Vier Landeversuche, dann blieb die Maschine an Bäumen hängen
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Der Pilot der Präsidentenmaschine habe bei nebligem Wetter vier Landeversuche unternommen, sagte der Vizekommandant der russischen Luftwaffe, Sergej Rasygrajew, der Agentur Itar-Tass. Der Flughafen in der Nähe der Stadt Smolensk sei technisch in einwandfreiem Zustand gewesen. Wegen des Nebels soll dem Piloten angeboten worden sein, in der weissrussischen Hauptstadt Minsk zu landen oder nach Warschau umzukehren, berichteten russische Medien. In anderen Berichten heisst es, auch ein Weiterflug nach Moskau sei zur Debatte gestanden.
Ähnlich äusserte sich laut der Agentur Interfax auch ein Vertreter der weißrussischen Luftfahrtbehörde. Die weißrussischen Fluglotsen seien von ihren russischen Kollegen gebeten worden, die polnische Präsidentenmaschine vor dem Verlassen ihres Luftraums darüber zu informieren, dass die Wetterbedingungen für eine Landung in Smolensk ungünstig seien. Dies hätten die Fluglotsen weitergegeben.
Keine Chance für die Insassen
«Die Besatzung hat dann eine unabhängige Entscheidung getroffen, in Smolensk zu landen», sagte der Sprecher der Smolensker Regionalregierung, Andrej Jewsejenkow, im russischen Fernsehen. Dreimal schon musste der Pilot einen Landeversuch abbrechen, beim vierten Mal blieb er an Bäumen hängen. Nach Angaben der russischen Behörden stürzte die Tupolew Tu-154 kurz vor der Landung am Flughafen der westrussischen Stadt Smolensk in einem Waldstück ab. Alle 96 Insassen kamen ums Leben. Darin Polens Präsident Lech Kaczynski und viele hohe Regierungs- und Militärvertreter.
An der Unglücksstelle südlich von Smolensk lagen danach zahlreiche Wrackteile des in den polnischen Farben Rot und Weiss gestrichenen Flugzeugs verstreut. Wenige Stunden nach dem Absturz ist der Flugschreiber gefunden worden. Das teilte am Samstagabend der russische Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu mit. Die Daten würden jetzt von Experten ausgewertet.
Auf dem Weg zur Gedenkfeier
Polens Regierungschef Tusk sprach vom «tragischsten Ereignis in der Nachkriegsgeschichte» seines Landes. Er rief das Kabinett zu einer Sondersitzung zusammen. Tusk stand in direkter Verbindung mit Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski, der gemäss der polnischen Verfassung die Amtsgeschäfte des Staatschefs übernommen hat. Komorowski ordnete eine Woche Staatstrauer an.
Kaczynski wollte mit der Delegation an der Gedenkfeier für die Ermordung tausender polnischer Offiziere und Soldaten durch den stalinistischen sowjetischen Geheimdienst NKWD vor 70 Jahren im russischen Katyn teilnehmen.
Medwedew will aufklären
Dort hatte es bereits am Mittwoch eine Gedenkfeier mit dem russischen Regierungschef Wladimir Putin und seinem polnischen Amtskollegen Donald Tusk gegeben - der Putin-Kritiker Kaczynski, der seit Dezember 2005 Präsident war, war nicht eingeladen worden und wollte nun drei Tage später des Massakers gedenken.
Der russische Präsident Dmitri Medwedew zeigte sich erschüttert über die Katastrophe und versprach Aufklärung. «Mit tiefem und aufrichtigem Mitgefühl habe ich, wie alle Bürger Russlands, die Nachricht von dieser schrecklichen Tragödie aufgenommen», sagte Medwedew nach Angaben des Kreml.
Er setzte eine Untersuchungskommission unter Leitung von Regierungschef Putin ein. Putin wollte an den Unglücksort reisen und dort auch Tusk treffen, wie die Agentur Interfax am Samstag meldete. Die historisch schwierigen Beziehungen zwischen Russen und Polen hatten sich zuletzt gebessert.
Weltweite Betroffenheit
Weltweit herrschte tiefe Betroffenheit. Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel kondolierten dem polnischen Volk. «Ganz Deutschland steht in dieser schweren Stunde in Mitgefühl und Solidarität an Ihrer und der Seite Polens», schrieb Merkel an Tusk.
US-Präsident Barack Obama telefonierte mit Tusk. «Der heutige Verlust ist verheerend für Polen, die USA und die Welt», hiess es in einer schriftlichen Erklärung Obamas.
Der britische Premier Gordon Brown würdigte Kaczynski als eine der «Schlüsselfiguren in Polens jüngster politischer Geschichte». Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nannte Kaczynski einen überzeugten Totalitarismus-Gegner und Kämpfer für Werte wie Demokratie und Freiheit. Der israelische Präsident Schimon Peres würdigte ihn als einen «wahren Freund des Staates Israel». Auch die Schweiz kondolierte - übermittelt durch ein Schreiben von Bundespräsidentin Doris Leuthard. (cpm/ddp/sda)
Erstellt: 10.04.2010, 19:40 Uhr
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