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Streit um Geschlechterrollen entzweit deutsche Frauen

Von David Nauer, Berlin. Aktualisiert am 10.11.2010 16 Kommentare

Ist der Feminismus zu weit gegangen? Familienministerin Kristina Schröder bringt mit ihren Thesen die Grande Dame der Frauenbewegung gegen sich auf.

Gegensätzliche Positionen: Feminismus-Ikone Alice Schwarzer schiesst scharf gegen die Äusserungen von Familienministerin Kristina Schröder (CDU).

Gegensätzliche Positionen: Feminismus-Ikone Alice Schwarzer schiesst scharf gegen die Äusserungen von Familienministerin Kristina Schröder (CDU).
Bild: DPA

Die eine könnte die Mutter sein, die andere ihre Tochter. Doch zwischen Alice Schwarzer, 67, und CDU-Ministerin Kristina Schröder, 33, hängt der Haussegen schief. Grund: ein Streit über Sinn und Unsinn des Feminismus.

Die Ministerin hatte sich in einem «Spiegel»-Interview zu Beginn der Woche von der Frauenbewegung distanziert. Insbesondere missfällt ihr die Idee, dass erst die Gesellschaft die Frau zur Frau mache – und nicht die Biologie. Dieses Credo, so Schröder, habe sie schon als Schülerin nicht überzeugt. Auch mit einigen Ideen von «Emma»-Herausgeberin Alice Schwarzer kann sie wenig anfangen. Zum Beispiel dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau. «Da kann ich nur sagen: Sorry, das ist falsch.»

Unterstützung von FDP-Frau

Schwarzer, die zuletzt als Kolumnistin des Revolver- und Busen-Blattes «Bild» aufgefallen ist, schoss scharf zurück. «Ich halte Sie für einen hoffnungslosen Fall. Schlicht ungeeignet», schrieb sie in einem offenen Brief an die Ministerin. Zudem warf sie Schröder vor, «hanebüchenen Unsinn» über ihre Bücher zu verbreiten. «Frau Ministerin, ein so billiges Klischee wagen Sie doch nicht allen Ernstes über die folgenreichste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts zu verbreiten.» Gratis dazu gab es einen Berufstipp. Schwarzer an Schröder: Sie soll doch Pressesprecherin eines rechtskonservativen Männerbundes werden.

Zornig reagiert auch die grüne Spitzenpolitikerin Renate Künast, seit wenigen Tagen Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Berlin. Sie sei entgeistert über das «krude und altbackene» Interview der Ministerin. Die CDU-Politikerin leide an einem «angewandten Spaltungsirrsinn, was ein anderes Wort für Schizophrenie ist». Unterstützung erhielt Schröder dagegen von FDP-Vizechefin Silvana Koch-Mehrin. Die Ministerin habe Recht, so die liberale Politikerin. «Wir sind über den klassischen Begriff des Feminismus schon weit hinaus.»

Der Streit um Geschlechterrollen ist die bisher aufregendste Debatte, die Ministerin Schröder ausgelöst hat. Die junge Hessin, seit einem Jahr im Amt, bekundete zunächst Mühe , in die übergrossen Fussstapfen von Vorgängerin Ursula von der Leyen (ebenfalls CDU) zu treten. In die Schlagzeilen schaffte sie es erst, als sie ihren Freund heiratete und dessen Familiennamen annahm.

Fussball statt Ponys?

Im mehrseitigen «Spiegel»-Interview zeichnet Kristina Schröder nun aber eine eigene politische Linie. So spricht sie sich gegen Frauenquoten in der Wirtschaft aus. Solche brauche es in Zeiten des Fachkräftemangels nicht. Die weiterhin bestehende Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau führt Schröder auf die Frauen selbst zurück. Diese würden bei Bewerbungsgesprächen oft zu bescheiden auftreten.

Zudem will die Ministerin künftig vermehrt Knaben fördern. So müssten etwa die pädagogischen Inhalte in Kindertagesstätten und Schulen daraufhin geprüft werden, ob sie auch die Bedürfnisse von Jungen abdeckten. «Überspitzt ausgedrückt: Schreiben wir genug Diktate mit Fussballgeschichten? Oder geht es immer nur um Schmetterlinge und Ponys?»

CSU: Streit um Frauenquoten

Man muss nicht Alice Schwarzer heissen, um sich zu fragen, ob diese Vorschläge ernst gemeint sind. Offenbar herrscht in der Geschlechter-Debatte in Deutschland eine gewisse Verwirrung. Weiteres Beispiel: Vor knapp zwei Wochen stritt die CSU stundenlang über die Einführung einer Frauenquote für höhere Parteiämter. Parteichef Horst Seehofer, der einst mit einer ausserehelichen Affäre im fernen Berlin von sich reden machte, verteidigte das Projekt. Die Frauen-Förderungsmassnahme, so erhofft er sich, soll der Partei ein moderneres Image verpassen.

Zu den erbittertsten Gegnern der Quote zählte ausgerechnet der weibliche Parteinachwuchs. Mehrere junge CSU-Frauen argumentierten, sie wollten in Spitzenämter kommen, weil sie gut seien, nicht, weil ihnen als Frau ein Platz frei gehalten werde. Ältere Kolleginnen hielten dem entgegen, dass es eine Frau im Männerverein CSU eben auch dann schwer habe, wenn sie brillant sei. Am Schluss setzen sich die Partei-Oberen durch.

Die Diskussion in Bayern hat gezeigt, dass das Thema weniger Männer und Frauen als vielmehr Junge und Ältere spaltet. Kristina Schröder hat immerhinhat eingestanden: Ohne den Kampf der Feministinnen von damals wäre sie heute nicht Chefin eines Ministeriums. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2010, 23:23 Uhr

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16 Kommentare

Dieter Wundrig

10.11.2010, 12:26 Uhr
Melden 2 Empfehlung

@ Monika Bühler- Ob nun noch zeitgemäss oder auch nicht. Eines ist aber ganz sicher, Frau Schwarzer hat damals starrsinnige Männerköpfe mit altmodischen Frauenbildern aufgebrochen und vielen Frauen zu mehr Selbstbewusstsein verholfen. Ich glaube, davon haben alle Frauen profitiert, sicherlich auch Sie. Emanzipation ist nicht allein vom Himmel gefallen. Was sollte also daran unzeitgemäss sein? Antworten


Matthias Stemmler

10.11.2010, 11:37 Uhr
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Die Beziehung zwischen Mann und Frau solltte eine Ergänzung nicht ein Kampf sein. Die Frau sollte in ihrer gleichwertigen Weiblichkeit gestärkt werden und nicht maskulinisieren. Liebe zum und Respekt und Achtung vor dem weiblichen Geschlecht hat nichts mit Kampf zu tun. Aber ich denke , es gibt da eine Menge Frauen die verwechseln da einige Dinge. Antworten




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