Ausland

Pussy Riot mit Mörderinnen in Baracken

Aktualisiert am 17.08.2012 60 Kommentare

Ein Telefonat pro Monat, keine persönlichen Kleider, Schuften in der Näherei: Die drei Musikerinnen der russischen Band Pussy Riot müssen sich auf Haft unter harten Bedingungen einstellen.

1/25 Kommt in die Lagerhölle Mordowien: Nadja Tolokonnikowa russischen Republik Mordowien abbüssen, liegt rund 650 Kilometer östlich von Moskau. Der Strafvollzug in der alten Sowjetanlage gilt als besonders hart. (10. Oktober 2012)
Bild: AFP

   

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Mit einem «Punkgebet» kurz vor der Präsidentenwahl in Russland protestierten sie im Februar in einer Kirche gegen den heutigen Staatschef Wladimir Putin – jetzt wurden die drei Musikerinnen der Band Pussy Riot im Alter zwischen 22 und 30 Jahren wegen «Rowdytums» zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Und das bedeutet: Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch werden sich bei einer Vollstreckung des Urteils mit Mörderinnen und Diebinnen in Baracken mit bis zu 120 Frauen wiederfinden.

Während es für verurteilte Männer in Russland eine ganze Reihe von Straflagern und Gefängnistypen gibt, sieht der russische Strafvollzug für Frauen nur eine Art von Straflager vor. Die Frauen-Lager bestehen aus Verwaltungsgebäuden, Schlafräumen für die Gefangenen und einem Arbeitsbereich. Die Komplexe sind mit Zäunen, Stacheldraht und Wachtürmen von der Aussenwelt abgeriegelt. Wiederholungstäterinnen und erstmals Verurteilte werden in unterschiedlichen Lagern festgehalten.

Der Tag beginnt um 6 Uhr

Die Lebensumstände der Frauen in den Lagern werden auf der Internetseite des russischen Strafvollzugs sowie von der Mitarbeiterin der Moskauer Nichtregierungsorganisation Gefängnis und Freiheit, Jelena Gordejewa, geschildert. Demnach sind die Verurteilten in grüne Uniformen gekleidet, auf denen ihr Name prangt. Persönliche Kleidung ist verboten. Ein Mal pro Monat dürfen die Frauen telefonieren, wobei das Gespräch auf maximal 15 Minuten begrenzt ist.

Im Gegensatz zu männlichen Gefangenen dürfen die Frauen eine unbegrenzte Zahl an Paketen erhalten. Untergebracht sind die Frauen in den meisten Fällen in Baracken mit 100 bis 120 Gefangenen. Der Tag beginnt um 6.00 Uhr, anschliessend müssen sich die Häftlinge draussen zum Durchzählen versammeln. Nur wenn die Temperaturen unter minus 30 Grad fallen, findet die Zählung drinnen statt.

Uniformen nähen

In jedem Frauen-Lager gibt es drei Unterbringungsformen: normal, erleichert und streng. Im normalen Strafvollzug dürfen die Frauen pro Jahr sechs kurze Besuche (bis zu vier Stunden) erhalten sowie vier lange Besuche (bis zu drei Tage). Für die langen Besuche steht den Gefangenen und ihren Besuchern wie Ehemann oder Eltern ein separater Raum zur Verfügung. Besuche von Nicht-Familienmitgliedern müssen von der Gefängnisverwaltung genehmigt werden. Tolokonnikowa und Alechina haben kleine Kinder, von denen sie seit Monaten wegen der Untersuchungshaft getrennt sind.

Weniger als die Hälfte der Frauen geht im Lager einer Arbeit nach. Wer arbeitet, kann zwischen 25 und 50 Euro im Monat verdienen. Die Arbeit besteht in der Regel darin, Uniformen für die Gefängnisverwaltung, die Armee oder das Innenministerium zu nähen. Für die Frauen, deren Verhalten gut bewertet wird, gilt der sogenannte erleichterte Strafvollzug. So können die Gefangenen ohne Einschränkungen Produkte im Lager kaufen und bekommen zwei zusätzliche lange Besuche gewährt.

Die strenge Unterbringungsform wird drei Monate lang für die Frauen verhängt, die gegen Regeln verstossen haben. Dazu zählt etwa der Konsum von Alkohol und Drogen, Ungehorsam oder Beleidigung von Gefängnisbeamten. Die Frauen werden dann isoliert, dürfen nur einmal pro Tag für anderthalb Stunden nach draussen und keine Telefonate führen oder Besuche empfangen. In Russland sitzen derzeit rund 59'000 Frauen ein. Frauen aus Moskau werden nicht zwangsläufig in Lagern nahe der Hauptstadt inhaftiert, sondern können sich hunderte Kilometer entfernt wiederfinden. (bru/AFP)

Erstellt: 17.08.2012, 19:48 Uhr

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60 Kommentare

Eberhard Frost

17.08.2012, 00:26 Uhr
Melden 123 Empfehlung 0

Gut, Russland war mal auf dem Weg zur Demokratie - dort hätte man so eine Performance toleriert. Aber jetzt, nach Putins Wahltricksereien, geht's eiligen Schrittes in Richtung Unterdrückung, Verweigerung von Menschenrechten, Diktatur eben. Die politische Klasse der westlichen Welt hält sich zurück. Putins Männerfreund G. Schröder hält weiter zum "lupenreinen Demokraten" - kein Räuspern, nichts... Antworten


Reto Burgener

17.08.2012, 07:26 Uhr
Melden 108 Empfehlung 0

Umso grösser erscheint mir dadurch der Mut dieser jungen Frauen, die gegen Putin protestieren. Es wäre eine Chance für westliche Regierungen, sich für sie öffentlich einzusetzen. Antworten



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