Ausland

Traumland Deutschland

Von David Nauer, Berlin. Aktualisiert am 11.05.2011 79 Kommentare

Während immer mehr Deutsche in der Schweiz wohnen, ist die Zahl der in Deutschland ansässigen Schweizer seit 30 Jahren stabil. Dabei ist «im Tüütsche usse» vieles besser, findet TA-Korrespondent David Nauer.

Auswandern lohnt sich: Sonnenuntergang mit Sicht auf die Silhouette des Fernsehturmes am Berliner Alexanderplatz.

Auswandern lohnt sich: Sonnenuntergang mit Sicht auf die Silhouette des Fernsehturmes am Berliner Alexanderplatz.
Bild: Keystone

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«Kein Wunder bei den tiefen Löhnen und hohen Steuern!», denkt da die helvetische Krämerseele – und irrt. Denn erstens sind die Lebenshaltungskosten «im Tüütsche usse» viel tiefer, und zweitens gibt es sonst von allem etwas mehr: mehr Platz, mehr Frauen und Männer, mehr Probleme, mehr Currywurst.

Wenn die Schweiz ein Ferienheim wäre, dann wäre Deutschland das richtige Leben – mit all seinen Abgründen und Chancen. In Deutschland werden die schärfsten Autos gebaut, die meisten Döner gebraten, die klügsten Zeitungen gedruckt (abgesehen vom «Tages-Anzeiger», natürlich). Hier wird der Euro gerettet, hierhin ruft Sarkozy an, bevor er Libyen bombardiert. Ein Leben inmitten dieses 80-Millionen-Volkes gibt einem das Gefühl, am Weltgeschehen teilzuhaben, drin zu sein im Strudel der Zeit, ein kleines bisschen sogar mitreden zu können. Man sitzt auf der Bühne statt im Zuschauerraum.

Vorteil einer Schweizer ID

Kommt hinzu: Schweizer werden in Deutschland besonders zuvorkommend behandelt, besser als die eigenen Landsleute. Der Schreibende etwa hat in einer Berliner Rocker-Kneipe einmal fast eine Faust ins Gesicht gekriegt, weil der Wirt meinte, er sei ein Schwabe, also aus Stuttgart und Umgebung (die Berliner, muss man wissen, mögen die Süddeutschen nicht). Erst nach Vorzeigen der Schweizer Identitätskarte beruhigte sich die Stimmung, es gab Verbrüderungsszenen und Freibier. «Ach, ein Schwiiizer, wenn ich das gewusst hätte . . .!»

Das Beste aber an Deutschland: Man muss sich nicht ständig an Diskussionen beteiligen, dass es nun auch schon viele Deutsche in der Stadt habe und dass es immer mehr würden und was diese Personenfreizügigkeit alles sonst noch so mit sich bringe. Stattdessen erzählen einem die Menschen von ihren Brüdern, Schwestern, Nichten oder Neffen, die in die Schweiz ausgewandert seien und denen es dort sehr, sehr, sehr gefalle. Auch schön, oder? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.05.2011, 11:36 Uhr

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79 Kommentare

Karl Klingler

11.05.2011, 13:32 Uhr
Melden 61 Empfehlung

Im Vergleich zu Deutschland (oder anderen richtigen Ländern) ist die Schweiz kein Ferienheim, sondern eine Anstalt. Hier wirken alle ein wenig sediert (selbst Migranten aus heissblütigen Ländern schon nach kurzem Aufenthalt). Ich hab längstens den Verdacht, die tun uns etwas ins Trinkwasser. Antworten


Reto Kloter

11.05.2011, 12:26 Uhr
Melden 36 Empfehlung

Ich bin hin und weg von Berlin!!! Eine Su-per-stadt, dagegen ist Zürich ein Schlafwagenabteil. Hier gehts ab wie Rakete, und nicht mit gelangweilten Zeitgeist-Yuppies wie in ZH, sondern auch und viel dreckige Subkultur vom Feinsten! @Martin Fischer, fahren Sie nach Deutschland und Sie löschen danach garantiert Ihren Kommentar! Berlin ist der kulturelle Mittelpunkt Europas, der reinste Wahnsinn! Antworten




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