euro im Monat verdienen. Die Arbeit besteht in der Regel darin, Uniformen für die Gefängnisverwaltung, die Armee oder das Innenministerium zu nähen. Für die Frauen, deren Verhalten gut bewertet wird, gilt der sogenannte erleichterte Strafvollzug. So können die Gefangenen ohne Einschränkungen Produkte im Lager kaufen und bekommen zwei zusätzliche lange Besuche gewährt.
Die strenge Unterbringungsform wird drei Monate lang für die Frauen verhängt, die gegen Regeln verstossen haben. Dazu zählt etwa der Konsum von Alkohol und Drogen, Ungehorsam oder Beleidigung von Gefängnisbeamten. Die Frauen werden dann isoliert, dürfen nur einmal pro Tag für anderthalb Stunden nach draussen und keine Telefonate führen oder Besuche empfangen. In Russland sitzen derzeit rund 59'000 Frauen ein. Frauen aus Moskau werden nicht zwangsläufig in Lagern nahe der Hauptstadt inhaftiert, sondern können sich hunderte Kilometer entfernt wiederfinden. (bru/AFP)
Erstellt: 17.08.2012, 19:48 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
60 Kommentare
Gut, Russland war mal auf dem Weg zur Demokratie - dort hätte man so eine Performance toleriert. Aber jetzt, nach Putins Wahltricksereien, geht's eiligen Schrittes in Richtung Unterdrückung, Verweigerung von Menschenrechten, Diktatur eben. Die politische Klasse der westlichen Welt hält sich zurück. Putins Männerfreund G. Schröder hält weiter zum "lupenreinen Demokraten" - kein Räuspern, nichts... Antworten
Ausland
- 08:59Freund von Londoner Attentäter bei BBC festgenommen
- 08:10Guatemalteken protestieren gegen Urteils-Aufhebung für Ex-Diktator
- 07:22Polizisten töten Selbstmordkommando der Taliban
- 22:57Die drei Antworten auf die Waffen-Frage
- 21:45Die sechste Nacht in Folge brannte es in Stockholm
- 20:42«Er wollte schon als Junge zur Armee gehen»
Flugpreise vergleichen
Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.
Online-Wettbewerb
Wir feiern - Sie profitieren. Einen Tag lang freie Fahrt ab CHF 25.- mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten BLS-Gebiet.
Alles für Abonnenten und Abonnentinnen
Laden Sie sich Ihr ePaper auf Ihren Computer und blättern Sie gratis und ab 5 Uhr früh in Ihrem "Bund".
Jetzt wechseln und sparen
Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.

Bitte warten


Die Welt in Bildern





















