Zahl der verletzten Polizisten war wohl übertrieben

476 verletzte Polizisten bei den Gewaltexzessen am G-20-Gipfel in Hamburg? Laut Medienberichten waren es deutlich weniger Verletzte.

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Die Aufarbeitung der Krawalle beim G-20-Gipfel in Hamburg ist noch lange nicht abgeschlossen. Für neue Polemiken sorgt nun eine Recherche des Newsportals BuzzFeed. Demnach wurden bei den Strassenschlachten deutlich weniger Polizisten verletzt, als die Hamburger Polizei nach den Gewaltexzessen mitgeteilt hatte. «BuzzFeed News» stützt sich auf eine Umfrage bei den Polizeibehörden aller 16 Bundesländer sowie bei der Bundespolizei.

In der heissen Einsatzphase (6. bis 9. Juli) sollen 231 Polizisten verletzt worden sein. Die Zahl von total 476 verletzten Polizisten bezieht sich auf die erweiterte Einsatzphase (22. Juni bis 10. Juli). «Mehr als die Hälfte der Einsatzkräfte meldeten sich also in den beiden Wochen vor den Demonstrationen krank oder verletzt», schreibt «BuzzFeed News» unter Berufung auf Angaben des bayrischen Innenministeriums, das sich seinerseits auf Informationen der Polizeibehörden von Hamburg stützt.

Die offiziellen Angaben der Hamburger Polizei verschweigen, dass nicht alle als verletzt gemeldeten Polizisten Opfer gewalttätiger Autonomer geworden sind. Dutzende der Verletzungen gehen offensichtlich auf Dehydrierung und Kreislaufprobleme zurück, die sich bei Einsätzen in grosser Hitze oder anderen Vorfällen ergaben. Medienberichten zufolge gab es auch verletzte Polizisten infolge «friendly fire», also als Folge eigener Aktionen, insbesondere im Zusammenhang mit dem polizeilichen Einsatz von Reizgas.

Zwei schwer verletzte Polizisten

Wie die Recherchen von «BuzzFeed News» zeigen, waren die allermeisten der als verletzt erfassten Polizisten nach kurzer Behandlung vor Ort sofort wieder diensttauglich. Insgesamt wurden 21 Polizisten so schwer verletzt, dass sie noch am Folgetag oder länger nicht einsatztauglich waren. Offiziell als schwer verletzt gelten zwei Beamte der Bundespolizei. Die 16 Länderpolizeien meldeten keine Schwerverletzten.

Gefährlicher Einsatz gegen Randalierer: Polizisten bringen einen verletzten Kollegen in Sicherheit. Foto: Reuters

Die Hamburger Polizei hatte bei ihrer Abschlussmedienkonferenz zu den Gewaltexzessen am G-20-Gipfel einen dramatischeren Eindruck erweckt. Der umstrittene Einsatzleiter Hartmut Dudde sprach nicht nur von 476 Polizisten, sondern auch von «Gesichtstreffern und Gehirnerschütterungen». «BuzzFeed News» zitiert nun den in Deutschland bekannten Polizei-Experten Rafael Behr, Professor an der Akademie der Polizei in Hamburg: «Die Zahl der verletzten Polizisten muss dringend relativiert und eingeordnet werden.» Von der Hamburger Polizei gab es über das Wochenende keine Stellungnahme zu den in den Medienberichten genannten Zahlen.

Hunderte Demonstranten verletzt

Keine offiziellen Angaben gibt es zur Zahl der verletzten Demonstranten. Gemäss Medienberichten wurden in Hamburger Spitälern und Notfalldiensten mehrere Hundert Personen behandelt. Mehr als 400 Demonstranten nahm die Polizei fest oder in Gewahrsam. Bei den schweren Ausschreitungen während des G-20-Gipfels gingen Demonstranten mit Pyrotechnik, Pflastersteinen und Zwillen mit Stahlkugeln gegen Beamte vor. Gewaltvorwürfe gegen die Polizei wiesen die Hamburger Behörden zurück.

Die offenbar übertriebene Zahl verletzter Polizisten liefert nun neue Argumente für die Kritiker der Polizei. Die Verteidiger der Einsatzkräfte erwidern, dass jeder verletzte Polizist ein Verletzter zu viel sei. Die Gewaltexzesse der Linken seien unentschuldbar. (vin)

Erstellt: 17.07.2017, 15:48 Uhr

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